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„Sie wollten uns Lektion erteilen“Vier Erntehelfer in Italien bei lebendigem Leib verbrannt

Vier pakistanische Landarbeiter wurden in Italien ermordet. Aufnahmen der Überwachungskameras der Tankstelle zeigen zwei Personen, die die Türen des Minivans von außen blockieren und Flüssigkeit hineinwerfen.

Copyright: IMAGO/ABACAPRESS

Vier pakistanische Landarbeiter wurden in Italien ermordet. Aufnahmen der Überwachungskameras der Tankstelle zeigen zwei Personen, die die Türen des Minivans von außen blockieren und eine Flüssigkeit hineinwerfen.

Aktualisiert:

Schock-Videos aus Italien zeigen eine unfassbare Brutalität. Vier Männer sterben in einem Flammen-Inferno, weil sie ihr Gehalt forderten. Die Täter schauten einfach zu.

Dieses Video lässt Italien sprachlos zurück: Zwei Personen sind auf den Aufzeichnungen zu sehen, wie sie Treibstoff mit einem Tankstutzen in das Innere eines Minivans leiten. Anschließend wird der Fiat in Brand gesteckt, während die Täter die Türen von außen blockieren. Man sieht mit Entsetzen, wie der Wagen stark wackelt, weil die Insassen einen vergeblichen Befreiungsversuch unternehmen. Erfolglos. Danach ergreifen die beiden Angreifer die Flucht.

Jede Rettung für die vier Insassen des Fahrzeugs war aussichtslos: Ismat, Fazal, Waseem und Safi. Die Männer kamen aus Afghanistan sowie Pakistan. Sie waren in der Gegend als Saisonarbeiter auf Erdbeerplantagen tätig – zu unwürdigen Konditionen und für eine miserable Bezahlung. Sie starben bei vollem Bewusstsein in den Flammen.

Ganz Italien unter Schock

Die Aufnahmen werden seit Montag in den italienischen TV-Nachrichten permanent gezeigt. Die gesamte Nation ist fassungslos angesichts des vierfachen Tötungsdelikts.

Bei zahlreichen Menschen regt sich aber auch ein ungutes Gefühl, da die unwürdige Behandlung von Migranten weithin bekannt ist. Insbesondere in Süditalien, einer Region mit intensivem Obst- und Gemüseanbau, herrschen häufig menschenunwürdige Arbeitsverhältnisse.

Landwirtschaft in Italien

Copyright: Luca Bruno/AP/dpa

Italien versorgt auch viele andere europäische Länder mit Obst und Gemüse. (Symbolbild)

Rund um die Ortschaft Amendolara mit ihren 3.000 Einwohnern, gelegen im tiefsten Süden der italienischen Halbinsel, erfolgt hauptsächlich die Ernte von Orangen, Mandarinen sowie Erdbeeren. Die Produkte, die dort geerntet werden, finden sich häufig auch in den Regalen deutscher Lebensmittelgeschäfte wieder.

Sklavenarbeit für die Früchte in unseren Läden?

Vor Ort ist allen bekannt, auf welche Weise Arbeitskräfte aus Nationen wie Indien, Pakistan, Bangladesch oder Afghanistan auf den Plantagen behandelt werden. Die Bezahlung pro Stunde übersteigt selten den Betrag von drei Euro. Nach aktuellen Schätzungen sind über 200.000 Personen in Italiens Agrarsektor unter derartigen Konditionen beschäftigt.

Zahlreiche Beobachter bezeichnen dies als eine Form neuzeitlicher Sklaverei. Einige reden auch über eine „Agrararbeiter-Mafia“, der Kontakte zur 'Ndrangheta, der einflussreichsten kriminellen Vereinigung Italiens, nachgesagt werden. Sogenannte Capos, bei denen es sich oft selbst um aufgestiegene Migranten handelt, organisieren die Rekrutierung, die Unterkunft und die Entlohnung der schlecht bezahlten Arbeitskräfte.

35-Jähriger überlebt als Einziger das Flammen-Inferno

Anscheinend handelte es sich bei den Verantwortlichen für den vierfachen Mord ebenfalls um solche Capos. Mithilfe der Videoaufnahmen und der Zeugenaussage des einzigen Überlebenden wurden zwei pakistanische Männer als Tatverdächtige ermittelt. Diese befinden sich jetzt in U-Haft.

Bei dem Überlebenden handelt es sich um den 35-jährigen Taj Alamyar aus Afghanistan. Er war ebenfalls ein Insasse des Wagens, schaffte es aber, eine Heckscheibe einzuschlagen und nach draußen zu fliehen. Mit schlimmen Verbrennungen an seinen Händen schildert er, dass er gemeinsam mit den anderen auf Matratzen in einem bescheidenen Farmhaus untergebracht war – für eine tägliche Entlohnung von theoretisch 45 Euro.

„Mund halten oder Ihr werdet umgebracht“

Allerdings bekamen sie die Bezahlung kaum zu Gesicht. „Wir haben jeden Tag unsere Bezahlung verlangt. Aber sie haben immer eine Ausrede gefunden“, erklärt Alamyar. Stattdessen zog man ihnen sogar noch Geld ab: „Für die Fahrt zur Arbeit fünf Euro von uns verlangt. Fünf Euro hin, fünf Euro zurück. Zu Hause bekamen wir Brot und Kartoffeln, sonst nichts.“

Am Vormittag des Tattages gab es wieder eine Auseinandersetzung. „Sie haben eine Pistole auf uns gerichtet: ‚Mund halten oder Ihr werdet umgebracht.‘“ Die Lage spitzte sich dann auf dem Heimweg von den Plantagen an der Tankstelle zu. Alamyar ist überzeugt: „Sie wollten uns eine Lektion erteilen. Sie wollen den Landarbeitern hier in der Region klarmachen, dass Befehle nicht diskutiert werden.“

Roberto Saviano

Copyright: Oliver Berg/dpa

Der Bestseller-Autor Roberto Saviano kritisierte die Zustände seit langem. (Archivbild)

Diese Annahme teilen derzeit auch die Fahnder: Man wollte offenbar ein abschreckendes Beispiel schaffen. In der jüngeren Vergangenheit gingen in der Gegend mehrfach Fahrzeuge in Flammen auf, die zum Transport von Saisonarbeitern dienten. Der Fall von vier verstorbenen indischen Erntehelfern aus dem Vorjahr, der ursprünglich als Verkehrsunglück galt, wird jetzt ebenfalls neu aufgerollt.

Bestseller-Autor Saviano: „Verantwortlich sind die großen Einzelhandelsketten“

Im Anschluss an die schockierende Tat verlangt ein Bischof aus Kalabrien, Francesco Savino, nun Konsequenzen: „Genug mit dem bequemen Schweigen. Genug mit der schäbigen Angewohnheit, es für normal zu halten, dass Männer von weit her bei uns wie Leichen ohne Geschichten sterben.“ In Italien existiert zwar eine gesetzliche Regelung gegen Ausbeutung, die empfindliche Strafen vorsieht, aber ihre praktische Anwendung wird als unzureichend betrachtet.

Roberto Saviano, der Erfolgsautor („Gomorrha“), befasst sich schon lange mit dieser Problematik und verortet die Verantwortung an anderer Stelle: „Verantwortlich sind die großen Einzelhandelsketten. Die Marken, die wir alle kennen und zu Preisen kaufen, die es unmöglich machen, einen angemessenen Lohn zu bezahlen.“ Der Tageszeitung „La Stampa“ erklärte er, dass dieses System seit vielen Jahren auf diese Weise laufe. „Bis jemand stirbt. Dann wird eine Kommission eingerichtet. Und dann wird es wieder still.“ (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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