Stromausfall in Reutlingen: War es ein Anschlag?
Strom-Chaos in der NachtVerdacht auf Brandstiftung: 30.000 Menschen in Region ohne Strom

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Die Polizei ermittelt zur Brandursache.
Mitten in der Nacht gehen in der Region Reutlingen die Lichter aus. Zehntausende Menschen sind ohne Strom, der Grund: ein Feuer in einem Umspannwerk. Doch war es ein Unfall – oder ein gezielter Anschlag?
Für rund 30.000 Menschen in Tausenden Haushalten hieß es plötzlich: alles dunkel. Der Schock kam um 1.43 Uhr, als der Strom ausfiel. Nur zwei Minuten später der nächste Alarm für die Feuerwehr: Im Umspannwerk Reutlingen-Mitte standen zwei Trafos lichterloh in Flammen. Gegen 5.00 Uhr morgens war das Feuer gelöscht.
Auch Stunden später waren rund 7.600 Haushalte weiter ohne Strom. Betroffen waren unter anderem die Stadtteile Betzingen und Ohnenhausen, das Industriegebiet Mark West sowie die Gemeinden Kirchentellinsfurt und Wannweil. Jens Balcerek von den Reutlinger Stadtwerken betonte, dass es jetzt vor allem darum gehe, die Leute wieder ans Netz zu bekommen, und sei es mit Notlösungen.
Betreiber geht von Brandstiftung aus
War es ein gezielter Sabotage-Akt? Der Netzbetreiber Netze BW geht von Brandstiftung aus. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte, dass drei Brandstellen gefunden wurden. Das ist der „Wie bitte?!“-Moment in diesem Fall: Wie können an drei Stellen gleichzeitig Feuer ausbrechen?
Zudem seien der Zaun und das Gelände vor der Anlage beschädigt worden. Ein klarer Hinweis auf ein gewaltsames Eindringen? Die Ermittler halten sich dazu noch bedeckt.
Polizei ermittelt in alle Richtungen
Die Polizei will sich noch nicht festlegen. „Unsere Ermittlungen sind in jeglicher Richtung“, erklärte Tina Rempfer vom Polizeipräsidium Reutlingen. Man beziehe alles ein: „Wir beziehen ein, ob es eventuell ein technischer Defekt sein könnte oder eine Brandlegung, eventuell fahrlässig oder auch vorsätzlich.“
Auch Oberbürgermeister Thomas Keck warnt vor voreiligen Schlüssen. Drei zeitgleiche Brände müssten nicht zwangsläufig auf Brandstiftung hindeuten. „Bei technischen Dingen kann es auch sein, dass Brände gleichzeitig ausbrechen.“
Notfall-Treffpunkt und verschobene OPs
Die Behörden bereiten sich darauf vor, dass der Strom noch länger wegbleibt. Für die Nacht wird ein Notfalltreffpunkt eingerichtet, so Bürgermeister Roland Wintzen. Dort könnt ihr zum Beispiel euer Handy laden oder Babynahrung erwärmen.
Auch das Reutlinger Kreisklinikum war betroffen. Die Notstromaggregate sprangen zwar sofort an, dennoch mussten insgesamt zehn Operationen verschoben werden. Unklar ist, wann die Versorgung wieder vollständig hergestellt ist. Richard Huber von Netze BW schätzt, dass es bis zur Vollversorgung rund 48 Stunden dauern könnte.
Der Schaden geht nach ersten Informationen in die Millionen. Eine offizielle Schätzung gibt es aber noch nicht. Die Stadtverwaltung teilte mit: „Eine belastbare Prognose zur vollständigen Wiederherstellung der Stromversorgung ist derzeit noch nicht möglich.“ (dpa/red)
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