Laut „Spiegel“ soll ein Freiburger Studienberater mehr als 800 Frauen heimlich gefilmt haben. Betroffene erzählen, was die Angst und das „Kopfkino“ mit ihnen machen.
Skandal an UniMitarbeiter filmt heimlich Hunderte Frauen: „Wie krank ist das?“

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Universitätsbibliothek in Freiburg: Ein Mitarbeiter der Uni soll mehr als 800 Frauen heimlich gefilmt haben.
Ein unscheinbares Plastikkästchen im Bad, ein Zettel mit der Bitte, es stehen zu lassen – und dahinter eine versteckte Kamera.
Was wie ein schlechter Thriller klingt, war laut einem „Spiegel“-Bericht über Jahre Realität für Hunderte Frauen in Freiburg.
Nach Ermittlungsakten, über die der „Spiegel“ berichtet, soll ein damals an der Universität Freiburg beschäftigter Studienberater zwischen 2009 und 2024 heimlich mehr als 800 Frauen in intimsten Situationen gefilmt haben – in einer von ihm vermieteten WG (vor allem an Studentinnen), außerdem in einer Uni-Toilette, bei Beratungsgesprächen und sogar auf einer Dienstreise mit Kolleginnen.
In seiner Eigentumswohnung, die er als große WG vermietete, habe er Kameras so platziert, dass Toilette und Dusche erfasst wurden. Unter dem Vorwand, ein angebliches „Messgerät“ prüfen zu müssen, soll er regelmäßig ins Bad gegangen sein, um Speicherkarten auszutauschen.
Fall flog erst Jahre später auf
Vor Gericht sagte der Studienberater laut „Spiegel“, er habe aus „Sexsucht“ gehandelt und sich in Therapie begeben.
Der Fall flog erst Jahre später auf: Am 22. Januar 2024 habe eine Bewohnerin die winzige Kamera in dem Kästchen entdeckt. Laut dem Bericht durchsuchte die Polizei anschließend die WG, die Wohnung des Vermieters und auch Räume der Universität. Auf sichergestellten Datenträgern fanden die Ermittler demnach mehr als 12.000 Videodateien.
Besonders auffällig: Die Dateien seien in Ordner und Unterordner sortiert und teils mit sexualisierten Titeln beschriftet gewesen.
„Wie krank ist das?“
Das Magazin hat mit Betroffenen gesprochen, die in der Wohnung gelebt haben. Sie schildern, was der Verdacht und die Ungewissheit mit ihnen gemacht haben – und wie sehr sie bis heute beschäftigt, was genau gefilmt wurde.
Eine Nebenklägerin zitiert der „Spiegel“ mit den Worten: „Der Typ machte 15 Jahre lang Nacktaufnahmen von uns Mieterinnen. Wie krank ist das?“
Eine weitere Betroffene beschreibt permanentes Misstrauen im Alltag: Öffentliche Toiletten, jeder Winkel wirke verdächtig.
Viele Frauen fühlten sich alleingelassen – von Polizei und Universität. Sie berichten von Schlaflosigkeit, Problemen in Partnerschaften, Konzentrationsstörungen, Panikgefühlen und Ohnmacht. Quälend sei vor allem die Unsicherheit: Wurde ich gefilmt? Und wenn ja – wobei?
Am 9. März 2026 wurde der Studienberater vom Amtsgericht Freiburg wegen „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs und von Persönlichkeitsrechten durch Bildaufnahmen“ (§ 201a StGB) zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Das Urteil sei noch nicht rechtskräftig; die Staatsanwaltschaft habe Berufung eingelegt und zuvor zweieinhalb Jahre gefordert.
Angeklagt worden seien demnach nur 61 Taten zwischen 2019 und 2024 – alles davor sei verjährt.
Kritik an Uni und Behörden
Nach dem Prozess gab es in Freiburg öffentlichen Protest: Hunderte Studierende gingen auf die Straße. Kritisiert wurden sowohl das Strafmaß als auch das Krisenmanagement der Universität.
Die Pressestelle der Universität erklärte dem Magazin, man habe sich für den Umgang mit dem Fall öffentlich entschuldigt. Die Kritik nehme man ernst und bedaure, dass die Betroffenen „in einer extrem belastenden Situation nicht durchgehend die Unterstützung und Verlässlichkeit erfahren haben, die sie sich gewünscht haben“.
Der Fall beschäftigt inzwischen auch das Wissenschaftsministerium in Stuttgart. Ministerin Petra Olschowski bezeichnete die Größenordnung als „monströs“. (mg)
Du bist ebenfalls Opfer sexueller Gewalt oder kennst jemanden? Das Hilfe-Telefon „Sexueller Missbrauch“ (0800 22 55 530) ist die Anlaufstelle für Betroffene von sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend, für Angehörige sowie Personen aus dem sozialen Umfeld von Kindern, für Fachkräfte und für alle Interessierten.
