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Perverser Trend im NetzFür Klicks und Geld werden Tiere zu Tode gequält und gefilmt

Missbrauchte Hunde in Uganda

Copyright: Handout / Berlin/Animal Welfare Alliance Uganda/dpa

Für inszenierte Rettungsaktionen werden Tiere oft absichtlich misshandelt.

Tierquälerei für Klicks: Das grausame Geschäft mit Leid

Die Videos sind oft nur Momente lang, doch sie offenbaren unvorstellbare Grausamkeit. Ein Affenjunges schreit. Ein Hund wird gepeinigt. Eine Katze wird malträtiert. „Mach es noch einmal!“, fordert ein User. Ein anderer bietet Geld für weitere Folter-Clips. Nur Tage darauf wird irgendwo auf der Welt erneut ein Tier für die Kamera gequält und die Aufnahme ins Netz geladen. Es ist die unfassbare Realität: Das Geschäft mit dem Leid von Tieren ist ein riesiger Markt.

Besonders widerlich ist der Trend des sogenannten „Crushing“. Hierbei filmen sich Täter, wie sie lebende Tiere zerquetschen oder zertrampeln, und stacheln andere zur Nachahmung an – eine perverse Variante der Internet-Challenge.

„Es begann mit Insekten, aber mittlerweile werden unter anderem Katzenbabys Hundewelpen und Kaninchen totgetreten“, erklärt Wiebke Plasse, die als Kampagnenverantwortliche für die deutsche Welttierschutzgesellschaft (WTG) arbeitet. In der Gier nach mehr Aufmerksamkeit und Klicks seien die Darstellungen immer brutaler geworden.

Hotspot Asien

Auf Bali kamen in dieser Woche Tierschützer, Forscher, Ermittler und Abgesandte großer Internetfirmen zusammen, um Lösungen gegen Tierquälerei im Netz zu finden. Bei dem ersten globalen SMACC-Gipfel wurde zwei Tage lang über bessere Strafverfolgung, schärfere Regeln für die Plattformen und den Einsatz neuer Technologien im Kampf gegen dieses Phänomen beraten.

Fachkonferenz auf Bali zum Thema Tierleid in sozialen Medien

Copyright: Carola Frentzen/dpa

Es war der erste globale Gipfel dieser Art.

SMACC ist die Abkürzung für Social Media Animal Cruelty Coalition (eine Koalition gegen Tierquälerei in sozialen Medien). Hierbei handelt es sich um einen globalen Zusammenschluss von über 40 Organisationen für den Schutz von Tieren und Arten. Der Konferenzort Bali wurde mit Bedacht gewählt: Viele der online kursierenden Tierqual-Videos kommen aus Asien, und Indonesien wird von Tierschützern als einer der zentralen Orte des Problems angesehen.

Schärfere Gesetze für Deutschland?

Die WTG, mit Hauptsitz in Berlin und Mitglied des Bündnisses, macht sich mit Nachdruck für eine Gesetzesänderung hierzulande stark. Die Organisation verlangt, dass Tiere in die Paragrafen gegen die Verherrlichung und Verharmlosung von Gewalt aufgenommen werden. Als Vorbild dient eine Regelung im Strafgesetzbuch, die bereits schwere Gewalttaten gegen Menschen behandelt. Zukünftig könnten ähnliche Bestimmungen auch für Gewalt an Tieren greifen.

„Es sieht gut aus für unsere Forderung“, äußerte Plasse auf Bali im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Der Gesetzesentwurf sei in Berlin eingereicht. „Und wir haben bereits den Zuspruch aus den Regierungsparteien.“ Das Ziel sei, das Verbreiten und Anschauen solcher Inhalte bald mit Gefängnisstrafen zu belegen. „Derzeit fühlen sich die TäterInnen noch völlig frei und sicher - wir hoffen, dass harte Strafen sie abschrecken werden.“

Fachkonferenz auf Bali zu Tierleid in sozialen Medien

Copyright: Carola Frentzen/dpa

Wiebke Plasse, Expertin der deutschen Welttierschutzgesellschaft, setzt sich für eine Gesetzesänderung in Deutschland ein.

Jason Baker, der Präsident der Tierrechtsorganisation Peta Asien, hebt hervor, dass die Ermittlungen sich jedoch oft als langwierig und kompliziert gestalten. „Strengere Gesetze sind nötig, aber auch die Social-Media-Unternehmen müssen ihren Beitrag leisten.“ Es müsse das Ziel sein, die Erstellung dieser Videos von Grund auf zu stoppen, indem die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

Auch die WTG sieht die Plattformen in der Pflicht – allen voran Facebook, wo die überwiegende Mehrheit solcher Foltervideos verbreitet wird. An der Konferenz nahmen jedoch nur Vertreter von YouTube und Tiktok teil – von Facebook und anderen Anbietern fehlte jede Spur.

Gier nach Klicks und Latex-Stiefel

Doch was bewegt Menschen dazu, solch abscheuliche Inhalte zu produzieren oder anzusehen? Bei den Erstellern gehe es fast ausschließlich um digitale Anerkennung, Erfolg und Lob, erklärt Plasse. Bei zahlreichen Konsumenten würden hingegen sexuelle Fantasien eine Rolle spielen. So werde das „Crushing“ von Tieren oft mit speziellem Schuhwerk wie Stiefeln aus Leder oder Latex vollzogen.

Ein überraschender Fakt, den Plasse unter Verweis auf viele Ermittlungsergebnisse nennt, ist die häufige Beteiligung von Frauen. „Es ist erstaunlich, aber oft handelt es sich bei denen, die solche Videos filmen oder klicken, um ganz normale Leute. Was auch immer normal ist.“

Es seien jedoch weitere Studien notwendig, um die psychologischen Motive und Abgründe zu ergründen. Eines ist aber offensichtlich: Gerade junge Affen wie Makaken weisen eine starke Ähnlichkeit zu Menschenbabys auf. „Und wenn das Tier irgendwann nicht mehr reicht, möchte der Mensch mehr“, lautet die düstere Warnung von Plasse.

Fall Mini: Das Schicksal eines Affenbabys

Apropos Makaken: Ein besonders erschütternder Fall ist der von Mini. Das Affenkind wurde zum traurigen Symbol einer aufsehenerregenden BBC-Recherche und war auch in Bali ein Thema. Ein internationales Syndikat hatte Foltervideos von Affen bestellt und vertrieben. Mini wurde als Baby von ihrer Mutter getrennt und landete bei einem Mann in Indonesien, der sie für zahlende Zuschauer quälte und die Torturen aufnahm.

In Chat-Foren auf Diensten wie Telegram wurde sie als eine Art „Star“ gehandelt, für dessen Peinigung ständig neue Wünsche und Ideen geäußert wurden. Die BBC trug mit monatelangen Nachforschungen dazu bei, dass mehrere der Beteiligten verhaftet werden konnten. Nach ihrer Befreiung war Mini über zwei Jahre zur Genesung in einer Pflegestation, ehe sie 2024 endlich in die Freiheit zurückkehren durfte.

Fachkonferenz auf Bali zum Thema Tierleid in sozialen Medien

Copyright: Carola Frentzen/dpa

Das Schicksal des Makakenbabys Mini wurde von der BBC aufgedeckt.

Emotionale Rettungen oft nur eine Inszenierung

Zudem macht ein weiteres dramatisches Phänomen die Runde: Bei sogenannten „Fake Rescues“ werden Tiere absichtlich in Notlagen manövriert – zum Beispiel in Gruben oder Wasserlöcher geworfen, angebunden oder verletzt –, um sie danach filmreif zu befreien. Viele Zuschauer haben keine Ahnung, dass die Clips, die sie aus Mitgefühl oder Freude über die Rettung zu Tränen rühren, reine Inszenierung sind.

Die WTG berichtet von Hunden, die beispielsweise im ostafrikanischen Uganda für Spenden-Clips gequält oder ausgehungert worden sein sollen. Die emotionalen Videos erreichen Millionen von Aufrufen und haben den Zweck, Spenden und Werbeeinnahmen zu erzielen. „Das ist nicht nur Betrug an gutgläubigen Tierfreunden, es ist massive Gewalt gegen Tiere, die erst durch Social Media möglich wird“, so Plasse.

Appell an alle Social-Media-Nutzer

Die Tierschutz-Experten auf Bali richteten einen dringenden Aufruf an die Nutzer sozialer Medien, Posts mit offensichtlichem Tierleid zu melden – und vor allem nicht darauf zu reagieren.

Peta-Präsident Baker brachte es auf den Punkt: „Das Ansehen, Liken, Kommentieren und Teilen von Videos, die Tierquälerei zeigen, füttert lediglich die Algorithmen, die dazu beitragen, dass sich diese Inhalte verbreiten und Einnahmen generieren.“ (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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