Nach dem tödlichen Brand in Crans-Montana sehen die Ermittler einen Anfangsverdacht gegen die Barbetreiber. Gab es zu wenige Notausgänge und unsichere Materialien?
Nach Inferno in Crans-MontanaStrafverfahren gegen Chef – er saß vor 20 Jahren im Knast
Aktualisiert
Zwei Tage nach dem verheerenden Brand in einer Bar in Crans-Montana mit 40 Toten sind strafrechtliche Ermittlungen gegen die beiden Betreiber aufgenommen worden. „Ihnen werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen“, teilte die Polizei des Kantons Wallis mit. „Es wird daran erinnert, dass bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt.“
Bei dem Brand in der Silvesternacht war nach ersten Ermittlungen durch funkensprühende Partyfontänen Schaumstoff an der Decke in Brand geraten. Er hatte sich innerhalb kürzester Zeit ausgebreitet. Neben den Todesopfern wurden 119 Menschen größtenteils schwer verletzt.
Zweifel an Einhaltung von Brandschutzvorschriften
Brandschutzexperten hatten bereits in Frage gestellt, ob die Bar genügend Notausgänge hatte und ob das Material, das unter der Decke wahrscheinlich zur Schalldämpfung installiert war, gesetzeskonform war.
Die Betreiber der Bar, ein französisches Ehepaar, hatten Medien gesagt, sie seien am Boden zerstört und kooperierten mit den Behörden, um die Katastrophe aufzuklären.
„Nach Abschluss der ersten Ermittlungen, die unter der Leitung der Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis durchgeführt wurden, wurde gestern Abend eine Strafuntersuchung gegen die beiden Betreiber der Bar eröffnet“, teilte die Polizei mit.
Bar-Manager ist bereits polizeibekannt
Derweil berichten französische Medien, dass der Chef der Bar in Frankreich bereits polizeibekannt sei. Laut „Le Parisien“ sei der Manager bereits wegen früherer Fälle von Freiheitsberaubung und Zuhälterei aufgefallen. Die Fälle gehen etwa 30 Jahre zurück.
Zudem saß der Betreiber wegen Freiheitsberaubung, Entführung und Betrugs vor rund 20 Jahren bereits im Gefängnis. Eine anonyme Quelle aus der Polizei sagt, dass der Manager seitdem aber nicht mehr zum „Spektrum der organisierten Kriminalität“ gehöre. Für die aktuellen Ermittlungen gilt weiterhin die Unschuldsvermutung. (dpa/mg)

