Nach dem spektakulären Einbruch in Gelsenkirchen wird die Luft für die Sparkasse dünn.
Nach dem Millionen-RaubAnwalt zieht gegen Sparkasse in die Klage-Schlacht

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Gebäude mit rotem Symbol und Schneeflocken.
Jetzt kommt Bewegung in die Sache nach dem brutalen Bank-Einbruch in Gelsenkirchen-Buer! Ein Jurist macht ernst und zerrt die Sparkasse vor den Kadi. Ungefähr vier Wochen nach der Tat hat der Anwalt Daniel Kuhlmann im Namen von drei seiner Klienten eine Klage auf den Weg gebracht. Er will das Finanzinstitut zur Rechenschaft ziehen. Laut seiner Aussage betreut er um die 650 Opfer des Einbruchs. Deren Gesamtverlust könnte sich auf eine schwindelerregende Summe von bis zu 100 Millionen Euro summieren.
Ganz gezielt hat Kuhlmann diese drei Mandanten ausgewählt, um einen wegweisenden Musterprozess ins Rollen zu bringen. Die Taktik ist klar: Gelingt ihm ein juristischer Erfolg, könnte das die Basis für Vergleiche mit der Sparkasse für seine übrigen Klienten sein, ganz ohne weitere Prozesse. Wenn das Gericht ein Versäumnis des Geldinstituts bestätigt, hätte das eine Signalwirkung für jeden einzelnen Geschädigten. Das berichtet „FOCUS online“.
Die Geschichten der Kläger sind an Dramatik kaum zu überbieten. Eine Person hatte das Geld aus dem Verkauf der eigenen vier Wände, beinahe 400.000 Euro, komplett im Schließfach gelagert. Oben drauf kam noch Schmuck. Kuhlmann berichtet, dass diese Person jetzt vor dem finanziellen Aus steht und vielleicht sogar auf staatliche Hilfe angewiesen ist.
Ein anderer Kläger ist der Chef einer mittelständischen Firma. In seinem Fach befand sich Bargeld in Höhe von unter 100.000 Euro. Aber das ist nicht alles: auch eine wertvolle Rolex und anderer Schmuck sind weg. „Er kann jedes Schmuckstück, jeden Goldbarren, den er sogar über die Sparkasse gekauft hat, belegen und beweisen“, so der Anwalt aus Datteln.
Der dritte Fall im Bunde ist ein Angestellter des öffentlichen Dienstes. Er hatte Gold, das einen Wert von 50.000 Euro hat, sowie etliche Münzen in seinem Schließfach sicher geglaubt.
Für diese Kläger spricht laut Kuhlmann, dass sie den Inhalt ihrer Fächer lückenlos dokumentiert haben. Zudem gebe es Zeugen, die all diese Angaben bestätigen können, hebt der Anwalt hervor.
Gutachter findet deutliche Schwachstellen bei der Sicherheit
Damit seine Anschuldigungen gegen die Sparkasse mehr Wucht bekommen, hat sich der Jurist mit einem Gutachter zusammengetan. Dieser habe schon für einen anderen Fall die Sicherheitskonzepte von hunderten Banken analysiert und mit Ermittlern sowie Versicherungen geredet. Auf diese Weise konnte der Experte die üblichen Standards der Branche feststellen. „Er ist der Meinung, dass, wenn der Stand der Technik wirklich eingehalten, ein entsprechendes Sicherheitskonzept ausgearbeitet und strikt umgesetzt worden wäre, der Einbruch aufgefallen und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vermieden worden wäre“, sagt Kuhlmann.
Man hätte zum Beispiel zusätzlich zu den Bewegungsmeldern einen speziellen Schutz für die Wände anbringen können. Das hätte es den Dieben viel schwerer gemacht, sich einfach durch die Wand des Tresorraums zu bohren. Doch wie die Einbrecher genau an die Schließfächer kamen, ist für Kuhlmann gar nicht der springende Punkt: „Dass sie sich über Stunden, möglicherweise Tage, in der Bank aufhalten, ist mit einem ordnungsgemäßen Konzept, mit einer richtigen Sicherung, nahezu unmöglich.“
Deutliche Hinweise auf Schlamperei
Aus diesem Grund erkennt der Anwalt nach aktuellem Stand der Dinge klare Anzeichen dafür, dass die Bank fahrlässig gehandelt hat. Kuhlmann bringt es auf den Punkt: „Wenn die Bank nicht richtig aufgepasst hat, haftet sie“. Eine Hürde bleibt für die Opfer aber: Sie müssen jeden Cent, der ihnen bei dem Einbruch abhandenkam, auch belegen können.
Die Sparkasse Gelsenkirchen-Buer will von den Anschuldigungen nichts wissen und weist sie vehement zurück. Der Vorwurf, die Schutzmaßnahmen seien unzureichend gewesen, wird abgeschmettert. „Klar ist jedenfalls, dass die Sicherheitsvorkehrungen auf dem anerkannten Stand der Technik und aktuell waren“, äußerte sich der Sparkassen-Chef Michael Klotz gegenüber der WAZ. Er betonte, dass die Anlagen für Einbruch- und Feueralarm im Haus erst vor Kurzem modernisiert worden seien.
Laut der Bank haben die Täter es geschafft, gleich mehrere voneinander getrennte Sicherheitssysteme auszuhebeln. „Wir haben entsprechende Verträge mit einem spezialisierten Unternehmen, das den Stand der Technik sicherstellt“, unterstrich er. Die zwei ausgelösten Feueralarme sieht er als Beweis dafür, dass die Anlagen funktionierten. Wer am Ende Recht bekommt, muss nun wohl das Gericht in Essen klären. Anwalt Kuhlmann stellt sich darauf ein, dass bis zu einem endgültigen Urteil noch einige Jahre ins Land ziehen könnten. Das sei auch davon abhängig, wie sich die Sparkasse weiter verhält. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

