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Rettung wieder verschobenKampf seit 44 Tagen – die Chronologie des gestrandeten Buckelwals

Nach einem spektakulären Auftauchen Anfang März hält das Schicksal eines Buckelwals an der Ostsee die Menschen in Atem – und sorgt wiederholt für Überraschungen.

Ist der an der Ostseeküste gestrandete Wal noch zu retten? Zahlreiche Menschen fiebern bei seinem bereits 44 Tage andauernden Kampf mit. Die Chronologie des Dramas:

  1. 3. März: Der Buckelwal taucht im Hafen von Wismar auf und lockt Schaulustige an die Kaikante. Einsatzkräfte entfernen Netzreste vom Tier, allerdings nicht komplett. Auch die Meeresschutzorganisation Sea Shepherd ist mit einem Schiff vor Ort. Gegen Abend schwimmt der Wal wieder Richtung Ostsee. Das Deutsche Meeresmuseum geht zunächst noch von einem Finnwal aus.
  2. 4. März: Der Wal wird wieder in der Lübecker Bucht vor Brook westlich von Wismar gesichtet. Sea Shepherd versucht, noch verbleibende Leinenreste zu entfernen. Das gelingt vom größeren Schiff „Triton“ aus aber nicht.
  3. 7. März: Nach einer Sichtung vor Scharbeutz sucht Sea Shepherd in der Lübecker Bucht erneut nach dem Wal und findet ihn gegen Abend vor Boltenhagen. Von einem Schlauchboot aus gelingt es, Netzreste zu entfernen.
  4. 8. März: Auch weiter östlich gibt es Walsichtungen. So erreichen das Deutsche Meeresmuseum Meldungen aus Westmecklenburg und Graal-Müritz östlich von Rostock und am Nachmittag aus Wustrow und Ahrenshoop.
  5. 10. März: Vor der Küste bei Steinbeck in Nordwestmecklenburg verfängt sich der Wal laut Wasserschutzpolizei in einem Fischernetz. Ein örtlicher Fischer holt das Netz ein, wobei es durchtrennt wird. Anschließend schwimmt das Tier wieder seewärts.
  6. 14. und 15. März: Am Wochenende werden Walsichtungen vor der Küste Nordwestmecklenburgs vor Warnkenhagen, Steinbeck und Boltenhagen gemeldet.
  7. 19. März: Am Abend beobachtet Sea Shepherd von der „Triton“ aus, wie der Wal vor Travemünde in die Trave schwimmt.
  8. 20. März: Nach einer Sichtung in der Lübecker Bucht bei Haffkrug und Scharbeutz wird Sea Shepherd von der Wasserschutzpolizei verständigt. Der Organisation gelingt es von einem Schlauchboot aus, einen Teil der am Tier verbleibenden Leine mit einem Spezialwerkzeug zu entfernen. Später schwimmt der Wal weiter mit Netzresten am Körper Richtung offenes Meer.
  9. 23. März: Der Wal wird auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand entdeckt. Er sitzt im flachen Wasser fest. Danach besteht Konsens, dass es sich um einen Buckelwal handelt. Tagelange Rettungsversuche laufen an, unter anderem graben Bagger eine Rinne.
  10. 27. März: Der Wal ist befreit. Nachdem er sich am Abend des 26. März bereits ein Stück bewegt hat, liegt er am frühen Morgen des 27. März nicht mehr im Uferbereich vor Timmendorfer Strand. Stattdessen schwimmt er in der Lübecker Bucht.
  11. 28. März: Der Wal strandet auf einer Sandbank in der Wismarbucht südlich der Insel Walfisch.
  12. 29. März: Bei steigendem Wasserstand befreit sich der Wal in der Nacht kurzzeitig, liegt aber wenige Meter weiter in der Wismarbucht wieder auf.
  13. 30. März: Am späten Abend schwimmt der Wal wieder. Zuvor hatten Experten versucht, das Tier mit Lärm zu animieren. Der Wal schwamm anschließend laut Schweriner Umweltministerium aber in die falsche Richtung. Er wird am Hafen von Wismar gesehen, ist später aber seewärts Richtung Seebrücke unterwegs.
  14. 31. März: Der Buckelwal wird erneut vor Wismar gesichtet und schwimmt frei. Später sitzt er erneut fest, diesmal im Kirchsee, einem Teil der Wismarbucht, vor der Insel Poel.
  15. 1. April: Die Verantwortlichen geben die Einstellung weiterer Rettungsversuche bekannt, um den laut Experten geschwächten Wal in Frieden zu lassen.
  16. 2. April: Ein Vermessungsboot beginnt damit, die Umgebung des Wals zu erkunden, um eine spätere Bergung des Tierkörpers vorzubereiten.
  17. 7. April: Die Experten stellen gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) erste Erkenntnisse des Gutachtens zum Zustand des Wals vor. Das Tier sei „schwerstkrank“, sagt er. Die Experten verweisen auf den sich verschlechternden Hautzustand und gehen wegen des Aufliegens auch von Organschäden aus. Das Tier könne bei einer möglichen Rettungsaktion am Stress sterben.
  18. 11. April: Es wird doch noch ein weiterer Versuch unternommen, den Wal zu mobilisieren. Unter Wasser werden Walgesänge abgespielt. Dies bleibt aber ohne Erfolg.
  19. 15. April: Überraschend informiert Backhaus auf einer Pressekonferenz, dass die Behörden das Rettungskonzept einer privaten Initiative geprüft und erlaubt haben. Demnach soll das Tier lebend in die Nordsee und gegebenenfalls den Atlantik transportiert werden. Das Konzept sieht eine Anhebung des Tiers mit Luftkissen und einen Transport auf einer Plane zwischen zwei Pontons vor.
  20. 16. April: Die ersten Schritte des privaten Rettungsversuchs sind getan – mehr als Vorbereitungen werden aber nicht getroffen. Die Rettung selbst musste auf den nächsten Tag verschoben werden.

Der Leiter der Abteilung Meeresschutz beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu), Kim Detloff, ist von der Rettungsaktion rund um den gestrandeten Wal vor der Insel Poel überrascht. „Dieser massive öffentliche Druck hat dazu geführt, eine Entscheidung zu treffen, die man vor einer Woche hätte treffen müssen“, sagte Detloff der Deutschen Presse-Agentur. Dass die Rettung gelingt, glaubt der Experte nicht.

„Es ist furchtbar. Wir dachten, der Wal stirbt in drei bis sechs Tagen, und jetzt liegt er dort seit 16 Tagen“, sagt der Meeresschutz-Experte. Normalerweise würde ein Wal bei einer Strandung binnen Tagen sterben. „Wir müssen mit Indizien arbeiten, und da sind Prognosen einfach sehr schwierig.“ (dpa)

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