Jahrelang Kinder gequält: Betreuer muss ins Gefängnis
„Jeden Tag Angst verspürt“Erzieher misshandelte jahrelang vier Geschwister – Haftstrafe

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Gegen einen ehemaligen Leiter einer Wohngruppe erging wegen Gewalt gegen Pflegekinder eine Haftstrafe von mehr als drei Jahren. (Archivbild)
Ein Betreuer (45) muss hinter Gitter, weil er neun Jahre lang vier Kinder in einer betreuten Einrichtung gepeinigt hat. Das Urteil des Landgerichts Berlin: eine Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten. Der Schuldspruch lautet auf Misshandlung von Schutzbefohlenen, in zwei Situationen sogar auf schwere Misshandlung.
„Der Einsatz von körperlicher und psychischer Gewalt hat zum Alltag der Kinder gehört, sie haben jeden Tag Angst verspürt“, so die Worte der Vorsitzenden Richterin während der Urteilsbegründung. Laut Gericht hat der Verurteilte die jungen Opfer mit Polizeigriffen gequält, ihnen permanent an ihren Haaren gerissen, sie beschimpft und mitten in der Nacht aus dem Schlaf geholt, um sie wegen angeblicher Fehler vom Tag zu maßregeln.
Junge mit Verbrühungen in Klinik eingeliefert
Die Misshandlungen hatten Schläge und zum Teil gravierende Wunden zur Folge. Ein Vorfall ist besonders entsetzlich: Ein Junge, zu dem Zeitpunkt nur fünf bis sechs Jahre alt, wurde von dem Mann unter eine brühend heiße Dusche gezwungen. Mit schlimmen Verbrühungen auf dem Rücken musste der Kleine in eine Klinik gebracht werden.
Laut Anklageschrift fanden die Taten im Zeitraum von Februar 2010 bis August 2019 statt, erst in Berlin-Spandau, danach in Oranienburg (Brandenburg). Die vier betroffenen Geschwister waren anfangs im Alter von zwei bis acht Jahren. Sie lebten in einer familienähnlichen Wohneinrichtung, die von dem Verurteilten und seiner Ehefrau geführt wurde.
Behörden-Skandal: Akten lagen jahrelang nur rum
Das Ehepaar hatte gerade erst die Ausbildung als Erzieher beendet und besaß keinerlei relevante Berufserfahrung. Wie das Gericht feststellte, mangelte es seitens des Trägers an wesentlicher Hilfe und Überwachung – ein Versäumnis mit fatalen Folgen.
Die Qualen fanden erst 2019 ein Ende, als das älteste der Mädchen sich ein Herz fasste und die ersten Anschuldigungen machte. „Sie hat die Notbremse gezogen“, kommentierte das Gericht diesen Schritt. Anschließend erzählten auch die jüngeren Geschwister von den Misshandlungen. Obwohl die Polizei die Kinder schon 2020 befragte, geschah danach eine Ewigkeit lang nichts – „die Akten lagen rum“, wurde im Verfahren bekannt. Ein unfassbarer Umstand, der sprachlos macht.
Dass der Mann (45) die Taten gestanden hatte, floss strafmildernd in die Urteilsfindung des Gerichts ein. (dpa/red)
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