Schuss-Angst in Berlin: Die Gewalt der Banden eskaliert
Jagd auf die Clan-BosseNach Schuss-Serie in Berlin: 29 Verdächtige in Untersuchungshaft

Copyright: Manuel Genolet/dpa
Rund drei Monate nach Gründung der Ermittlungsgruppe «Telum» sind dort fast 130 Verfahren anhängig. (Symbolbild)
Schüsse auf offener Straße, Schutzgelderpressung, Angst. In Berlin eskaliert die Gewalt krimineller Banden. Eine Entwicklung, die viele mit Sorge beobachten und sich fragen: Wie sicher sind unsere Städte noch?
Kugelhagel in der Hauptstadt! Die Gewalt durch Organisierte Kriminalität in Berlin nimmt derart überhand, dass mittlerweile spezielle Ermittlungseinheiten von Polizei und Staatsanwaltschaft existieren. Und diese haben reichlich Arbeit. Etwa drei Monate nach dem Start der Gruppe „Telum“ (lateinisch für „Angriffswaffe“) durch die Staatsanwaltschaft landeten bereits 29 Verdächtige in Untersuchungshaft. Diese Information gab ein Sprecher auf Nachfrage bekannt. Die Juristen haben insgesamt 126 Verfahren auf dem Tisch (Stand: 27. Mai), und in acht anderen Fällen kam es zur Anklageerhebung.
Prozess um Schutzgeld und Warnschüsse
Wie dramatisch die Situation ist, verdeutlicht ein Verfahren, das am Dienstag am Berliner Landgericht startete: Vier Männer zwischen 21 und 26 Jahren müssen sich verantworten. Ihnen werden unter anderem gefährliche Körperverletzung und der Versuch einer schweren räuberischen Erpressung vorgeworfen. Die abgefeuerten Schüsse sollten offenbar als Warnung dienen.
Die Einheit „Telum“ wurde Ende Februar gegründet, um schärfer gegen die Organisierte Kriminalität (OK) vorzugehen. Damit zog die Staatsanwaltschaft nach, denn das Landeskriminalamt hatte seine Sondereinheit „Ferrum“ (lateinisch für „Eisen“) bereits seit November 2025 im Einsatz. Beide Einheiten kooperieren sehr eng.
Gewalt-Welle in Berlin: Über 40 Mal wurde schon geschossen
Die Polizei der Hauptstadt sah sich gezwungen, „Ferrum“ zu gründen, da die Gewalt mit Schusswaffen eskalierte. Hintergrund sind vor allem wiederholte Angriffe auf Geschäftsleute mit türkisch-kurdischen Wurzeln. Und die Statistik ist erschreckend: Einem Bericht der „Berliner Morgenpost“ zufolge wurde allein dieses Jahr schon 46 Mal mit scharfer Munition aus Handfeuerwaffen gefeuert. Zum Vergleich: Für das gesamte Jahr 2025 verzeichnete die Polizei 37 dieser Vorfälle.
Im letzten Jahr registrierte die Polizei insgesamt 1.119 Vorfälle mit Schusswaffeneinsatz. Tatsächlich abgefeuert wurde in 515 Situationen, bei den übrigen handelte es sich um Drohungen. Das entspricht einer Zunahme von 68 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2024. Eine Entwicklung, die für Unruhe sorgt.
„Situation sehr ernst“: Erste Vermieter ziehen Konsequenzen
Diese Furcht ist mittlerweile im täglichen Leben der Bürger angekommen. Erste Unternehmen und Hausbesitzer in den betroffenen Kiezen ziehen Konsequenzen. Die „Berliner Morgenpost“ zitiert aus dem Schreiben eines Vermieters aus der Neuköllner Hermannstraße, wo es Schüsse gab: „Wir nehmen die Situation rund ums Haus sehr ernst.“
Man stehe verstärkt im Austausch mit Polizei und Sicherheitsdiensten, heißt es dort. Den Bewohnern wird geraten, auf ihre Umgebung zu achten, Türen verschlossen zu halten und Fremden keinen Zutritt zu gewähren. Ein beklemmendes Gefühl der Unsicherheit.
Razzien und Festnahmen: Polizei erhöht den Druck
Währenddessen versuchen Polizei und Staatsanwaltschaft, den Druck auf die kriminellen Clans zu erhöhen. Am letzten Wochenende gab es wieder einen Großeinsatz in Neukölln und Kreuzberg, bei dem fast 200 Menschen überprüft und fünf Verdächtige festgenommen wurden. Am Mittwoch klickten dann die Handschellen bei einem 38-Jährigen in Schöneberg – er soll im März auf zwei Brüder geschossen haben.
Ein entscheidender Erfolg gelang den Fahndern bereits Mitte Mai bei einer riesigen Razzia mit rund 570 Einsatzkräften. Neun Männer (23 bis 63 Jahre) wurden festgenommen. Der Vorwurf: die Formierung einer kriminellen Vereinigung. Die Beamten stellten Drogen, Bargeld, eine Schusswaffe und vieles mehr sicher. Doch der Kampf auf Berlins Straßen ist noch lange nicht vorbei. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
