Ostsee-Alarm: Vogel fackelt mit Phosphor-Fund Steg ab
Feuer-Schock am Ostsee-StegMöwe fischt Phosphor aus dem Wasser, der sich selbst entzündet

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An Stränden kann man noch heute Phosphor aus dem Zweiten Weltkrieg finden. (Symbolbild)
Alarm an der Ostseeküste! In Heikendorf sorgt ein Fund für helle Aufregung. Ein Vogel fischt etwas aus dem Meer, lässt es fallen – und plötzlich brennt ein Badesteg lichterloh. Dahinter steckt eine explosive Gefahr aus alten Zeiten.
Weißer Phosphor, so groß wie ein Tennisball, hat am Sonntagnachmittag für einen Einsatz des Kampfmittelräumdienstes gesorgt. Gegen 16.45 Uhr ging in der Seebadeanstalt Heikendorf plötzlich ein Steg in Flammen auf. Die Behörden gehen davon aus, dass ein Seevogel den gefährlichen Stoff aus der Kieler Förde geborgen und auf der Holzkonstruktion abgelegt hatte.
Geistesgegenwärtig wurde die brennende Masse wieder ins Meer befördert, noch bevor die Spezialisten vom Kampfmittelräumdienst vor Ort waren. Wie durch ein Wunder kam bei dieser heiklen Aktion keine Person zu Schaden. Die angerückten Fachleute übernahmen anschließend die professionelle Entsorgung des gefährlichen Materials.
Verwechslungsgefahr an der Küste: Tückische Klumpen sehen aus wie Bernstein
Nach diesem Vorfall sprechen die Experten des Kampfmittelräumdienstes eine deutliche Warnung aus. Sie richtet sich an alle Besucher der deutschen Küstenregionen. An den Ufern von Nord- und Ostsee tauchen immer wieder Brocken von weißem Phosphor auf. Diese gefährlichen Relikte sind oft Rückstände von Brandbomben, die im Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurden.
Das Heimtückische daran ist die Optik: Die Brocken ähneln oft täuschend echt Bernstein. Wenn diese Fundstücke an der Luft trocknen, flammen sie spontan auf. Die Folge sind Feuer, die sich kaum bekämpfen lassen und zu schlimmen Verletzungen durch Verbrennungen führen. Zudem werden hochgiftige Gase freigesetzt. Die klare Anweisung lautet daher: Finger weg von solchen Funden!
Zeitbomben unter Wasser: Millionen Tonnen Munition in Nord- und Ostsee
Dieser Fund ist leider kein Einzelfall, sondern zeigt ein viel größeres Problem. Experten schätzen, dass auf dem Boden der deutschen Meeresgebiete in Nord- und Ostsee rund 1,6 Millionen Tonnen alter Kriegsmunition lagern. Katja Matthes, die Direktorin des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel, wies im vergangenen Jahr auf die wachsende Gefahr hin: Die Hüllen der Munition korrodieren zusehends und setzen Giftstoffe frei. Im Bereich der südwestlichen Ostsee sind dadurch schon etwa 3.000 Kilogramm gefährlicher Substanzen ins Wasser gelangt.
Um dieser Bedrohung zu begegnen, hat die deutsche Regierung ein Notfallprogramm aufgelegt und dafür 100 Millionen Euro bereitgestellt. Das Ziel ist die Bergung der explosiven Altlasten. Erste Maßnahmen zur Räumung wurden schon umgesetzt. Fachleute entwickeln derzeit einen detaillierten Plan, wie die gefährlichen Überbleibsel systematisch aus der Ostsee entfernt werden können. (dpa/red)
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