Auto in Menschenmenge „Amoktat“: Lehrerin tot, mehrere lebensgefährlich verletzt – SEK-Einsatz in Wohnung

Schock in Berlin: Ein Auto ist am Breitscheidplatz in eine Gruppe von Menschen gefahren. Es gab mindestens eine Tote, etliche weitere Personen wurden verletzt, einige lebensgefährlich. Die Polizei ermittelt.

Grausame Szenen in der deutschen Hauptstadt: In der Nähe des Breitscheidplatzes in Berlin-Charlottenburg ist am Mittwochvormittag (8. Juni 2022) ein Auto mit überhöhter Geschwindigkeit in eine Menschenmenge auf einem Bürgersteig gerast. 

Bei dem Vorfall starb eine Person, sechs Personen erlitten nach Feuerwehrangaben lebensgefährliche Verletzungen. Hinzu kämen drei Schwerverletzte und mehrere Leichtverletzte.

Bei der Toten handelt es sich um eine Lehrerin, die zu diesem Zeitpunkt mit ihrer Schulklasse (Jahrgangsstufe 10 aus dem nordhessischen Bad Arolsen) sowie einer weiteren Lehrkraft in Berlin unterwegs war.

Auto fährt in Menschengruppe: SEK-Einsatz in Wohnung des Fahrers

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Nach dem tödlichen Auto-Vorfall hat die Polizei mit Unterstützung eines Spezialeinsatzkommandos nun die Wohnung des Fahrers durchsucht. Den Einsatz im Stadtteil Charlottenburg, über den zuvor die „Bild“-Zeitung berichtet hatte, bestätigte eine Polizeisprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Zudem habe die Polizei Kontakt zur Schwester des Fahrers gehabt, hieß es. Weitere Einzelheiten gab es zunächst nicht.

Unter den Verletzten befanden sich zahlreiche Schülerinnen und Schüler einer zehnten Klasse. Ein Lehrer wurde nach derzeitigem Stand schwer verletzt. Eine genaue Gesamtzahl der Opfer des Vorfalls am Ku'damm und der Tauentzienstraße war zunächst nicht bekannt. Für den Abend (19 Uhr) wurde eine Gedenk-Andacht in der Gedächtnis-Kirche angekündigt, in deren Nähe sich der Vorfall ereignete.

Die Schülerinnen und Schüler aus Hessen würden psychologisch betreut, sagte Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) am Mittwoch in Berlin. 

Berlin: Auto fährt in Menschenmenge – 29-jähriger Mann festgenommen

Der 29-jährige Mann, der den Pkw gefahren sein soll und dessen Fahrt in einer Schaufensterscheibe einer Douglas-Filiale geendet war, wurde laut Polizei anschließend von Passanten festgehalten und den Einsatzkräften übergeben. Der Mann wurde vorläufig festgenommen.

Laut Polizei sei es ein 29 Jahre alter, in Berlin lebender Deutsch-Armenier. Die Polizei prüfte, ob es sich um einen Unfall, einen medizinischen Notfall oder um eine vorsätzliche Tat handele. Der Fahrer war nach dpa-Informationen mit einem Auto unterwegs, das seiner älteren Schwester gehört. Er soll der Polizei bereits wegen mehrerer Delikte bekannt gewesen sein, allerdings nicht in Zusammenhang mit Extremismus.

Nach dpa-Informationen aus Polizeikreisen soll der Verdächtige psychisch auffällig sein. In dem Wagen, den der 29-Jährige fuhr, waren neben Schriftstücken auch Plakate mit Aufschriften gefunden worden.

Berlins Innensenatorin Iris Spranger hat die Todesfahrt des 29-Jährigen in der Hauptstadt als „Amoktat“ bezeichnet. „Nach neuesten Informationen stellt sich das heutige Geschehen in der Tauentzienstraße als eine Amoktat eines psychisch beeinträchtigten Menschen dar“, erklärte Spranger am Abend auf Twitter.

Bei dem von dem 29-Jährigen gesteuerten Auto handelt es sich um einen Renault Clio mit Berliner Kennzeichen. Mutmaßlich gehört der Wagen der Schwester des Manns.

Der Mann fuhr den Renault-Kleinwagen an der Straßenecke Ku'damm und Rankestraße auf den Bürgersteig des Ku'damms mitten in eine Menschengruppe. Dann fuhr er auf die Kreuzung und knapp 200 Meter weiter auf der Tauentzienstraße Richtung Osten.

Kurz vor der Ecke Marburger Straße lenkte er den Wagen erneut von der Straße auf den Bürgersteig, touchierte ein anderes Auto, überquerte die Marburger Straße und landete im Schaufenster des besagten Parfümerie-Geschäfts. 

Berlin: War Fahrt in Menschenmenge ein Unfall oder geplant?

Thilo Cablitz, Sprecher der Polizei Berlin: „Wir setzen jetzt alle Mosaiksteine zusammen, bis wir ein belastbares Gesamtbild haben und dann auch mitteilen können, ob es sich um eine Vorsatztat oder um einen Verkehrsunfall handelt.“

Die Bundesregierung, Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) und der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigten sich bestürzt über das Geschehen.

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) sagte den Betroffenen Unterstützung zu. „Wir werden alles dafür tun, den Betroffenen zu helfen.“ Ebenso werde alles dafür getan, den Hergang aufzuklären. „Wir wissen, dass wir eine Tote und zehn Schwerverletzte haben.“ Sie machte sich am Nachmittag ein Bild von der Lage vor Ort.

Berlin: Auto fährt in Menschenmenge – Polizei mit 130 Kräften im Einsatz

Am Mittwochvormittag war die Polizei nach eigenen Angaben mit circa 130 Kräften im Einsatz, mit einem Hubschrauber verschafften sich die Beamten einen Überblick aus der Luft. Die Feuerwehr war mit 100 Kräften vor Ort. Das Areal war großflächig abgesperrt.

Zudem waren mehrere Krankenwagen und Polizeiautos vor Ort, Seelsorger kümmerten sich um Zeugen. Die Polizei rief die Menschen dazu auf, keine Bilder vom tödlichen Vorfall an der Einkaufsstraße im Internet zu posten.

Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sagte: „Wir haben umgehend Notfallbetreuungsteams nach Bad Arolsen geschickt, um den Angehörigen, Mitschülerinnen und Mitschülern sowie den Lehrkräften beizustehen.“

Ein Team aus der Schule sei auf dem Weg nach Berlin, um den Jugendlichen vor Ort sowie ihren Eltern zur Seite zu stehen. „Neben der Aufklärung dieses Vorfalls ist es wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler über die traumatischen Erlebnisse sprechen können.“

Breitscheidplatz: 2016 fuhr islamistischer Attentäter in Weihnachtsmarkt 

Der Unfallort befindet sich unweit der Gedächtniskirche am Breitscheidplatz in Berlin-Charlottenburg. Dort war im Dezember 2016 ein islamistischer Attentäter in einen Weihnachtsmarkt gefahren. Dabei und an den Spätfolgen starben insgesamt 13 Menschen, mehr als 70 wurden verletzt.

Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ beanspruchte die grausame Tat damals für sich. Der zur Fahndung ausgeschriebene Amri wurde Tage später in Norditalien bei einer Routine-Kontrolle der Polizei in Notwehr erschossen.

In Berlin weckt der Vorfall auch Erinnerungen an den Tod von vier Menschen im Bezirk Mitte im Jahr 2019: Ein Mann war damals mit seinem schweren Wagen von der Invalidenstraße abgekommen. Der SUV überschlug sich und tötete auf dem Gehweg einen Dreijährigen und seine Großmutter sowie zwei Männer. Im Februar 2022 war der Fahrer zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Er war trotz einer Epilepsie-Erkrankung und einer Gehirnoperation einen Monat vor dem Unfall Auto gefahren.

Die Gegend, in der sich der tödliche Vorfall am Mittwoch ereignete, ist wegen der vielen Geschäfte, Cafés und Sehenswürdigkeiten oft sehr belebt. Sie ist ein Anziehungspunkt für Touristen aus dem In- und Ausland. In der Nähe befinden sich zum Beispiel der Zoologische Garten, der Bahnhof Zoo und das Kaufhaus des Westens (KaDeWe). (dpa)

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