Bei der privaten Silvesterböllerei werden jedes Jahr etliche Menschen schwer verletzt. Die Innenminister müssen nach Ansicht des Ärztekammerchefs die unkontrollierte „Knallerei“ endlich beenden.
Ärztekammerchef für BöllerverbotUnkontrollierte „Knallerei“ endlich beenden – was sagt ihr?
Aktualisiert
Schon seit Tagen kracht es. Je näher Silvester rückt, umso mehr wird geböllert. Eine Unsitte, die nicht nur in Köln für Frust und Unmut sorgt.
Jetzt fordert auch Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, eindringlich ein Verbot privater Feuerwerke. „Niemand hat etwas gegen organisierte Feuerwerke an zentralen Plätzen, doch die wilde Böllerei muss untersagt werden“, sagte Reinhardt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
„Bevölkerung vor den Gefahren der Knallerei schützen“
„Die Innenminister von Bund und Ländern müssen endlich handeln und die Bevölkerung vor den Gefahren der Knallerei schützen.“ Das habe „nichts mit Verbotskultur zu tun“, sondern zeuge „von der Einsicht einer reifen Gesellschaft, etwas Gefährliches zu lassen“.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sprach sich gegen ein Böllerverbot aus. Man müsse nicht immer alles verbieten, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Wir haben eine Tradition, so Silvester zu feiern.“ Persönlich sei er aber auch kein Anhänger des Böllerns.
Böllerverbot „Ja“ oder „Nein“? Schickt uns eure Meinung!
Auch der Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk (bvpk) wies die Forderung der Bundesärztekammer nach einem Verbot privaten Feuerwerks zu Silvester zurück. Schwere Unfälle mit Pyrotechnik ereigneten sich „praktisch ausschließlich durch illegales Feuerwerk“, erklärte Bundesgeschäftsführer Christoph Kröpl auf AFP-Anfrage am Samstag. Legal erhältliches Silvesterfeuerwerk sei hingegen „streng geprüft und in Größe und Wirkung stark limitiert“.
„So ist es etwa nicht möglich, sich mit einem legalen Silvesterböller eine Hand zu zerstören oder gar Gliedmaße abzutrennen“, sagte Kröpl. Allerdings sei der Zugang zu illegalen und hochgefährlichen Knallkörpern „so leicht wie nie zuvor“. Hier müsse die „Politik ansetzen und für den Vollzug der bestehenden Gesetze sorgen“.
Eine Erhebung des Meinungsinstituts Forsa im Auftrag von RTL brachte übrigens spannende Ergebnisse ans Licht. Gegen ein Verbot von privatem Feuerwerk sprachen sich demzufolge nur 37 Prozent aus. Aber deutliche 60 Prozent waren dafür, das Böllern zu untersagen.
Ungeregelte Knallerei führe immer wieder zu schweren Verletzungen, warnte dagegen Reinhardt. Jedes Jahr erlitten zahlreiche Menschen Verletzungen durch explodierende Feuerwerkskörper. Kinder und Jugendliche seien häufig von Knalltraumata betroffen. Hinzu kämen Verletzungen am Auge und Verbrennungen. „Das sorgt für volle Notaufnahmen in den Kliniken und kostet die gesetzliche Krankenversicherung Millionen.“
Zudem habe man in der Vergangenheit immer wieder erlebt, dass Knallkörper als Waffen gegen Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte eingesetzt würden. Viele Menschen hätten auch Angst vor der Knallerei, diese sei schlecht für das Klima und verursache enormen Müll.
Mit Blick auf die vielen Kriegsflüchtlinge in Deutschland etwa aus der Ukraine oder aus Syrien bezeichnete Reinhardt es als „vollkommen daneben“, das neue Jahr mit Raketen zu begrüßen. „Viele von ihnen haben in ihrer Heimat Bomben und Granaten erleben müssen. Da löst die Silvesterknallerei nicht selten sogar Todesängste aus.“ (dpa)


