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Amokfahrer von BerlinJetzt spricht sein Vater: „Er hat mich angerufen“

Ein Mitarbeiter der Unfallforschung betrachtet ein Fahrzeug, das in einen Baum im Bereich des Tiergartens gefahren ist.

Copyright: Sebastian Gollnow/dpa

Der Wagen des CSD-Attentäters wurde von einem Baum gestoppt. 

Abdul B. soll den verheerenden Anschlag auf den Berliner CSD begangen haben. In einem Interview hat sich der Vater des Mannes über seinen Sohn geäußert. 

Die Angehörigen sind völlig fertig. Der Vater des Berliner Angreifers Abdul B. (21) sagt: „Seine Mutter dreht durch, auch ich habe nicht geschlafen und nichts gegessen, seit ich die Nachricht gehört habe.“

Seine feste Überzeugung lautet: „Er wurde einer Gehirnwäsche unterzogen.“ Der 64-Jährige sprach mit dem „Spiegel“, kurz bevor ein SEK-Team seinen Sohn am Sonntag tödlich verletzte.

Abdul B.: Vater des CSD-Attentäters spricht über Sohn

Er zeichnet das Bild eines jungen Mannes, dem die Zukunft fehlte. Nach Abschluss der zehnten Klasse fand Abdul B. laut seinem Vater niemals eine feste Anstellung. Mit Aushilfsjobs, etwa als Chauffeur oder im Wachschutz, konnte er sich gerade so finanzieren. Sein Leben spielte sich in Berlin-Tiergarten ab, gemeinsam mit seiner Mutter und zwei Geschwistern. 

Auch ein Glaubenskonflikt wird vom Vater thematisiert. Er stellt unmissverständlich fest: „Wir sind Schiiten. Wir unterstützen den Islamischen Staat (IS) nicht.“ Sein Sohn hingegen habe die Sunniten „geliebt“. Als er gefragt wurde, wie er zum IS stehe, versicherte Abdul B. laut Aussage seines Vaters, er finde die Terrorgruppe „schlecht“.

Zwischen Vater und Sohn habe es Streitigkeiten wegen Abduls Erscheinungsbild gegeben. „Ich habe ihm nicht erlaubt, einen langen Bart zu tragen“, erklärt der Vater. Seine Schwestern trügen zwar Kopftuch, seien aber „nicht extrem religiös“ und weinten seit dem Vorfall pausenlos.

Abdul B. rief Vater am Tag des Angriffs an

Am Tag des Angriffs kam es zum letzten Telefonat. „Er hat mich angerufen und wir haben ganz normal gesprochen, wie jeden Tag“, blickt der Vater zurück. „Er sagte, dass er mich vermisst und er sich wünschte, jetzt mit uns im Libanon zu sein.“ 

Die Behörden kannten Abdul B. bereits; er verbrachte Monate in U-Haft. Eine Verurteilung zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten erfolgte am 12. Mai durch das Amtsgericht Tiergarten, unter anderem weil er eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet hatte. Laut einer Mitteilung war er im Prozess „überwiegend geständig“ und hatte sich vom IS losgesagt.

Dennoch setzte das Gericht den Haftbefehl aus. Die Begründung: Untersuchungshaft diene der Verfahrenssicherung und sei „keine vorweggenommene Strafe“. Das Urteil hatte noch keine Rechtskraft, da die Generalstaatsanwaltschaft Berufung eingelegt hatte. Diese forderte eine längere Haftstrafe ohne die Möglichkeit zur Bewährung sowie die Beibehaltung des Arrests. (red)

Ein Mitarbeiter der Gerichtsmediziner bringt die Leiche des mutmaßlichen Täters, der nach Polizeischüssen gestorben ist, zu einem Fahrzeug.
Leben endete im Schrebergarten
Hier wird die Leiche von Abdul B. weggebracht