Wahre Freundschaft Flutopfer aus Swisttal von Kumpel mit besonderem EXPRESS-Orden beschenkt

Stephan Linke (links) macht seinem Kumpel Stefan "Steff" Linden eine Freude und schenkt dem von der Flutkatastrophe hart Getroffenen am 14. September 2021 in Swisttal-Odendorf einen neuen alten EXPRESS-Orden.

Stephan Linke (links) hat seinen Kumpel Stefan „Steff“ Linden mit einem „neuen alten“ EXPRESS-Orden überrascht. Und dem Flutopfer aus Swisttal damit ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Stefan „Steff“ Linden aus Swisttal-Odendorf wurde von der Flutkatastrophe getroffen, das Hochwasser vom 15. Juli flutete sein Haus, zerstörte Erinnerungen. Deshalb hatte sich Stephan Linke etwas Besonderes überlegt, um dem gebeutelten Freund eine kleine Freude zu machen. Er schenkte ihm einen besonderen EXPRESS-Orden. 

Swisttal. Stephan Linke wollte seinem langjährigen Kumpel eigentlich nur ein „klitzekleines Lächeln“ ins Gesicht zaubern. Doch aus dem kleinen Lächeln wurde ein großes Strahlen, inklusive Tränchen: Denn was Stefan „Steff“ Linden (51) widerfahren ist,  zeugt von einer ganz besonderen Freundschaft.

Aber von vorn: 2020 gewann Steff mit seiner Band „Sibbeschuss“ den Närrischen Oscar des Bonner EXPRESS. Inklusive Orden – den der passionierte Sammler sogleich in sein eigens eingerichtetes „Karnevalszimmer“ hängte. So weit, so gut – so sollte es aber nicht bleiben.

Musiker aus Swisttal von Flutkatastrophe getroffen, Tonstudio zerstört

Am 15. Juli fluteten gewaltige Wassermassen Teile Nordrhein-Westfalens, darunter auch Steff Lindens Heimatort Swisttal-Odendorf. Der komplette Keller stand unter Wasser, die stinkende Schlammbrühe zerstörte Büro und das kleine Tonstudio des Vollblutmusikers.

Auch das Erdgeschoss, in dem gerade renoviert wurde, war betroffen. „Am Tag vor der Flut hatten wir noch im Zimmer, in dem sonst die Orden hängen, Tapeten abgerissen“, berichtet Linden, „die Orden waren in Kartons verpackt und waren für die Dauer der Renovierung im Keller untergebracht. Wie einiges anderes auch.“ Insgesamt hatte Steff Linden unzählige Orden aus den letzten 30 Jahren im Dienste des Karnevals gesammelt.

Nun ist alles futsch. Unrettbar verloren im kontaminierten Schlamm. Und da kommt Lindens jahrzehntelanger Freund Stephan Linke ins Spiel, der zufällig durch einen winzigen Kommentar bei Facebook vom Verlust der Orden - und vor allem dieses speziellen - erfahren hatte.

Linke wandte sich mit diesen rührenden Zeilen an EXPRESS.de: „Mein sehr guter Freund Stefan Linden (...)  hat bei der Flut sein Hab und Gut verloren und somit auch seinen ‚Närrischen Oscar‘-Orden, auf den er so stolz war. Ich möchte ihm in der schweren Zeit (...) eine Freude bereiten. Dazu bräuchte ich nun eure Hilfe. Ist es irgendwie möglich, nochmal so einen Orden von 2020 zu erstellen und mit euch gemeinsam zu überreichen? Es wäre eine große Freude!“

Für Flutopfer Stefan Linden aus Swisttal: Kumpel Stephan mit rührender Aktion

Und natürlich machte EXPRESS.de die Überraschung möglich. Einer der Bonner „Närrischer Oscar“-Orden von 2020 war nach etwas Kramen in Karnevalskisten gefunden, Stephan Linke konnte seinen Freund überraschen. „Wo hast du den denn her? Das ist ja supergeil“, freute sich Steff Linden: „Das ist jetzt mein einziger Orden aus den letzten 30 Jahren, der überlebt hat, die anderen sind alle weg.“

Weg sind auch andere Erinnerungsstücke – nur die Erinnerung an die Katastrophe ist stets präsent. Wir hatten an diesem Donnerstag gegen 18 Uhr plötzlich Wasser in Keller", berichtet Steff Linden, „erstmal haben wir versucht, das Bisschen mit dem Nassauger wegzubekommen. Doch aus dem Bisschen wurde eine Sintflut. „Gegen 19 Uhr war plötzlich der Strom weg, ich habe sofort die Sicherungen rausgedreht. Minuten später stand das Wasser schon hüfthoch im Keller.“

Auch durch den Garten schoss das Wasser, wurde fatalerweise von einem Mäuerchen an der Grundstücksgrenze aufgestaut und zurück ins Haus gedrückt. „Ich bin noch mit dem Vorschlaghammer raus und wollte die Mauer weghauen“, erinnert sich das Gründungsmitglied von „Sibbeschuss“ – das war leider ein vergebliches Unterfangen.

Steff Linden und seine Familie (der Sohn wohnt unterm Dach, die Tochter mit Partner im Haus nebenan) flüchteten sich an den Dorfrand, wenig später wurde das ganze Dorf evakuiert. „Wir waren fünf Tage bei meiner Mama in Roisdorf“, sagt Linden. Der Weg zurück nach Odendorf: ein schwerer, ein trauriger. Überall Trümmer, Schutt und Schlamm. Noch feucht oder schon verkrustet.

Nach der Flut in Swisttal: weitermachen, immer weitermachen 

In Lindens Keller pappte die zähe Brühe, kontaminiert durch aus zerstörten Tanks gesupptes Heizöl, durch Fäkalien, Tierkadaver. „Mit Eimern und einer kleinen Menschenkette haben wir den Keller entschlammt.“ Inzwischen ist das Haus in Keller und Erdgeschoss quasi entkernt, auf dem Stand eines Rohbaus. Überall Baustellen – vom abgetragenen Rasen bis zu den Installationen.

Doch Steff lässt sich nicht unterkriegen. „Durchhalten, weitermachen. Die Kraft dazu geben Freunde, die an dich denken, Menschen, die mithelfen. Ich krieg' ne Gänsehaut, wenn ich daran denke, wieviel Hilfe es gab und gibt“, sagt der gestandene Mann gerührt und mit einem Blick auf seinen Freund Stephan, dessen eigentlich kleine Geste dem Musiker so viel bedeutet.

Mit seinem Orden, dem Grundstein einer neuen Sammlung, in der Hand, findet Steff Linden bewegende Worte: „Vielen Dank für eure wahnsinnige Hilfe. Nicht nur bei mir hier zu Hause, sondern in unserem ganzen Dorf Odendorf und natürlich überall, wo ihr helft: in Erftstadt, an der Ahr. Leute, haltet durch, packt weiter mit an, wir brauchen euch die nächsten Monate auch noch. Ich sage aus tiefstem Herzen: Vielen Dank für eure Hilfe und Unterstützung. Finanziell und durch Manpower. Danke, danke, danke.“ (smo)

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.