Mit Betrug an Kranken finanzierten sie Luxus-Autos und Millionen-Besitz. Jetzt schlug die Polizei in NRW zu.
Razzia in NRWSie kauften Protz-Autos mit Betrug an Kranken

Copyright: Polizei
Auch diesen Luxusschlitten nahm die Polizei bei der Razzia auf den Haken.
Aktualisiert:
Protzkarossen von Marken wie Maybach, Mercedes-AMG und Lamborghini wurden konfisziert. Der Schaden geht in die Millionen – rund elf Millionen Euro sollen es sein.
Ermittler schlugen in ganz Nordrhein-Westfalen zu. Bei einer Aktion gegen eine vermutete Betrügerbande wurden am Donnerstag (17. September) Besitztümer im Wert von circa 5,9 Millionen Euro einkassiert. Darunter teure Schlitten von Maybach, Mercedes-AMG und Lamborghini, wie die Düsseldorfer Polizei und die Wuppertaler Staatsanwaltschaft jetzt am Freitag (18.) bekannt gaben.
Elf Millionen Euro Schaden durch Betrug im Pflegedienst
Der Verdacht: Krankenversicherungen wurden um riesige Summen geprellt. Die Verdächtigen sollen Dienste in der ambulanten Intensivversorgung in Rechnung gestellt haben, die sie nie oder nur zum Teil geleistet haben. Es wird außerdem vermutet, dass Personal ohne die nötige Qualifikation für die Pflege eingesetzt wurde.
Auf rund elf Millionen Euro beziffern die Fahnder den vermuteten Gesamtschaden. Die Ermittlungen richten sich seit Dezember 2025 gegen 13 Personen. Die Vorwürfe sind heftig: Es geht um banden- und gewerbsmäßigen Betrug bei Abrechnungen, das Waschen von Geld, Vergehen gegen das Steuerrecht und das Nichtzahlen von Sozialabgaben.
Vor allem die konfiszierten Edelkarossen zogen die Blicke auf sich. Die Polizei veröffentlichte Bilder, die einen Lamborghini Urus sowie einen Lamborghini Huracán zeigen, wie sie von einem Abschleppwagen mitgenommen werden. Auch Autos der Hersteller Maybach und Mercedes-AMG wurden von den Beamten aus dem Verkehr gezogen.
Aber nicht nur die Fahrzeuge wurden mitgenommen. Es wurden auch circa 51.000 Euro in bar, Gold für ungefähr 10.000 Euro und Juwelen im Wert von etwa 265.000 Euro gefunden. Hinzu kamen teure Uhren und Taschen, deren Wert auf zusammen 140.000 Euro beziehungsweise 16.000 Euro geschätzt wird.

Copyright: Polizei
Luxusautos wie dieser Lamborghini, aber auch Bargeld und Schmuck, wurden bei der Razzia in NRW sichergestellt.
Um zu sichern, dass die Verdächtigen keine Besitztümer mehr verschieben können, griffen die Behörden zu einer weiteren Maßnahme. Sie veranlassten die Eintragung von Sicherungshypotheken über 3,3 Millionen Euro in die Grundbücher der Immobilien, die den Beschuldigten gehören.
Razzien an zahlreichen Orten in NRW und Hessen
Über 200 Einsatzkräfte waren am Donnerstag an der Aktion beteiligt, darunter Beamte von Polizei, Zoll und dem Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität NRW. Es fanden Durchsuchungsmaßnahmen in Düsseldorf, Wuppertal, Dortmund, Hagen, Oberhausen, Gelsenkirchen, Bottrop, Duisburg, Mettmann, Monheim, Hürth und Lüdinghausen statt. Ein Objekt im hessischen Kelsterbach wurde ebenfalls durchkämmt.
Gegen eine 39 Jahre alte Frau mit türkischer Staatsbürgerschaft wurde ein Haftbefehl vollstreckt. Ihr 44-jähriger deutscher Gatte soll ebenfalls dem Haftrichter vorgeführt werden. Der Tatverdacht gegen ihn hat sich den Fahndern zufolge verdichtet.
Die Beamten stießen bei den Durchsuchungen außerdem auf eine 54-jährige Frau aus Georgien. Laut Behördenangaben lebte und arbeitete sie ohne Erlaubnis in Deutschland. Eine Festnahme war die Folge.
Schockierender Fund: Vernachlässigtes Kind in Klinik gebracht
Was die Einsatzkräfte in einer Düsseldorfer Wohnung entdeckten, ist besonders erschütternd: ein Kind, das Pflege benötigte und sich in einer sehr schlechten gesundheitlichen Verfassung befand. Ein alarmierter Rettungsdienst brachte das Kind zur Behandlung in eine Klinik. Der Kinderschutzbund sowie das Jugendamt sind nun eingeschaltet.
Die Fahnder konnten bei den Aktionen eine Menge an Beweismitteln in digitaler und analoger Form sicherstellen. Dazu gehörte ein Arztstempel, der vermutlich zum Fälschen von Rezepten verwendet wurde. Bei den Hauptverdächtigen in Mettmann kam noch mehr zutage: eine geladene Schusswaffe, Marihuana und Anabolika.
Die Untersuchungen in diesem Fall gehen weiter. Für sämtliche beschuldigte Personen gilt die Unschuldsvermutung. (red)
