Raucher weniger betroffen Virologe Streeck erklärt allerersten Corona-Ausbruch in Deutschland

Hendrik Streeck, Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn, geht am 29. September 2020 durch das Städtchen Gangelt im Kreis Heinsberg. Dort war erstmals in Deutschland das Coronavirus ausgebrochen.

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck hat den allerersten Corona-Ausbruch in Deutschland, der Anfang 2020 von Gangelt in NRW ausging, untersucht. Das Foto zeigt Streeck am 29. September 2020 in der Innenstadt von Gangelt im Kreis Heinsberg.

Im Kreis Heinsberg ereignete sich Anfang 2020 der erste große Corona-Ausbruch in Deutschland. Eine Karnevalssitzung in Gangelt erwies sich dabei als Superspreader-Event. Der Bonner Virologe Hendrik Streeck hat die Sitzung jetzt genau untersucht.

Bonn/Gangelt. Bei der Verbreitung des Coronavirus auf der sogenannten Kappensitzung in Gangelt am 15. Februar 2020 spielte die Belüftung eine wichtige Rolle. Das geht aus einer jetzt als Vorveröffentlichung publizierten Studie des Bonner Virologen Hendrik Streeck und anderer Wissenschaftler hervor.

„Die Studie zeigt deutlich, wie wichtig eine gute Belüftung mit Frischluft und Filteranlagen sind“, sagte Streeck der Deutschen Presse-Agentur.

NRW: Lüftung begünstigte Ausbreitung des Coronavirus' in Gangelt

Die Forscher haben über Monate hinweg 411 der insgesamt etwa 450 Teilnehmer der Karnevalssitzung befragt. Die Sitzung hatte sich als Superspreader-Event herausgestellt. Fast die Hälfte der Teilnehmer – 46 Prozent – infizierte sich mit dem Virus.

Eine große Rolle bei der Verteilung des Virus im Saal spielte den Erkenntnissen zufolge die Lüftung. Sie führte dem Saal, dessen Fenster geschlossen waren, nur 30 Prozent Frischluft zu. Dadurch habe die Lüftung das Virus verbreitet, sagte Streeck.

Dementsprechend höher war das Infektionsrisiko, wenn man in der Nähe des Tisches saß, an dem die Luft angesogen wurde, oder an der Bar stand, wo die Luft wieder ausgepustet wurde. Auf der gegenüberliegenden Seite des Saals war das Risiko dagegen geringer.

Studie über Corona-Ausbruch in Gangelt: Raucher weniger betroffen

Alkoholkonsum habe sich nicht als Risikofaktor erwiesen. Zuvor war darüber spekuliert worden, dass Teilnehmer, die viel Alkohol getrunken hatten, enthemmter gewesen sein und mehr Körperkontakt gehabt haben könnten. Auch das Geschlecht wirkte sich den Erkenntnissen zufolge nicht aus.

Eine Senkung des Risikos sei bei Rauchern festgestellt worden - wobei die Forscher betonen, dass Rauchen ohne Zweifel gesundheitsschädlich ist. Der Grund für den positiven Effekt sei in diesem Fall möglicherweise, dass Raucherinnen und Raucher öfter nach draußen gegangen seien und dadurch Frischluft eingeatmet hätten. Wer in der Pause aus dem Saal gegangen sei, habe sein Risiko allgemein deutlich verringert.

Corona-Studie von Virologe Hendrik Streeck: So wichtig ist die (Be-) Lüftung

„Es spricht alles wieder dafür, dass Aerosole und Belüftung eine entscheidende Rolle dabei spielen, ob es eine Infektion gibt oder nicht“, fasste Streeck die Ergebnisse zusammen.

Als wesentlicher Risikofaktor für eine Covid 19-Infektion bestätigt wurde das Alter. Hier gilt demnach: Je älter, desto höher das Risiko. Kinder könnten sich zwar infizieren, aber die Wahrscheinlichkeit sei gering, sagte Streeck. „Das Alter der Sitzungsteilnehmer schwankte zwischen 6 und 79 Jahren. Bis zum Alter von 40 Jahren sehen wir pro Lebensjahrzehnt einen Risikoanstieg von 28 Prozent. Dabei hatten alle Teilnehmer die gleiche Exposition mit dem Virus.“

Von Gangelt aus hatte sich das Virus in den darauf folgenden Wochen im ganzen Kreis Heinsberg verbreitet. Dadurch kam es in der Region an der niederländischen Grenze zum ersten großen Corona-Ausbruch in Deutschland. (dpa)

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