Flut in NRW „Nicht der Tag, wo man geht“ Rettungs-Taucher schildert emotionale Szenen

Ahrweiler: Völlig zerstört ist diese Brücke über die Ahr in Ahrweiler nach der Flutkatastrophe. (Luftaufnahme mit einer Drohne).

Im NRW-Untersuchungsausschuss äußert sich ein Rettungstaucher zu seinem Einsatz bei der Flutkatastrophe. Hier ein Foto vom 18. Juli 2021 in Ahrweiler.

Im NRW-Untersuchungsausschuss zur Flutkatastrophe im Sommer 2021 hat am Freitag (4. Februar 2022) ein Rettungstaucher ausgesagt.

Die Folgen der schrecklichen Flutkatastrophe im Sommer 2021 sind vielerorts in NRW immer noch zu sehen und von den Betroffenen zu hören. Im Untersuchungsausschuss Hochwasser des NRW-Landtags haben schon viele Beamte ausgesagt und sich gerechtfertigt. Am Freitag (4. Februar 2022) wurde dort greifbar, wie die Katastrophe vor Ort wirklich ablief und woran es haperte: Ein Rettungstaucher der Polizei schildert seinen Einsatz.

Die offizielle Technik der Polizei, das gesamte Handynetz und der Digitalfunk seien während des Hochwassers im vergangenen Juli 2021 komplett zusammengebrochen, sagte der Rettungstaucher Patrick Reichelt am Freitag als Zeuge im Untersuchungsausschuss Hochwasser des Düsseldorfer Landtags.

Düsseldorf: Rettungstaucher schildert Technik-Probleme während Flutkatastrophe

Die Kommunikation der Rettungskräfte untereinander und das Abarbeiten der Einsätze sei nur möglich gewesen, weil die Feuerwehr in seinem Heimatort Heimerzheim im Rhein-Sieg-Kreis in NRW ihre alten Analoggeräte trotz digitaler Umrüstung noch behalten haben.

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In eindringlichen Worten schilderte der 47-jährige Polizist, wie er Mitte Juli 2021 als Bootsführer mit seinem Team in einer Doppelschicht etwa 65 Menschen aus einsturzgefährdeten Häusern und anderen Notlagen unter Einsatz seines Lebens gerettet habe.

Darunter seien viele Betagte, Behinderte, Kranke, Desorientierte und Menschen gewesen, die nach stundenlangen Hilferufen von Dächern und Balkonen schon fast aufgegeben hätten, berichtete Reichelt. Männer, die sich geweigert hätten, ihr unterspültes Haus ohne ihre Hunde oder Katzen zu verlassen, habe er unter Lebensgefahr mit den Tieren durch das Wasser geführt, nachdem er die Ehefrauen überredet habe, sich vom Hubschrauber retten zu lassen.

NRW: Rettungstaucher machte Mann Mut – „Ist jetzt nicht der Tag, wo man geht“

Einem von externer Sauerstoffzufuhr abgängigen Dialyse-Patienten, der unter allen Umständen zuhause bleiben wollte, habe er angesichts der drohenden Todesgefahr gesagt: „Das ist jetzt nicht der Tag, wo man geht“. Er selbst sei in ein Loch gefallen und durch den Wassersog unter ein Haus gezogen worden. Sein Kollege habe ihn im letzten Moment an der Hand noch unter einer Bodenplatte hervorziehen können.

In der Katastrophe habe sich gezeigt, dass letztlich nur die professionellen Retter technisch und emotional gerüstet gewesen seien, mit der Extrem-Situation umzugehen. Viele junge ehrenamtliche Helfer seien überfordert gewesen, berichtete Reichelt. „Wir Polizeitaucher sind es leider gewohnt, auch Tote aus dem Wasser zu ziehen.“

NRW: Bei Flutkatastrophe im Sommer 2021 starben 49 Menschen

Unwetter mit ungewöhnlich starken Regenfällen hatten Mitte Juli in Rheinland-Pfalz und NRW eine Hochwasserkatastrophe ausgelöst. Ganze Landstriche wurden von den Wassermassen verwüstet. 49 Menschen starben. Nach ersten Schätzungen entstanden allein in NRW Schäden in Höhe von etwa 13 Milliarden Euro. Der im vergangenen September eingesetzte Ausschuss prüft mögliche Versäumnisse oder etwaiges Fehlverhalten der Landesregierung im Zusammenhang mit dem Jahrhundert-Hochwasser. (dpa)

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