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JVA-Skandal EuskirchenClan-Chef soll Rolls-Royce gefahren sein statt in der Zelle zu sitzen

Benjamin Limbach, Justizminister (Grüne), hat im Rechtsausschuss des NRW-Landtags über die Ermittlungen zum JVA-Skandal in Euskirchen berichtet.

Copyright: Oliver Berg/dpa

Benjamin Limbach, Justizminister (Grüne), hat im Rechtsausschuss des NRW-Landtags über die Ermittlungen zum JVA-Skandal in Euskirchen berichtet. 

Der Skandal in der JVA Euskirchen nimmt krasse Züge an. Unbefugte sollen sogar in Büros spaziert sein, wie Justizminister Benjamin Limbach im Rechtsausschuss einräumte.

Die Affäre um das Gefängnis in Euskirchen (JVA) bekommt eine neue Dimension. Es besteht der Verdacht, dass Transponder für Türschlösser gezielt verändert wurden, wodurch Unberechtigte sogar Büros betreten konnten. Ein Sprecher vom Justizministerium in Nordrhein-Westfalen bestätigte vor dem Rechtsausschuss des Landtags, dass die Staatsanwaltschaft nun auch in diesem Fall ermittelt.

Benjamin Limbach, der Justizminister der Grünen, erklärte jedoch, dass eine Kontrolle der elektronischen Schließanlagen und des Umgangs mit Generalschlüsseln in den übrigen Haftanstalten von NRW „keine sicherheitsrelevanten Auffälligkeiten oder Defizite ergeben“ habe. Lediglich im Juli 2025 sei in einer anderen JVA ein Hauptschlüssel für Büros verschwunden. Man habe aber sofort die nötigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Ein Zusammenhang mit den Vorkommnissen in Euskirchen ist bislang nicht zu erkennen. Dort sollen nun zwei Experten des Ministeriums, in enger Zusammenarbeit mit der Bonner Staatsanwaltschaft, die Zustände und Prozesse „strukturiert und eingehend“ analysieren, um mögliche Manipulationswege aufzudecken.

Freigang gegen Bezahlung

Seit mehreren Monaten wird in der JVA Euskirchen wegen eines gewaltigen Korruptions- und Sicherheitsskandals ermittelt. Der zentrale Vorwurf: Angestellte der Haftanstalt sollen Gefangenen für Geld Privilegien gewährt und gleichzeitig die Sicherheitstechnik des Gefängnisses manipuliert haben. Über die Affäre berichtete zuerst der „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Der Startpunkt für die Untersuchungen liegt im Dezember 2022. Bei einem Prozess wegen Drogenhandels wurde damals ein Handy beschlagnahmt, das den Ermittlern erste Hinweise auf verdächtige Gespräche gab. Im Laufe der Zeit sammelten sich immer mehr Indizien an, was zu einem großen Ermittlungsverfahren führte. Die Anschuldigungen umfassen unter anderem Bestechung, die Annahme von Schmiergeldern und das Fälschen von Dokumenten.

An die Öffentlichkeit gelangte der Fall Anfang Mai 2026. Laut Medienberichten kam es am 6. Mai zu einer Großrazzia mit über 200 Beamten. Durchsucht wurden Bereiche der JVA Euskirchen, aber auch private Wohnungen in verschiedenen Kreisen und ein Büro im Amtsgericht Euskirchen. Bei der Aktion beschlagnahmte man Mobiltelefone, Speichermedien und Unterlagen. Festnahmen erfolgten zu diesem Zeitpunkt keine, stattdessen wurden die verdächtigen Personen befragt.

Im Fokus der Ermittlungen stehen sieben Beamte und eine Beamtin aus dem Justizvollzug, die zwischen 37 und 58 Jahre alt sind; einer von ihnen war damals Abteilungsleiter. Zuerst ermittelte man zusätzlich gegen drei frühere Insassen (30, 35 und 49 Jahre). Insidern zufolge werden nun aber die Unterlagen von 13 weiteren Ex-Häftlingen nach Ungereimtheiten durchforstet. Einer der Beschuldigten soll, so Informationen unserer Redaktion, zu einem bekannten Clan aus Leverkusen gehören, der schon oft mit dem Gesetz in Konflikt kam. Dieser Mann wurde angeblich am Steuer seines Rolls-Royce geblitzt – zu einer Zeit, als er laut den Akten der JVA in seiner Zelle sitzen sollte.

Wie das System funktioniert haben soll

So soll das kriminelle System funktioniert haben: Gefangene konnten sich anscheinend gegen eine monatliche Gebühr im dreistelligen Bereich vor Zellenkontrollen warnen lassen, quasi als „Abo“. Darüber hinaus sollen Mitarbeiter falsche Adressen und Jobs besorgt haben, damit Häftlinge in den offenen Vollzug verlegt werden konnten. Ob die Insassen dort wirklich lebten und arbeiteten, wurde dann nicht mehr überprüft. Es gab wohl einzelne Situationen, in denen Häftlinge außerhalb der Anstalt gesichtet wurden, obwohl sie laut offiziellen Dokumenten als anwesend galten.

Aufgeflogen sein soll der Schwindel auch durch Probleme mit der Schließanlage in der JVA. Eine Tür war wohl offen, obwohl sie verschlossen sein musste. In diesem Kontext kam heraus, dass es um zwei elektronische „Generalschlüssel“ in Form von Transpondern gehen könnte. Diese befanden sich in einem Notfallkoffer, der auch für die Feuerwehr gedacht ist. Offenbar wurden bei zwei dieser Schlüssel die echten Bauteile entfernt und gegen veraltete Komponenten ausgetauscht. Mit den gestohlenen Original-Transpondern hätte man sich Zutritt zu zahlreichen Arealen des Gefängnisses verschaffen können.

Euskirchen hat es somit mit einem zweifachen Problem zu tun: Es besteht der Verdacht auf Korruption innerhalb des Strafvollzugs und gleichzeitig auf eine mögliche Manipulation der Sicherheitssysteme. Während die strafrechtlichen Untersuchungen weitergehen, nehmen die Behörden parallel die internen Abläufe und die Sicherheitsarchitektur genau unter die Lupe. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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