Paar starb in Feuer-HölleMord! Staatsanwalt erhebt Anklage gegen drei Kölner

Im Oktober 2018 brannte dieser Altbau in der Straße An St. Magdalenen im Severinsviertel.

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Im Oktober 2018 brannte dieser Altbau in der Straße An St. Magdalenen im Severinsviertel. 

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Acht Jahre nach dem Tod eines älteren Ehepaares müssen sich die Beschuldigten bald vor Gericht verantworten.

Über mehrere Stunden loderten die Flammen im Altbau in der Straße St. Magdalenen, das Feuer fraß sich durch das hölzerne Treppenhaus vom ersten Stock bis in die oberen Etagen. Ein älteres Ehepaar aus Bulgarien, das seine Tochter besuchte, starb, weitere Bewohner konnten durch die Feuerwehr gerettet werden. Knapp acht Jahre später hat die Staatsanwaltschaft nun Anklage wegen Mordes und schwerer Brandstiftung erhoben. Zwei Männer sollen den Brand in einer Wohnung gelegt, ein weiterer soll Beihilfe geleistet haben. Der Prozess am Landgericht könnte noch dieses Jahr starten.

Ex-Freund von Mieterin soll Feuer gelegt haben

Als Drahtzieher gilt laut den Ermittlern ein heute 32-jähriger Kölner. Er soll mit einer Bewohnerin des Mehrfamilienhauses im Severinsviertel eine On-Off-Beziehung geführt haben. Immer wieder sei es laut Anklageschrift zu Streitigkeiten gekommen. Die Frau habe die Beziehung schließlich beendet. Darin sehen die Ermittler das Motiv des Hauptverdächtigen. Er habe die Trennung nicht akzeptieren wollen und sich daher entschlossen, in der Wohnung der Frau ein Feuer zu legen. Am Tattag, dem 24. Oktober 2018, sei er gegen 17.30 Uhr zusammen mit einem Bekannten an dem Haus erschienen.

Die Flammen erreichten auch den Dachstuhl des Gebäudes.

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Die Flammen erreichten auch den Dachstuhl des Gebäudes.

Ins Treppenhaus seien die beiden Männer laut Staatsanwaltschaft problemlos gelangt, da das Türschließsystem des Altbaus defekt gewesen sei. Die Zielwohnung im ersten Stock sei dann aufgebrochen worden. Die beiden Männer hätten Brandbeschleuniger vergossen, diesen angezündet und seien vom Tatort geflüchtet. Das Feuer breitete sich sehr schnell aus. Mehrere Bewohner wurden von Rauchmeldern gewarnt und konnten durch das bereits verrauchte Treppenhaus ins Freie gelangen. Zwei Personen wurden später von der Feuerwehr per Drehleiter vom Dach gerettet.

Älteres Ehepaar kam in den Flammen ums Leben

Für das Ehepaar, das sich im vierten Stock aufhielt, kam jede Hilfe zu spät. Die Tochter hatte das Haus verlassen, weil sie in einer Kneipe kellnerte. Der 68 Jahre alte Vater hatte kurz zuvor einen Schlaganfall erlitten und war sehr schlecht zu Fuß. Das Ehepaar starb in den Flammen und konnte später nur noch anhand von Schmuck zweifelsfrei identifiziert werden. Für die Feuerwehr war es ein Kraftakt, das Feuer zu löschen. Ein Ermittlungsleiter erklärte, dass viel Holz in dem fast 140 Jahre alten Haus verbaut gewesen sei. Auch die Strohfüllung in Decken und Zwischenwänden habe den Brand begünstigt.

Auch die Bauform des Altbaus habe zur Ausbreitung des Brandes beigetragen, sagte der Ermittler. Das Haus sei hoch und vergleichsweise schmal gebaut. Das Feuer sei wie in einem Kamin bis in den Dachstuhl durchgezogen. Für Brandstiftung sprach nach Einschätzung der Ermittler auch, dass die Tür der Wohnung, in der das Feuer ausgebrochen war, offen gestanden hatte. Die Mieterin hatte glaubhaft erklärt, sie zuvor abgeschlossen zu haben. Zudem waren Hebelspuren sichtbar. Die Täter könnten demnach ein Brecheisen benutzt haben.

Kölner Hauptverdächtiger soll sich mehrfach selbst belastet haben

Der Hauptangeklagte galt nach der Tat offiziell nie als Beschuldigter. Trotz der instabilen Beziehung hatte auch die Ex-Lebensgefährtin offenbar keinen Verdacht geschöpft. Der Mann selbst soll es gewesen sein, der die Ermittler Jahre später wieder auf seine Spur führte. Nach Informationen dieser Zeitung aus Justizkreisen soll die neue Lebensgefährtin nach einem handgreiflichen Vorfall die Polizei alarmiert und auch von Bedrohungen durch ihren Freund berichtet haben. Sinngemäß soll er laut der Frau geäußert haben, dass er sie anzünde – ähnlich der Tat damals im Severinsviertel.

Nach einem Beitrag in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ im Jahr 2025 meldete sich dann der nächste Zeuge. Der Angeklagte habe ihm ebenfalls von der Tat berichtet und sich auch selbst belastet. Das reichte den Ermittlern für die Beantragung eines Haftbefehls. Auch in der JVA Köln-Ossendorf soll dem Mann seine Redseligkeit zum Verhängnis geworden sein. So soll sich der Angeklagte dem Vernehmen nach einem Zellengenossen anvertraut und womöglich Täterwissen preisgegeben haben. Der Mithäftling gilt in dem Schwurgerichtsverfahren nun als ein zentraler Zeuge.

Im Zuge der Ermittlungen kamen dann auch die Namen der mutmaßlichen Komplizen heraus. Ein ebenfalls 32-Jähriger soll laut Anklage mit in der Wohnung gewesen sein, als das Feuer gelegt wurde. Ihn hat die Staatsanwaltschaft ebenfalls wegen Mordes angeklagt. Als Mordmerkmale nennen die Ermittler Heimtücke und die Verwendung gemeingefährlicher Mittel. Zwar geht die Staatsanwaltschaft nicht davon aus, dass gezielt Menschen sterben sollten. Die Männer hätten es aber zumindest billigend in Kauf genommen. Ihnen droht eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Köln: Verteidiger bestreitet Mordvorwürfe für seinen Mandanten

Auf Anfrage erklärt Verteidiger Mutlu Günal, der den 32-jährigen Hauptverdächtigen vertritt, dass sein Mandant die Vorwürfe bestreite. „Die Ermittlungsbehörden verlassen sich auf zwielichtige Zeugen“, sagt Günal. Auch kritisiert er den „XY“-Bericht. Sein Mandant habe dort als Freund der Mieterin der Brandwohnung eine prominente Rolle gespielt, was der Anwalt als tendenziös bezeichnete. Ein 47-jähriger Bekannter des Hauptangeklagten wurde ebenfalls angeklagt. Er soll den mutmaßlichen Tätern den Brandbeschleuniger und weitere Utensilien für die Tat überlassen haben.

Aufgrund der äußerst strittigen Ausgangslage ist mit einem langwierigen Indizienprozess mit vielen Zeugen zu rechnen. Noch hat die Vorsitzende Richterin Sibylle Grassmann die Anklage nicht zugelassen – es wird aber bald damit gerechnet. Wegen des Beschleunigungsgebots in Haftsachen dürfte das Verfahren, das unter dem Aktenzeichen 120 Ks 10/26 geführt wird, noch in diesem Jahr beginnen. Spannend zu beobachten dürfte sein, wie genau sich die drei Angeklagten, die alle in Untersuchungshaft sitzen, dann positionieren – und ob sie sich womöglich gegenseitig belasten.