Der Wahnsinns-Einbruch in Gelsenkirchen: Stecken etwa Clans dahinter?
100-Millionen-Coup in NRW-BankEx-Ermittler hat brisanten Verdacht – „ist für mich unfassbar“
Der spektakuläre Einbruch bei der Sparkasse in Gelsenkirchen-Buer bereitet den Ermittlern und Ermittlerinnen weiterhin Kopfzerbrechen.
Auch zwei Wochen nach dem dicken Ding fehlt von den Tätern jede Spur – genauso wie von der Beute, deren Wert auf mehr als 100 Millionen Euro beziffert wird.
Wie gelang es den Dieben, sich unbemerkt Zutritt zur Bank zu verschaffen?
Die zentrale Frage ist nach wie vor: Wie gelang es den Dieben, sich unbemerkt Zutritt zum Geldhaus zu verschaffen? Eine WDR-Rekonstruktion legt nahe, dass der Coup zwischen dem 23. Dezember um 13 Uhr und dem 29. Dezember um 6.15 Uhr stattgefunden haben muss. Die Filiale war über die Weihnachtsfeiertage sowie das Wochenende dicht, ehe ein Feueralarm die Behörden zu einem Loch in der Mauer lotste.
Für Klaus Nachtigall, Sicherheitsberater und früherer LKA-Fahnder, liegt der Fall auf der Hand. Er hat die vorliegenden Fakten genauestens unter die Lupe genommen und kommt zu einer heiklen Folgerung: „Man kann davon ausgehen, dass es einen Insider-Tipp gegeben hat.“
Die Täter seien schlicht zu zielgerichtet und exakt vorgegangen. Diese Annahme wird durch Aussagen des NRW-Innenministers Herbert Reul untermauert, welcher von „ein paar Merkwürdigkeiten“ sprach, die eine Komplizenschaft von innen „zumindest nicht unwahrscheinlich“ wirken lassen.
Reul hob die minutiöse Planung hervor, die auf eine „hochprofessionelle Bande“ schließen lasse und Amateurdiebe ausschließe. Das berichtet „Focus online“.
Nachtigall legt aber sogar noch einen drauf. Für ihn hat das Verbrechen eine unverkennbare Signatur: „Die Tätergruppe trägt die Handschrift des kriminellen Clanmilieus“, meint der 60-Jährige, der sich während seiner Dienstzeit in Berlin ausgiebig mit Organisierter Kriminalität auseinandersetzte.
Sicherheitsexperte äußert sich: Wohl nicht die Mocro-Mafia
Vermutungen, dass die Mocro-Mafia hinter dem Coup stecken könnte, erachtet er als wenig wahrscheinlich. „Sie ist eher im gewalttätigen Bereich aktiv, etwa bei der Sprengung von Automaten oder Auftragsmorden. Sie würden eher nicht bohren und hätten vermutlich nicht die nötigen Kontakte“, erläutert der Sicherheitsexperte.
Vielmehr würden andere Gruppierungen besser ins Schema passen. „Was uns bei kriminellen Clans beschäftigt, ist die Unterwanderung der legalen Gesellschaft“, so Nachtigall. Er umreißt eine hinterhältige Methode: Familienangehörige oder Personen aus dem Umfeld ohne Vorstrafen werden bewusst bei der Polizei, der Justiz oder in der öffentlichen Verwaltung untergebracht.
„Diese Informationen sind unwahrscheinlich nützlich.“ Auch bei der Sparkasse in Buer sei ein solches Szenario denkbar: „Wenn die Täter wussten, wie sie reinkommen, liegt es auf der Hand, dass sie Insider-Informationen hatten.“
Die Einbrecher mussten für ihren Raubzug etliche Barrieren überwinden. Ein Parkhaus diente laut WDR-Nachforschungen als Eingang. Vom unteren Geschoss für Dauermieter aus mussten sie ein Rolltor zur Tiefgarage der Bank aufbrechen, zu dem nur ein kleiner Personenkreis Zutritt hat. Von dort bohrten sie sich durch Kellerräume und das Archiv einen Weg bis in den Tresorbereich.
Das Brisante an der Sache: Auf dieser kompletten Strecke fehlten anscheinend sowohl Bewegungsmelder als auch Überwachungskameras. Obgleich der Archivraum lediglich per Codekarte betreten werden kann, fand man dort keinerlei Aufbruchspuren.
Für den Fachmann Nachtigall ist das ein Unding: „Die schlechte Sicherung der Bank ist für mich unfassbar. Sicherheit spielt bei den Banken offensichtlich eine untergeordnete Rolle.“ Er erkennt ein systematisches Versäumnis. In diesem Kontext sorgt auch eine Razzia bei der Sparkasse Anfang Januar für Stirnrunzeln.
Warum war eine Durchsuchung der Bank notwendig?
„Es ist ungewöhnlich bei so einem schadensträchtigen Ereignis, dass die Bank gemauert hat und eine Durchsuchung notwendig war. Die Bank wird schon wissen, warum“, äußert sich Nachtigall.
Es sei zudem bemerkenswert, dass in Gelsenkirchen – häufig als „Armenhaus Deutschlands“ betitelt – solch enorme Vermögen lagerten. Es keimt der Verdacht auf, dass sich in den Schließfächern, von denen das Geldinstitut eine „gigantisch große Anzahl“ bereitstellte, auch Schwarzgeld deponiert war. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
