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Comedian im Interview Markus Maria Profitlich: „Ich war mal Bofrost-Mann“

Markus Maria Profitlich: In seinem Buch "Stehaufmännchen" (8,99 Euro, Bastei Lübbe) gibt er witzige Einblicke in sein Leben.

Markus Maria Profitlich: In seinem Buch "Stehaufmännchen" (8,99 Euro, Bastei Lübbe) gibt er witzige Einblicke in sein Leben.

Köln – Markus Maria Profitlich (52) schmiss früh die Schule und lernte lieber vom Leben. Nach einer Schreinerlehre kamen viele Jobs: Bofrost-Mann, Müllkippe... Doch die Leidenschaft des Rheinländers ist die Comedy. Nach Auftritten in Bonn, u. a. in der „Springmaus“, kam die „Wochenshow, dann „Mensch Markus“. Profitlich ist Mitglied der SPD und Christ. In seiner Kindheit besuchte er den Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) in Siegburg, wo er zehn Jahre lang christliche Kinderfreizeiten als pädagogischer Mitarbeiter begleitete. Jetzt ist er Mitglied einer freien evangelischen Gemeinde. Profitlich wohnt in Lindlar im Oberbergischen Land.

Sie sind eine Art Grandfather der Comedy. Mit Ihrer Generation begann vor 15 Jahren die Spaßwelle im deutschen TV. Welches Zeugnis geben Sie den nächsten Generationen?
Markus-Maria Profitlich: In dieser Zeit hat sich die Stand-up-Szene extrem entwickelt. Es gibt viele, viele neue gute Leute: Mario Barth, Atze Schröder, Eckart von Hirschhausen. Aber wir haben auch viel Schrott gesehen und manchmal gedacht: „O weh, was machen die denn da?“

Neidisch auf Kollegen, denen Sie die Tür aufgestoßen haben, die jetzt aber in viel größeren Hallen spielen und es leichter haben als Sie?
Ich würde lügen, würde ich sagen, es ist mir vollkommen egal. Denn dadurch, dass ich in den letzten Jahren viel Fernsehen gemacht habe und nicht auf Tournee war, muss ich das alles neu aufbauen. Damit die Leute merken: „Aha, Markus geht wieder auf Tournee.“ Aber da bei mir viel über Mimik und Gestik läuft, brauche ich keine Riesensäle.

Ihr „Mensch Markus“ ist ein Klassiker der TV-Comedy. Er wird immer wieder auf Sat.1 wiederholt…
Gut ist auf der einen Seite, dass ich so weiter im Gespräch bin, auch bei den nächsten Generationen. Auf der anderen Seite ist es manchmal schlecht, dass mich die Leute dann nur mit „Mensch Markus“ in Verbindung bringen. Dabei gibt’s viel Neues: Ich habe das Buch „Stehaufmännchen“ geschrieben, bin mit neuem Programm unterwegs und es gibt Filmangebote.

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Wie sind Sie eigentlich zum Job gekommen?
Reiner Zufall. Ich habe bei CVJM-Freizeiten den Clown für die Kinder gemacht. Dann kamen zwei Mann dazu, wir nannten uns „Magic Marabus“, man konnte uns und unsere Show zu Hochzeiten, Geburtstagen und Firmenfeiern verschenken. Ich habe mich schon damals gern verkleidet, bin als Trude Herr aufgetreten, stand im Röckchen auf der Bühne oder tanzte als Nonne Can-Can.

Jetzt, 25 Jahre später, schildern Sie diese Zeit im Buch. Wann mussten Sie „Stehaufmännchen“-Qualitäten beweisen?
Oft. Jeder fällt mal auf die Schnauze und muss wieder aufstehen, schafft es mal gut, mal weniger gut. Glücklicherweise habe ich das Glück, dass ich jetzt das machen kann, was ich mache. Aber davor ist einiges passiert, was mich runtergehauen hat. Ich habe das im Buch zwar Comedy-mäßig aufbereitet, aber es war nicht immer alles so lustig. Wenn ich zum Beispiel an die Prüfungsangst denke, unter der ich litt! Vor meiner Schreiner-Gesellenprüfung bin ich nur zum Arbeiten rausgegangen, sonst habe ich mich nicht vor die Tür getraut.

Lehrer hat mich blutig geprügelt

Sie haben bereits mit 14 die Schule verlassen…
Ich hatte nach den neun Pflichtschuljahren keine Lust mehr, weiter zu bleiben. Schule war schlimm. Sie wurde mir von einem Lehrer sehr vermiest, der mich einige Male vor der Klasse blutig geprügelt hatte. Das war damals noch üblich.

Wenn Sie heute daran denken – wie gehen Sie damit um?
Das Wichtigste im Leben ist Vergebenkönnen. Und alles, was ich danach gemacht habe, diente meiner Ausbildung zum Komiker. Ich war Werftarbeiter, Bofrost-Mann, stand an der Müllpresse. Ich habe es mit interessanten, aber auch verrückten Leuten zu tun bekommen und dabei fürs Leben gelernt.

„Stehaufmännchen“-Qualitäten mussten Sie vor einiger Zeit wieder beweisen, als Sie über ein Jahr lang krank waren. Da hat man viel Zeit, über sich und sein Leben nachzudenken. Wie hat Sie diese Zeit verändert?
Ich sehe heute alles ruhiger und lockerer – selbst meine pubertierende Tochter. Ich habe festgestellt, dass nichts wichtiger ist als Gesundheit. Und dass es von jetzt auf gleich vorbei sein kann mit Karriere, Beruf und allen anderen Dingen.

Ein Jahr krank – was war los mit Ihnen?
Es fing mit einer Kehlkopfentzündung kurz nach der letzten Premiere an. Ich bekam keinen Ton mehr raus, es folgte eine beidseitige Lungenentzündung. Meine Stimme war komplett weg. Mir kamen die gruseligsten Gedanken. Ich habe mir wirklich überlegt, ob ich nicht unser Haus verkaufen, eine Wohnung mieten und den Taxischein machen sollte, um die Familie durchzubringen. Aber so weit ist es ja zum Glück nicht gekommen.

Sie haben viel Geld verdient. Wozu brauchen Sie einen Taxischein?
Mit dem, was ich mache, kann man mit Sicherheit Millionär werden. Allerdings habe ich es nicht geschafft, denn ich habe viel Geld verloren durch sogenannte Freunde, die mir schlechte Geschäfte angedreht haben.

Geraten Sie deswegen noch manchmal in Panik?
Nicht mehr. Ich habe viel Vertrauen in Gott und sage mir, es wird schon wieder. Mein ganzes Leben war so. Freitags bekam ich den Job gekündigt, montags hatte ich einen neuen. Irgendwas hat immer funktioniert. Ein Gottesgeschenk.

Wenn Sie jetzt mal Bilanz ziehen – wer oder was hat Sie am meisten geprägt und dafür gesorgt, dass Sie so sind, wie Sie sind?
Ich denke, ich habe vieles meinem Großvater zu verdanken, ein ganz trockener Typ mit unheimlich viel Fantasie. Er hat mich immer wieder beeindruckt, wenn er erzählte, wie er beim Kampf um Stalingrad sein Bein verloren hatte. Viel später stellte sich dann raus, dass er mich angeflunkert hatte - er hatte das Bein nicht im Krieg verloren, sondern es war ein Raucherbein (lacht).

15 Jahre Erfolg im harten Comedy-Geschäft. Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Ich halte den Leuten einen Spiegel vor. Ich nehme keine Person aus dem Publikum oder jemanden, den man kennt, und haue drauf rum, sondern ich halte ihnen einen Spiegel vor. Und ich bin eine ehrliche Haut. So wie ich auf der Bühne bin, bin ich auch privat. Ich muss mich nicht verstellen. Wie man mich auf der Bühne sieht – das bin ich.

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