Mörderische Hitzewelle 50 Grad im Schatten – In Indien ist die Klima-Katastrophe schon Realität

Eine Frau auf der Suche nach Trinkwasser sitzt am ausgetrockneten Speicherbecken.

Eine Frau im indischen Kaschmir vor einem ausgetrockneten Wasserspeicher. So wie bei der Dürre 2016 sieht es inzwischen wieder im indischen Inland aus.

In Indien und Pakistan werden in diesen Tagen traurige Rekorde gebrochen: Eine mörderische Hitzewelle hat die Länder Südasiens in seinem Griff. Die Auswirkungen sind dramatisch.

Durch die Schrecken des Ukraine-Kriegs und die vielen Toten der Corona-Pandemie ist die Klimakatastrophe in den vergangenen Monaten etwas aus dem Fokus gerückt. Kaum jemand nahm Notiz, als im Winter sowohl in der Antarktis als auch in der Arktis ein Temperatur-Plus von 30 bis 40 Grad zu normalen Jahren herrschte.

Doch nun hängt die sengende Hitze schon seit Wochen wie eine Glocke über dem bevölkerungsreichsten Land der Erde: Früher und heftiger ist Indien von einer Hitzewelle getroffen, die 1,38 Milliarden Menschen müssen fürchten, den heißesten Sommer in der Geschichte des Landes zu erleben. Ohnehin hat es seit 2004 11 der 15 heißesten Jahre seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen dort gegeben. Das Gleiche gilt für das angrenzende Pakistan mit seinen 220 Millionen Einwohnern.

Indien: Hitzewellen kommen immer früher und heftiger

Normalerweise wird es im Spätfrühling richtig warm. Doch nun herrscht seit dem 11. März der Ausnahmezustand, es gab bereits Dutzende Tage mit extremer Hitze, in den nächsten Wochen werden Temperaturen von über 50 Grad erwartet – für den Menschen eine kaum noch lebensfähige Umgebung.

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Zumal auch die Nächte kaum Abkühlung bringen. Das Thermometer fällt auch in der Dunkelheit selten unter 25 Grad und raubt so den Menschen den Schlaf.

Indien: Ernteausfall droht wegen der sengenden Hitze

Die Behörden raten den Menschen, in ihren Häusern zu bleiben, doch viele wie die Rikscha-Fahrer oder die Landwirte müssen raus, um ihren kärglichen Lohn zu probieren. Fast die Hälfte der Bevölkerung ist im landwirtschaftlichen Bereich beschäftigt und muss sich der Hitze aussetzen.

Apropos Landwirte: Der Hitze könnten 40 bis 60 Prozent der Getreideernte zum Opfer fallen, ein weiterer Schlag für die Welternährung, die schon den Ausfall der ukrainischen Weizenproduktion durch den russischen Angriffskrieg irgendwie kompensieren muss.

Indien: Warten auf den Monsun Anfang Juni

Normalerweise dauern die Hitzeperioden in Indien bis Anfang Juni, dann setzt der Monsun ein. Doch der ausgedörrte Boden ist in vielen Teilen des Landes nicht mehr in der Lage, überhaupt noch Wasser aufzunehmen.

Der Deutsche Wetterdienst beobachtet die Entwicklung mit großer Sorge: „Traten im Zeitraum von 1981 bis 1990 lediglich 413 Tage mit Höchsttemperaturen von mindestens 40 Grad auf, waren es von 2011 bis 2020 bereits 600. Dazu kommt ein teilweise extremes Niederschlagsdefizit. All das macht Indien zu einem der Hotspots des globalen Klimawandels.“

2015 verzeichneten die Behörden 1500 Hitzetote. Auch in diesem Jahr werden wieder viele an einem Hitzschlag sterben. Laut einer im Wissenschaftsorgan „Science“ veröffentlichten Studie ist die Entwicklung kaum noch aufzuhalten.

Mehr Dürren, steigender Energieverbrauch, schlechtere Luftqualität und vor allem eine Vielzahl an Hitzetoten. Die Klimakatastrophe – in Südasien, aber auch in vielen anderen warmen Regionen, ist sie bereits bittere Realität.

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