35 Grad in der Nacht! Mörderische Hitze: China leidet, die Folgen bekommt die ganze Welt zu spüren

Chongqing: Menschen sitzen in einem flachen Wasserbecken im Flussbett des Jialing-Flusses, eines Nebenflusses des Jangtse, in der südwestchinesischen Stadt Chongqing.

Dürre in China: Menschen sitzen in einem flachen Wasserbecken an einem Nebenfluss des Jangtse am 20. August 2022.

Die ganze Nordhalbkugel leidet unter der größten Hitzewelle der Klimageschichte. Besonders hart trifft es auch China. Und das hat Folgen für die ganze Welt.

Seit Wochen ächzen in Europa Mensch, Tier und Natur unter Hitze und Trockenheit. Doch es geht noch schlimmer: China leidet unter dem heißesten Sommer der Klimageschichte. Der Strom wird knapp, Ernteausfälle drohen, aber auch die Wirtschaft wird von den Auswirkungen der Klimakatastrophe immer mehr getroffen.

Gleich in mehreren Orten werden Temperaturen von 45 Grad und mehr gemessen – die Zahl der Hitzerekorde nimmt kein Ende. Nachts kühlt es kaum ab. In der Region Chongqing bereiten bis zu 35 Grad in der Nacht den rund 30 Millionen Einwohnern schlaflose Nächte. Der Yangtse, immerhin der drittgrößte Fluss der Welt, ist nahezu ausgetrocknet – darunter leidet auch der Warentransport. Und es ist immer noch kein Ende der unglaublichen Hitzewelle in Sicht.

Chinesische Ministerien warnen vor Ernteausfällen

Schwierigkeiten dürfte es auch bei der Ernährung geben: Der Anbau der wasserintensiven Hauptnahrungsquellen Reis und Soja leidet unter der Hitze. Vier Ministerien warnten bereits vor Ernteausfällen. Normalerweise kann China 95 Prozent seines Bedarfs an Reis, Soja und Mais selbst produzieren, in diesem Jahr könnte es als Käufer auf dem Weltmarkt auftreten und die Nahrungsmittelpreise weiter nach oben treiben.

Hunderttausende haben keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser, Autofahrer werden davor gewarnt, dass ihre Reifen auf dem Asphalt schmelzen könnte. Immer wieder kommt es zu regionalen Blackouts, weil die auf Hochtouren laufenden Klimaanlagen soviel Strom fressen.

Die deutschen Firmen vor Ort sind in Sorge. „In Regionen wie Sichuan stehen wegen des klimabedingten Energiemangels die Produktionsbänder deutscher Firmen still“, Jens Hildebrandt, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer in China (AHK). Bei Temperaturen von mehr als 40 Grad seien in der Provinzhauptstadt Chengdu die Klimaanlagen abgestellt worden.

20.08.2022, China, Longquan: Gan Bingdong steht im Becken eines kommunalen Wasserreservoirs in der Nähe seines Hofs, das wegen einer undichten Mauer und der Trockenheit fast ganz ausgetrocknet ist.

Trockenheit in China: Gan Bindong zeigt am 22. August 2022 das ausgetrocknete kommunale Wasserrevoir.

„Es werden Erinnerungen an das vergangene Jahr wach, als sich die Energieknappheit bis in den November zog.“ Damals mussten deutsche Unternehmen in China auf 20 bis 30 Prozent ihres Strombedarfes verzichten, was zu breiten Produktionsstillständen geführt hatte.

China: Regierung steht unter Druck

Das droht auch in diesem Jahr wieder und die Folgen mit unterbrochenen Lieferketten dürfte die ganze Welt zu spüren bekommen. So ist in der Provinz Sichuan das Unternehmen CATL fast vollständig stillgelegt. Es stellt rund ein Drittel aller Lithium-Ionen-Batterien für Elektro-Fahrzeuge her und werden mit einiger Verzögerung den Unternehmen fehlen.

Ein ausgetrocknetes Flussbett liegt frei, nachdem der Wasserstand des Jangtse-Flusses gesunken ist.

Ein ausgetrocknetes Flussbett des Jangtse am 16. August 2022. China leidet unter extremer Hitze.

„Die chinesische Regierung steht massiv unter Druck“, sagte Hildebrandt. „Bei schwächelndem Wirtschaftswachstum und ambitionierten Klimaneutralitätszielen wird das Ausbalancieren zwischen Energiesicherheit und Dekarbonisierung zunehmend schwierig.“

Denn die Konsequenz aus der Hitze ist geradezu absurd: Weil es an Strom aus Wasserkraft fehlt, laufen in China die Kohlekraftwerke auf Hochtouren, 51 Prozent über ihrem geplanten Soll –so heizt die Regierung den Treibhauseffekt weiter an. Mit den USA ist China der größte Umweltsünder – doch die Absicht, über gemeinsame Anstrengungen zum Klimaschutz zu beraten, wurde nach dem Streit um den Taiwan-Besuch von Nancy Pelosi auf Eis gelegt. (ach/dpa)

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