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Zoff im Kölner UmlandHauswand-Sprüche machen fassungslos – jetzt schaltet sich die Justiz ein

Das Foto zeigt das Haus mit seinen bunt bemalten Fassaden.

Copyright: Andreas Engels

Die großflächig bemalte und besprühte Fassade des Hauses des Malers und Graffiti-Künstlers Claus Winkler, Künstlername: Seak.

Eine bunt bemalte Hauswand spaltet Hürth: Jetzt schaltet sich sogar die Staatsanwaltschaft ein.

In Hürth-Efferen sorgt eine Hauswand für mächtig Ärger. Ein Künstler soll dort rechte Sprüche zeigen. Anwohnende laufen Sturm, die Justiz ist eingeschaltet.

Der Grund: eine farbenfroh gestaltete Hausfassade an der Kochstraße, die für eine heftige Debatte sorgt. Der schwere Vorwurf lautet, der Besitzer präsentiere dort rassistische und rechtsextreme Inhalte. Eine Online-Petition, die ein Eingreifen der Stadt verlangt, hat schon mehr als 1200 Unterzeichner mobilisiert.

Petition verlangt juristische Prüfung

Laut den Initiatoren der Petition hat sich die Fassade seit der Bundestagswahl 2025 und im ersten Vierteljahr 2026 zu einer „in sich geschlossenen rechtsextremen Propagandafläche über zwei Hauswände und Garage“ gewandelt. Zu sehen seien Anspielungen auf die Forderung nach „Remigration“ und Namen von Personen aus der neurechten Szene.

Eine der Initiatorinnen, eine Juristin aus Efferen, stellt klar, es gehe „ausdrücklich nicht darum, Meinungen zu verbieten oder Kunst pauschal einzuschränken“. Stattdessen müsse verhindert werden, „dass rechtsextreme und rassistische Propaganda mit einschüchternder Wirkung dauerhaft und unkommentiert an diesem Hauptverkehrsweg und Schulweg stehen bleibt“. Sie selbst sei Mutter von zwei Kindern, die täglich an dem Gebäude vorbeikommen.

Bei der letzten Sitzung des Stadtrats brachte sie die Angelegenheit vor und forderte eine „nachvollziehbare Prüfung der rechtlichen Handlungsmöglichkeiten im konkreten Einzelfall“.

Brisant: Künstler ist Kulturpreisträger der Stadt

Die Angelegenheit ist besonders heikel: Bei dem Eigentümer handelt es sich um den Maler und Graffiti-Künstler Claus „Seak“ Winkler. Er wurde im Jahr 2005 mit dem Kulturpreis der Stadt Hürth geehrt. Die Initiatorin wollte daher in der Ratssitzung wissen, ob die Stadt eine „erneute inhaltliche und rechtliche Befassung“ mit dieser Auszeichnung prüfen werde.

Bürgermeister Dirk Breuer (CDU) erwiderte, die Causa berühre schwierige verfassungsrechtliche Aspekte der Meinungs- und Kunstfreiheit. Für eine strafrechtliche Beurteilung sei die Stadtverwaltung der „falsche Adressat“. Die Ehrung im Jahr 2005 habe Winklers damaliges künstlerisches Schaffen gewürdigt und sei keine Auszeichnung auf Lebenszeit. Ob das Preisgeld zurückgefordert werden könne, sei ein „komplexer Sachverhalt“.

Breuer gestand aber auch ein, die Lage sei „grenzwertig“ und verursache „große Sorgen im Umfeld“. Er nannte die Situation für die Anwohner „belastend“.

Künstler pocht auf Kunst- und Meinungsfreiheit

Lernende der Friedrich-Ebert-Realschule, die zum Netzwerk „Schule ohne Rassismus“ gehört, haben sich in einem Schreiben an den Bürgermeister gewandt. Ihr Vorschlag ist eine gemeinsame Aktion, um ein Zeichen gegen Diskriminierung zu setzen. Rückendeckung kommt vom Albert-Schweitzer-Gymnasium, dem Ernst-Mach-Gymnasium, der Gesamtschule, der Geschwister-Scholl-Grundschule, dem Verein „Wir sind Hürther“ sowie den Omas gegen Rechts.

Der Künstler Claus Winkler selbst pocht auf die Kunst- und Meinungsfreiheit. Er bezeichnet sein Haus als ein „Gesamtkunstwerk“, mit dem er der Gesellschaft „den Spiegel vorhalten“ wolle.

Inzwischen ist die Justiz am Zug. Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer bestätigte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, dass die Staatsanwaltschaft Köln infolge einer Anzeige untersucht, „ob die Voraussetzungen eines Anfangsverdachts wegen Volksverhetzung gegeben sind“. Diese Untersuchung werde allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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