Der erneute KVB-Streik zerrt an den Nerven der Kundinnen und Kunden. Bei EXPRESS.de machen immer mehr ihrem Ärger Luft.
Wen trifft der KVB-Streik?Stephanie (44): „Bei uns sind es die Kinder“

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Erneut laufen Warnstreiks auch bei der KVB (Archivfoto).
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Wieder KVB-Streik, wieder stehen die Bahnen und die meisten Busse still – immer mehr Kölnerinnen und Kölner haben die Schnauze voll.
„Die KVB streikt drei Tage, das ist richtig unverschämt gegenüber den Pendlern, Schülerinnen, Schülern und den Mitmenschen, die bewusst kein Auto fahren. Es schadet doch denen in den Chefetagen nicht, die fahren weiter ihre fetten Autos“, macht sich G. Ball bei EXPRESS.de Luft.
KVB-Streik: EXPRESS.de-Leser und -Leserinnen sprechen vielen aus der Seele
Und fordert: „Ich möchte am Donnerstag eine kranke Freundin besuchen und habe nicht das Geld, um mit dem Taxi zu fahren. Denkt euch mal eine andere Form eines Streiks aus, ihr KVB-Mitarbeiter, bei der denen geschadet wird, die Entscheidungen treffen!“
Mike ärgert sich, dass er eine Monatskarte hat und einige Tage nicht fahren kann. „Wer ersetzt mir denn bei den ewigen Streiks den Verlust?“, will er wissen. Und wenn nicht gestreikt würde, gäbe es ständig Ausfälle wegen Signalstörungen oder Reparaturen am Gleis. „Aber ständig die Preise erhöhen. Toll“, beklagt Mike frustriert und schlägt vor: „Ganz Köln müsste mal streiken und keine Monatskarten kaufen.“
Auch Stephanie (44), Mutter zweier schulpflichtiger Kinder, findet, dass der KVB-Streik die Falschen trifft. „Wen trifft der Streik eigentlich? Bei uns sind es die Kinder. Zwei Kinder, die pünktlich zur Schule müssen – zu unterschiedlichen Zeiten. Der Schulweg ist ohne Bus und Bahn nicht sicher machbar, vor allem nicht bei überfüllten Straßen und zunehmend aggressivem Verkehr“, erzählt die 44-Jährige.
Also würden sie fahren. Mehrmals täglich, mit steigenden Spritkosten und dem Risiko, beruflich auszufallen. Nicht jede Familie habe ein Netzwerk, das Fahrten zuverlässig auffange. Stephanie: „Der Druck liegt vollständig bei den Familien. Dabei finanzieren genau diese Familien das System – über Tickets und Abos. Natürlich sind bessere Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung berechtigte Ziele. Doch wenn die Auswirkungen eines Streiks vor allem diejenigen treffen, die weder Einfluss auf Verhandlungen haben noch ausweichen können, gerät etwas aus dem Gleichgewicht. Ein Streik sollte den Arbeitgeber treffen – nicht die Familien.“
Stefan E.: „Die Arbeitgeber freut es, sparen Diesel, Strom und Personalkosten“
„Warum haben die Städte kein Interesse daran, dass die Bürger sich auf den ÖPNV verlassen können und die Fahrer verbeamtet werden, bei einem angemessenen Gehalt?“, fragt Stefan E. Seine Antwort: „So sparen die Städte an jedem Tag Strom und Diesel und bekommen doch Geld dafür, und die Bürger müssen sich bei den aktuellen Spritpreisen von zwei Euro pro Liter und mehr selbst darum kümmern, wie sie zur Arbeit kommen.“
In die Richtung geht auch die Meinung von Jürgen aus Troisdorf. „Die Arbeitgeber freut es, wenn sie streiken. Sparen Diesel, Strom und Personalkosten. Nur wir Fahrgäste sind die, die das alles bezahlen müssen. Bekommen keinen Cent Erstattung. Das sollte man mal ändern. Dann ginge es mit der Einigung schneller“, schreibt er an EXPRESS.de.
Was ärgert euch in Köln? Was liegt euch auf der Seele?
Hau raus!
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Bianca F. ist richtig wütend. „Es ist eine Unverschämtheit, was Verdi und die KVB-Mitarbeiter gerade veranstalten. Das Streikrecht ist ein Privileg. Momentan wird dieses Privileg jedoch massiv missbraucht, um Forderungen durchzusetzen. Das sieht man bereits daran, dass der Streik am Dienstag noch gar nicht begonnen hatte, als auch zum Streik für Mittwoch und Donnerstag aufgerufen wurde. Das hat nichts mit Verhandeln zu tun“, meint sie.
Sieben Streiktage bereits in diesem Jahr – das macht sie richtig wütend. „Das macht bei einem Mindesturlaub von 24 Tagen 7 Tage, die hierfür vom Jahresurlaub verwendet werden müssen. Das ist fast 1/3. Wer kann sich das erlauben? Meiner Ansicht nach müsste das Streikrecht begrenzt werden. Es kann doch nicht angehen, dass jetzt jedes Jahr gestreikt wird. Wir wissen doch bereits jetzt, dass das Ganze nächstes Jahr im Februar /März wieder von vorn losgeht“, erklärt Bianca F. und fügt hinzu: „Rein theoretisch müssten ab sofort alle auf die Nutzung der KVB verzichten.“
Ein anderer Leser findet, dass beim Streik immer der kleine Mann, der arbeiten muss, zahlt. „Es gibt doch andere Möglichkeiten, sich zu einigen“, schlägt er vor.
Während der KVB-Streik viele Pendlerinnen und Pendler ausbremst, hat ein EXPRESS.de-Leser Glück. „Meine Buslinie zum Hauptbahnhof wird von einem Subunternehmer bedient und fährt daher zuverlässig weiter. Zusammen mit der S-Bahn erreiche ich meine Arbeit ohne Probleme. Wenn ich bedenke, was mich die Alternativen an Taxi-Kosten oder Urlaubstagen gekostet hätten, bin ich jedes Mal heilfroh über diesen ‚privaten‘ Puffer im Nahverkehr“, erzählt er. (iri)

