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Platz 1 vor München und BerlinKölner Veedel ist Deutschlands Hotspot

Kölns OB Torsten Burmester (SPD) ging im vergangenen Jahr auf Kneipentour im Belgischen Viertel, um für die Kommunalwahl Stimmen zu fangen.

Copyright: IMAGO/Frank Ossenbrink

Kölns OB Torsten Burmester (SPD) ging im vergangenen Jahr auf Kneipentour im Belgischen Viertel, um für die Kommunalwahl Stimmen zu fangen.

Aktualisiert:

Pilates-Studios, günstiges Pistazieneis und jede Menge Gebrauchtmode: In einer neuen Rangliste von TUI hängt das Belgische Viertel mehr als 50 Szeneviertel in ganz Deutschland ab.

Platanen, Kopfsteinpflaster, die mächtige Kirche St. Michael im Rücken: Wenn das Wetter mitspielt, sitzen junge Kölnerinnen und Kölner abends dicht an dicht auf dem Brüsseler Platz, ein Bier in der Hand. Wer hier wohnt oder ausgeht, wusste es schon immer. Jetzt ist es amtlich: Das Belgische Viertel ist das angesagteste Szeneviertel Deutschlands.

Das zeigt das Szeneviertel-Ranking 2026 des Reiseanbieters TUI. Das Belgische Viertel holt 81,4 von 100 möglichen Punkten und landet damit auf Platz eins. Dahinter folgen das Glockenbachviertel in München mit 78,6 Punkten und Berlin-Mitte mit 74,3 Punkten. TUI dazu: „Wer dachte, der Spitzenplatz gehört für immer Berlin, wird dieses Jahr eines Besseren belehrt.“

Von Pistazieneis bis Ramen: So wurde gewertet

Das Ranking geht 2026 in die zweite Runde. Verglichen wurden mehr als 50 Viertel in deutschen Großstädten, diesmal mit neuen Kriterien. Gezählt wurden Bars, Pilates-Studios (laut Urban Sports Club), Ramen- und japanische Restaurants sowie Läden für Gebrauchtmode (laut Google Maps), jeweils pro 10.000 Einwohner. Dazu kommen die Durchschnittspreise für eine Kugel Pistazieneis und einen Negroni (italienischer Cocktail) sowie die Zahl der Schlagworte zum Viertel auf TikTok im August 2026.

Blick auf den Brüsseler Platz: Der Platz im Belgischen Viertel mit der Kirche St. Michael ist Veedelsmittelpunkt und zugleich Streitpunkt zwischen Anwohnern, Gastronomen und Feiernden.

Copyright: Arton Krasniqi

Blick auf den Brüsseler Platz: Der Platz im Belgischen Viertel mit der Kirche St. Michael ist Veedelsmittelpunkt und zugleich Streitpunkt zwischen Anwohnern, Gastronomen und Feiernden.

Das Belgische Viertel überzeugt vor allem bei Fitness und Mode. Mit 8 Pilates-Studios pro 10.000 Einwohner liegt es in dieser Kategorie bundesweit vorn. Dazu kommen 14,7 Läden für Gebrauchtmode, 90,7 Bars und 28 Ramen- und japanische Restaurants, jeweils pro 10.000 Einwohner. Eine Kugel Pistazieneis kostet im Schnitt 2,25 Euro. Im Glockenbachviertel sind es 2,97 Euro, im Stuttgarter Bohnenviertel sogar 3,50 Euro. Für einen Negroni zahlt man im Schnitt 11,83 Euro, genauso viel wie in München und Berlin-Mitte.

Auf TikTok hat Berlin die Nase vorn

Einen Schwachpunkt hat der Sieger: Auf TikTok kommt das Belgische Viertel im August 2026 nur auf 1.034 Schlagworte. Berlin-Mitte hat 8.574, Spitzenreiter Berlin-Kreuzberg rund 45.000. TUI nimmt es gelassen: „Auf TikTok ist das Belgische Viertel zwar noch nicht explodiert (1.034 Hashtags im August 2026), aber wer das Viertel im Herzen Kölns einmal kennt, wird es lieben.“

Und die Nachbarn vom Rhein? Die Düsseldorfer Altstadt hat zwar mit 642 Bars pro 10.000 Einwohner die höchste Bardichte im ganzen Ranking. Am Ende reicht es aber nur für Platz sechs mit 67,1 Punkten. In Düsseldorf-Unterbilk kostet der Negroni 15,50 Euro. Deutlich günstiger geht es im Kölner Friesenviertel: Dort kostet er im Schnitt 8,50 Euro, einer der niedrigsten Preise im Vergleich. Auch die Kölner Südstadt fällt auf: Bei den Läden für Gebrauchtmode liegt sie mit 2,5 pro 10.000 Einwohner weit vorn.

Ein Veedel mit belgischen Wurzeln

Das Viertel liegt im Süden der Neustadt-Nord, zwischen Venloer Straße, Aachener Straße, Moltkestraße und Flandrischer beziehungsweise Limburger Straße. Es gehört längst zu den beliebtesten und teuersten Wohngegenden der Stadt.

Seinen Namen trägt das Belgische Viertel wegen seiner Straßen. Als Köln ab 1881 die mittelalterliche Stadtmauer abriss, entstand davor die Neustadt. 1884 beschloss die Stadt die Namen für die neuen Straßen. Sie erinnern an die Städte Antwerpen, Gent, Brüssel und Lüttich, an die Provinzen Brabant und Limburg und an die Region Flandern.

Das Herz des Veedels ist der Brüsseler Platz mit der Kirche St. Michael. Sie wurde von 1902 bis 1906 gebaut und ist nach dem Dom und St. Agnes die drittgrößte Kirche Kölns. Abends voll wird der Platz etwa seit dem Weltjugendtag 2005 und der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Seitdem gibt es aber auch Streit um den Lärm zwischen Nachtschwärmern und Anwohnern. Der Beliebtheit des Viertels hat das nicht geschadet. (mg)