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„Leute sind ausgerastet"Kölner Comedian setzt Pointe in ARD-Doku über Erdogan

Erdogan in Köln

Copyright: IMAGO/Anadolu Agency

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan begrüßt Anhänger in Köln.

Die ARD widmet dem Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, seit 23 Jahren Regent der Türkei, eine vierteilige Dokuserie („Erdogan“, Ausstrahlung 1. Folge 9.7., 22.45 Uhr im Ersten). Dabei kommt auch ein Kölner eindrucksvoll zu Wort. 

Erdogan, den islamisch-konservativen „Leader“, der das Land auf ein Präsidialsystem und damit für seine Machtausübung maßgeschneidert hat, nennt einer der beiden Filmautoren einen der „fünf mächtigsten amtierenden Politiker der Welt.“ Erdogan gilt als „Game-Changer“, ein politisches Phänomen. 

Zu Erdogans Aufstieg gehören auch dessen vielbeachtete Auftritte vor der deutschtürkischen Community in Deutschland. Die Polit-Veranstaltungen in der Kölner Lanxess-Arena lösten hierzulande stets heftige Druckwellen aus. Dazu äußert sich in der Doku auch der Kölner Comedian Fatih Cevikkollu.

Erdogan-Schlachtrufe in der Arena

Es geht um den Auftritt Erdogans im Mai 2014 in der mit Erdogan-Anhängern vollbesetzten Lanxess-Arena.

Der in Köln-Nippes aufgewachsene Cevikkollu war unter den Zuschauern. Schlachtrufe, Türkei-Fahnen, Tausende Handylichter. Was er erlebte, beschreibt der Solokünstler so: „Dann kam er raus und hat all das gesagt, was man hören will. Die Leute sind ausgerastet.“

In der Doku wird in Übersetzung Erdogans Rede gezeigt, in der er auf die Rolle der türkischen Gastarbeiter zu sprechen kommt – und deren Herabsetzung rhetorisch kunstvoll betont: „In den 1960er Jahren  unterstützten wir den Wiederaufbau Deutschlands. Mit der Arbeit und dem Schweiß unserer Bürger aus Anatolien und Thrakien. Man sagte ihnen: Du bist ein Arbeiter. Bleib immer ein Arbeiter. Man sagte: Du bist arm. Bleib immer arm. Du trägst ein Kopftuch. Du kannst nur Putzfrau oder Dienstmädchen werden.“ Die Halle bebte.

Mit Verständnis, aber kritisch und mit Pointe durchleuchtet Kabarettist Cevikkollu Erdogans Dramaturgie: „Politik wird ja mit Gefühlen gemacht. Und er kann an die Gefühle appellieren. Und es gibt ja dieses Gefühl des zu kurz gekommen seins. Und dann kommt einer und sagt: Hier - ich hab die Salbe für deine Wunde. Oh, danke - hier hast du meine Stimme.“ Natürlich sei das Kalkül.

Fatih Cevikkollu

Copyright: ARD

Fatih Cevikkollu wird in der ARD-Doku zu Erdogan befragt.

Produzent der vierteiligen Doku ist der vielfach preisgekrönte Kölner Leopold Hoesch (Broadview TV), Autoren sind die in der Türkei lebende TV-Journalistin Kristina Karasu und der Dokumentarfilmer Michael Welch.

Cevikkollu wuchs in Köln-Nippes auf

Im Rückblick auf die Produktion sagt Welch: „Ich fand erhellend, was uns Fatih Cevikkollu über seine Jugend in Köln erzählte: ‚Ich stamme aus Köln-Nippes. Da gibt es so Hinterhof-Moscheen, wie wir es nennen. Meine Mutter sagte mir immer ‚Da gehst Du nicht hin. Das hat mit Religion nichts zu tun. Das ist Politik, was da gemacht wird. Die sind gegen Demokratie.‘

Dieser O-Ton sei nicht im Film, aber erzähle viel über die Frage, der man auch im Film nachgegangen sei: „Was genau ist politischer Islam? Wann ist der Islam Religion, wann ist er politisch?“

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