Einem Medienbericht zufolge wackelt die Galeria-Filiale Hohe Straße. Das Unternehmen dementiert.
SchließungslisteZitterpartie um Kölner Galeria-Filiale – gehen hier bald die Lichter aus?

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Mittwoch 03.06.2020 Köln Outbreak Shutdown Lockdown Coronavirus Corona Virus COVID-19 SARS-CoV-2 Pandemie Die Käufhäuser von Galeria Kaufhof, Galeria Karstadt und Karstadt Sports, in der Kölner Innenstadt. Die Geschäfte von Karstadt und Kaufhof waren durch die Corona-Krise lange Zeit geschlossen. Gebäude Außenansicht Reklame Galeria Kaufhof Karstadt Kaufhaus Kaufhäuser Kaufhof Schildergasse Ecke Hohe Straße Aufgenommen am: 03.06.2020 Foto: Alexander Roll (Staff)
Beim Warenhausriesen Galeria gibt es mächtig Ärger. In den letzten Wochen haben sich immer wieder Insider in überregionalen Medien gemeldet und von Auseinandersetzungen sowie Geldsorgen im Konzern berichtet.
Nun meldet die „Wirtschaftswoche“, dass eine sogenannte „Exit-Liste“ intern die Runde machen soll. Einer der beiden Schließungskandidaten ist demnach das Galeria-Aushängeschild auf der Kölner Hohe Straße.
Enormer Sanierungsbedarf auf der Hohe Straße
Auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ erklärte Filialgeschäftsführer Wenkal Bathija, dass es weder eine solche Liste noch Schließungspläne gebe. Dies sei „absoluter Quatsch“. Von der Unternehmenskommunikation des Konzerns gab es bis zum Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu der angeblichen Liste.
Während der letzten Insolvenz vor etwa anderthalb Jahren konnten Insolvenzverwalter und Management durch Verhandlungen über niedrigere Mieten unter anderem die Kölner Filiale auf der Breite Straße kurz vor knapp retten. Für das Haus auf der Hohe Straße stand damals recht schnell fest, dass es weitergehen würde – auch wenn dort dringend Geld in die Hand genommen werden musste.
Andree Haack, der Kölner Wirtschaftsdezernent, hatte damals öffentlich gefordert, dass in das Gebäude investiert werden müsse, „denn der Immobilieneigentümer hat eine umfangreiche Sanierung immer wieder verschoben“. Er wollte Gespräche mit der Galeria-Führung forcieren.
Diese haben laut der Stadt Köln auf Anfrage auch stattgefunden. „Zu den Ergebnissen dieser Gespräche möchten wir der Kommunikation des Eigentümers nicht vorgreifen“, teilte ein Sprecher mit. Insiderkreise berichten, der Sanierungsstau sei weiterhin gewaltig.
Kundenschwund und Umsätze unter den Erwartungen
Es bleibt unklar, ob die Galeria-Führung Millionen für die Rettung des Standorts auf der Hohe Straße investieren kann oder will. Erst im Dezember sprachen die Galeria-Bosse Tilo Hellenbock und der inzwischen ausgeschiedene Christian Sailer in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ davon, dass weniger Leute in die Warenhäuser kommen.
Die Umsätze in den ersten beiden Geschäftsjahresmonaten Oktober und November seien leicht hinter dem Plan zurückgeblieben. Dennoch sei die Kette finanziell solide aufgestellt und bis 2026 „stabil durchfinanziert“.
Das Branchenmagazin „Textilwirtschaft“ meldete hingegen, die Zahlen seien so schlecht gewesen, dass erste Manager und Managerinnen sich um die Zahlungsfähigkeit und die finanzielle Zukunft des Unternehmens sorgten. Auch die Umsätze im Januar sollen laut Berichten stark gesunken sein. Eine Anfrage zum Verlauf des Weihnachtsgeschäfts in den Kölner Filialen ließ Galeria unbeantwortet.
Köln als „Negativbeispiel“ bezeichnet
Die Aussagen der beiden Galeria-Manager Hellenbock und Sailer im SZ-Gespräch über Köln sind alarmierend. In Städten, die Wert auf Erreichbarkeit, Sauberkeit und Sicherheit legen, würden die Filialen „deutlich besser“ abschneiden. Köln wurde als Negativbeispiel genannt, da die Stadtpolitik die Innenstadt vernachlässigt habe und auf der Schildergasse ein schleichender Verfall stattfinde. Das Ergebnis laut Hellenbock: zunehmender Leerstand, schnellere Ladenwechsel, abnehmende Qualität und somit eine geringere Kaufkraft.
Die Galeria-Führung plant, in den nächsten drei bis fünf Jahren über 100 Millionen Euro in die Modernisierung der Standorte zu stecken. Jedoch soll dies nur dort geschehen, wo die Rentabilität zuverlässig erhöht werden kann. Ob dies für die Hohe Straße zutrifft, ist fraglich. Spätestens bei Auslaufen des Mietvertrags und den Verhandlungen über neue Bedingungen könnte die Lage kritisch werden.
Wie zerstritten die Führungsebene sein muss, deuten zahlreiche Personalwechsel und Äußerungen an. Über 20 Führungskräfte, darunter der ehemalige CEO Olivier van den Bossche, verließen Galeria im Jahr 2025. Es wird unter anderem von Meinungsverschiedenheiten bei der Rabattstrategie gesprochen: Die hohen Preisnachlässe, mit denen Produkte teils verkauft werden, schmälern den Gewinn – und das in einer Zeit, in der die umsatzschwachen Monate am Jahresanfang bevorstehen und dringend Investitionen gebraucht werden, um wieder mehr Kundschaft anzuziehen.
Für zusätzlichen Ärger sorgte ein Bericht der „Lebensmittelzeitung“ (LZ). Das Fachmagazin schrieb, einige Anteilseigner würden auf Dividendenausschüttungen in Millionenhöhe bestehen. „Unsere Erwartung ist, dass die Anteilseigner Geld in das Unternehmen investieren, anstatt mit dem Gedanken zu spielen, Mittel zu entnehmen“, zitiert ein Schreiben des Betriebsrats. Galeria äußerte sich bis Redaktionsschluss nicht zu diesem LZ-Bericht.
Ein weiteres Zeichen für die anhaltenden Turbulenzen bei Galeria war eine knappe Pressemitteilung vom 7. Januar: Die Gesellschafter haben Finanzchef Christian Sailer abberufen. Norman Krotten, verantwortlich für das Lebensmittel- und Gastronomiegeschäft, übernimmt die Position vorübergehend. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

