Eine neue Studie zeigt: Die Jugend von heute lässt sich Zeit mit dem ersten Sex.
StudieKeine Zeit für Sex? Jugendliche haben ihr erstes Mal später
In einer Welt, in der vieles immer schneller wird, verlangsamt sich ausgerechnet das, was lange als Zeichen jugendlicher Ungeduld galt: die ersten sexuellen Erfahrungen.
Die neueste Jugendsexualitätsstudie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) belegt, dass junge Menschen heute später damit anfangen – und dabei erstaunlich selbstbewusst vorgehen.
Erstes Mal meistens in einer festen Beziehung
Galt es vor einigen Jahren noch als üblich, mit 17 das erste Mal erlebt zu haben, verschiebt sich diese Marke nun nach hinten. Die meisten sind mittlerweile 19 Jahre alt, wenn sie sexuelle Erfahrungen machen.
Auch beim ersten Kuss lassen sich Jungen und Mädchen deutlich mehr Zeit. Nur noch ein Drittel der 14-Jährigen berichtet von solchen Erlebnissen; 2019 war es in diesem Alter bereits mehr als die Hälfte.
Die Gründe dafür sind teilweise spekulativ: Vorsicht, Selbstschutz, ein größerer Wunsch nach Sicherheit und vielleicht ein anderes Verständnis von Nähe in digitalen Zeiten. Der Konsum von enthemmenden Substanzen wie Alkohol geht ebenfalls zurück. „Dazu kommt die Zäsur Corona als Katalysator dieser Entwicklungen“, erklärt Sara Scharmanski vom Bundesinstitut. Mechthild Paul, eine Abteilungsleiterin im BIÖG, fasst es positiv auf und spricht von Reife: „Junge Menschen lassen sich heute generell mehr Zeit und treffen bewusste Entscheidungen, wenn es um Sexualität geht.“ Dies sei auch ein Erfolg einer „kontinuierlichen und faktenbasierten Aufklärung“.
Zum Stichwort Reife und bewusste Entscheidung passt auch der Kontext, in dem Jugendliche ihre ersten Erfahrungen sammeln. Die meisten tun dies laut den Zahlen nämlich innerhalb einer festen Partnerschaft oder zumindest mit einer Person, die sie gut kennen.
Keine Zeit für Sex? Verändertes Freizeitverhalten spielt eine Rolle
Zufällige Begegnungen und unüberlegte Handlungen – Klischees, die sich hartnäckig halten – spiegeln sich in den Daten kaum wider. Wer noch keine Erfahrungen gesammelt hat, gibt oft an, dass einfach noch nicht die richtige Person dabei war. Ein Ergebnis, das mehr über die Lebenswirklichkeit von Jugendlichen aussagt als manche Diskussion über eine „verpasste Jugend“.
Scharmanski vermutet, dass hier eventuell ein verändertes Freizeitverhalten eine Rolle spielt, da die Terminkalender von Jugendlichen heute oft so voll sind, dass schlicht die Gelegenheit fehlt, jemanden kennenzulernen.

Copyright: Rolf Vennenbernd/dpa
Mechthild Paul, Abteilungsleiterin Sexualaufklärung sagt: „Junge Menschen lassen sich heute generell mehr Zeit und treffen bewusste Entscheidungen, wenn es um Sexualität geht.“
Beim Thema Verhütung zeigen die jungen Menschen ein erstaunlich stabiles Verantwortungsbewusstsein. Lediglich sechs Prozent gaben an, beim ersten Geschlechtsverkehr nicht verhütet zu haben. Im Jahr 1980, als die ersten Studien dieser Art erschienen, gestand laut Paul noch jeder dritte junge Mann ein, den ersten Sex ohne Schutz gehabt zu haben. Bei der aktuellen Befragung dominieren Kondome weiterhin, während die Pille beim „ersten Mal“ an Bedeutung verliert, später aber wieder eine größere Rolle einnimmt.
Mit wachsender Erfahrung greifen etwa die Hälfte der Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf hormonelle Methoden zurück. Die Spirale wird selten genutzt, doch auch hier ist in späteren jungen Jahren ein Anstieg zu verzeichnen. Scharmanski führt diesen Befund darauf zurück, dass die WHO diese Verhütungsmethode inzwischen auch für junge Frauen empfiehlt.
Aufklärung findet wieder in Familie und Schule statt
Deutlich verschoben hat sich, woher junge Menschen ihr Wissen über Sexualität bekommen. Die Schule, oft in der Kritik, rückt wieder stärker in den Fokus und kann einen Erfolg als vertrauenswürdige Adresse verbuchen. 78 Prozent der Jugendlichen geben sie als wichtige Informationsquelle an – ein klarer Anstieg. Lehrkräfte und Eltern werden wichtiger, wobei besonders die Väter aufholen. Gleichaltrige spielen eine zunehmend geringere Rolle. Das klingt unspektakulär, hat aber eine große Bedeutung: Gespräche über Sexualität finden vermehrt in formelleren und familiären Kontexten statt.
Und das Internet? Es ist zwar präsent, verliert aber ebenfalls an Stellenwert. Jugendliche suchen zwar weiterhin online nach Informationen, doch die Hierarchie des Vertrauens ist klar: Beratungsseiten werden als seriös angesehen, soziale Medien eher nicht. Inhalte von KI stufen nur knapp die Hälfte als vertrauenswürdig ein – ein Wert, der angesichts der zunehmenden Verbreitung solcher Antworten auf einem noch erstaunlich niedrigen Niveau liegt (red).
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

