Köln pflegt seine Traditionen. Bei einem Kultgericht gibt es jetzt allerdings eine massive Änderung.
Röggelchen-SkandalKultgericht in Kölner Brauhaus plötzlich ganz anders

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Frank und Uwe Wolsbeck (beide 66 und hier im Urlaub in Whistler, Kanada) waren fassungslos, als sie jetzt in ihrer Stamm-Gaststätte „Em Golde Kappes“ den Halve Hahn nicht mehr mit Röggelchen serviert bekamen.

Der Halve Hahn ist das Kultgericht überhaupt in Kölner Brauhäusern. „Eine kölsche Institution“, wie EXPRESS.de-Leserreporter Frank Wolsbeck (66) meint. Doch jetzt sei ihm und seinem gleichaltrigen Mann Uwe beim Besuch ihrer Stamm-Gaststätte „Em Golde Kappes“ die Spucke weggeblieben.
„Mein Mann ist ein Fan des Halve Hahns“, erzählt der 66-Jährige am Mittwoch (28. Oktober). Als der Köbes diesmal jedoch Uwes Bestellung brachte, habe dieser schon ganz offensichtlich auf die Reaktion seiner Gäste gewartet, so Frank Wolsbeck: „Und wir haben auch wirklich doof geguckt.“
Paar aus Köln erlebt Röggelchen-Skandal
Das Paar wohnt seit 1998 in Nippes und ist seitdem regelmäßig „Em Golde Kappes“ zu Gast. Täglich von Montag bis Freitag, immer Tisch 13. „Wir trinken dann unser Kölsch und mein Mann isst eine halbe Portion des Halven Hahns“, erklärt Frank Wolsbeck.
Doch nun der Skandal: kein Röggelchen! Stattdessen sei der Halve Hahn mit „zwiebackgroßen Brotscheiben“ serviert worden, wie Wolsbeck das beschreibt, was bei seinem Mann auf dem Teller lag.
„Das ist Etikettenschwindel, mindestens jedoch eine Geschmacklosigkeit! Wir finden es einfach skandalös und inakzeptabel, das immer noch als Halven Hahn zu bezeichnen“, so der 66-Jährige fassungslos. „Dass man ein kölsches Traditonsgericht so verunstaltet, das geht mir nicht in den Kopf!“
Der Köbes habe ihn dann erklärt, dass das Röggelchen-Aus zentral bei Früh entschieden worden wäre. Der Blick auf die Speisekarten anderer Früh-Brauhäuser in Köln zeigt: Auch dort ist das Röggelchen beim Halve Hahn durch Brauhausbrot ersetzt worden. Sein Mann habe wegen der Änderung schon die Konsequenzen gezogen. Frank Wolsbeck: „Bevor wir im Brauhaus unser Kölsch trinken, isst er jetzt eben vorher ein Schnittchen zu Hause.“
„Brötchen beim Halve Hahn nur noch 'ne Scheibe Brot“
„Das Früh-Brauhaus trägt eine Tradition zu Grabe“, schreibt auch ein anderer Leserreporter am Mittwoch (28. Oktober). Das Brötchen beim Halve Hahn sei nur noch 'ne Scheibe Brot. „Das widerspricht nicht nur dem Kölschen Duden und Wikipedia, sondern auch der eigenen Homepage des Früh“, stellt er klar. Dort wird der Halve Hahn, bestehend aus zwei Scheiben mittelaltem Gauda, einem halben Röggelchen mit Butter, saurer Gurke und Senf, beschrieben.
Der Leserreporter geht mit der Früh-Brauerei hart ins Gericht: „Da wird gespart ohne Sinn und Verstand, vielleicht gibt es demnächst nur billigeres Pils statt Kölsch. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass das Betrug am Kunden ist.“ Es würde etwas serviert, das nicht dem Rezept auf der Homepage entspreche.
Das sagt die Kölner Brauerei
EXPRESS.de bat Brauerei Früh um Stellungnahme. Daraufhin bestätigte Marketing-Managerin Sophie Longerich, dass die Umstellung alle eigengeführten Gastronomiebetriebe der Früh-Gastronomie betrifft. Neben Früh „Em Golde Kappes“, auch die Brauhäuser Früh am Dom, Früh „Em Jan von Werth“, Früh „Em Tattersall“ und Früh „Himmel op Ääd“.
„Im Zuge unserer neuen Speisekarte haben wir uns bewusst dafür entschieden, unseren Gästen künftig ein eigens für uns entwickeltes Brauhausbrot anzubieten. Gemeinsam mit der traditionsreichen Bäckerei Voosen haben wir ein Brot kreiert, das unsere Verbundenheit mit dem kölschen Handwerk widerspiegelt und unserem Anspruch an Geschmack, Qualität und sorgfältige Herstellung entspricht“, erklärte sie.
Gerade bei kölschen Klassikern wie dem Halven Hahn sei das Brot ein wichtiger Bestandteil des gesamten Genusserlebnisses. „Deshalb war es uns wichtig, hier ein Produkt anzubieten, von dessen Qualität und Geschmack wir rundum überzeugt sind“, so Sophie Longerich. „Des Weiteren entsprach der Prozess der Aufbereitung der Röggelchen aus unserer Sicht nicht mehr unserem heutigen Verständnis ökologischer Verantwortung und eines sorgsamen Umgangs mit Ressourcen, sodass wir uns auch unter diesem Gesichtspunkt zu diesem Wandel verpflichtet fühlten.“
Sie wies auf ein historisches Gemälde im Wappensaal des Stammhauses Früh am Dom hin. Sophie Longerich: „Die historische Darstellung zeigt den Halven Hahn mit einem Stück Brot. Für uns ist das ein schönes Beispiel dafür, dass sich auch die Darreichungsform kölscher Klassiker im Laufe der Zeit verändern kann.“
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