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Euphorie vor Köln-Konzert Querbeat-Sänger Jojo Berger über 2G, Greta und Björn Höcke

Jojo Berger mit Gitarre auf der Bühne

Jojo Berger ist Sänger bei Querbeat und freut sich auf das Arena-Konzert am Freitag (12.11.)

Direkt nach dem Sessionsstart wartet die Arena mit einem Konzert-Hammer auf: Querbeat! Im Gespräch mit EXPRESS.de spricht Sänger Jojo Berger vorab über 2G, Greta Thunberg und die Zukunft der Kölner Musikszene.

Köln. Endlich wieder vor großem Publikum in Köln. Für die Band und ihre Fans wird der Auftritt am Freitag, 12.11. in der Lanxess-Arena wie ein Befreiungsschlag nach der Corona-Pause angesehen (Tickets gibt es hier). Im großen Interview mit EXPRESS.de gibt Querbeat-Sänger Jojo Berger (36) einen Einblick in seine Seelenwelt.

Herr Berger, das Querbeat-Konzert in der Arena am 12.11. naht. Mit welchem Gefühl tritt man bei so einer Inzidenz vor so vielen Menschen auf?

Berger: Mich überrascht oder beunruhigt die Inzidenz nicht. Wir haben viele Ärzte im Freundeskreis, mit denen wir in intensivem Austausch sind. Wir wollen wissen, wie es an der Front aussieht. Es sind fast nur Ungeimpfte auf den Intensivstationen.

Querbeat-Sänger Jojo Berger: „Es gibt an jeder Ecke nur Argumente für die Impfung“

Alles zum Thema Corona

Was ist Ihre persönliche Meinung zu 2G?

Berger: Impfen schützt zu 98 Prozent vor dem Tod durch Corona. Diesen Satz brauchst du, um zu wissen, wie vernünftig das ist. Bei vielen ist es, denke ich, Trotz, dass sie sich nichts sagen lassen wollen. Dabei ist das Impfen und 2G der einzige Weg, um zurück zur Normalität zu kommen. Die sich nicht impfen lassen, müssen damit leben, dass sie nicht die Ersten sind, die in der Schlange stehen. Es gibt an jeder Ecke nur Argumente für eine Impfung. Ich hab auch total gefeiert, dass der FC 2G gemacht hat.

Warum?

Berger: Dann sagen die Leute: ‚Jetzt verstehe ich, warum ich das mache. Dann kann ich zum FC oder auf Konzerte gehen‘. Daher ist es so wichtig, dass der 11.11. stattfindet. Wir sehen dem 12.11. positiv entgegen und denken, dass es eine gute Zeit wird. Klar, wir werden mit dem Virus weiterleben und auch Geimpfte werden erkranken. Ich denke auch die ganze Zeit: Wann kriege es denn endlich? Aber ich habe keine Angst mehr vor dem Virus. Die hatte ich mal – vor der ersten Impfung.

Verbreiten die da oben zuviel Angst?

Berger: Da gehe ich nicht mit. Informationen sind allen zugänglich. Jeder kann sich selbst informieren.

Jojo Berger und Markus Krücken im Filos in der Südstadt

Interview in der Südstadt: Jojo Berger und EXPRESS.de-Reporter Markus Krücken im Filos

Ist das Beispiel des Fußballers Kimmich in der Musikszene des Karnevals vorstellbar? Also,  dass ein Ungeimpfter auf den Bühnen durch die Säle zieht?

Berger: Ich kenne tatsächlich nur Geimpfte. Das mit Kimmich ist eine Arbeitgeber-Geschichte: Ein Arbeitgeber darf dem Arbeitnehmer nicht vorschreiben, dass er sich zu impfen hat. Offensichtlich hört er Leuten nicht zu, die ihm einen wissenschaftlichen Rat geben oder er hat andere Quellen. Wenn er sagt, er habe Sorgen wegen der Langzeitfolgen, dann ist das einfach falsch, denn Langzeitfolgen gibt es nicht. Problematisch ist, dass er ein Mikrofon vor dem Mund hat, das erzählt und sich Leute dann bestätigt fühlen. Es ist und bleibt aber eine Verbreitung von Unwahrheiten.

Gab es bei Querbeat Corona-Fälle?

Berger: Ja, wir hatten drei Fälle. Relativ früh. Die Verläufe waren glücklicherweise harmlos. Wir haben jetzt auch die Chance uns die Boosterimpfung abzuholen. Gerade vor dem 12.11. halten wir uns auch zurück, setzen uns keinem unnötigen Risiko aus.

Wird das Konzert ein Befreiungsschlag?

Berger: Du feierst etwas was du lange nicht mehr hattest und bist überwältigt, dass es da ist. Das wird ein krasser Moment. Und super intensiv. Die Erwartungshaltung ist bombastisch, die Zuschriften, die wir kriegen. Super viele Leute haben sich in den letzten ein, zwei Wochen Tickets gekauft. Wir werden da keinen Freedom Day proklamieren, das ist nicht der Moment dafür, aber wir sind mega euphorisch.

Sie sind aus der Südstadt. Was sagen Sie zum Ordnungsamt-Theater im Veedel? Fließt so was auch ein in Ihre Musik?

Berger: Ja, in unsere Musik fließt das urbane Leben. Es ist Inspiration, deshalb leben wir in der Stadt. Aber wenn in der Stadt alle Decken die gleiche Farbe haben, ist das uninspiriert. Andere Städte haben auch ihre Probleme mit Vorschriften, aber wenn man eine inspirierende Gesellschaft haben möchte, muss die Verwaltung das mittragen und nicht verhindern, dass Individualität und Kreativität gelebt wird. Die Beispiele Eifelwall und Eierplätzchen zeigen, dass Subkultur funktioniert. Man sollte sie atmen lassen. Aber bevor sich was entwickeln kann, wird es bei uns im Keim erstickt.

Gibt es bald ein Lied zu dem Thema?

Berger: Die satirische Auseinandersetzung mit dem Ordnungsamt überlassen wir den Satire-Profis.

Hat jemand wie Sie TikTok?

Berger: Erst gab es ja StudiVZ, dann Facebook, Instagram, jetzt TikTok und Twitch. Ich vermute, dass der Trend nach TikTok der ist, bei dem ich raus bin. Ich kann nicht 24/7 meine Fresse im Selfie-Modus sehen. Wir beschränken unsere Posts eher auf Insider-Sachen. Wir hauen nichts raus, um Follower in die Höhe zu treiben, sondern wollen im Austausch mit den Fans sein.

Wen würden Sie gern als Gast gern bei einem Konzert sehen?

Berger: Greta Thunberg würden wir hofieren. Sie wäre herzlichst eingeladen.

Greta Thunberg, Klimaaktivistin aus Schweden, spricht auf einer Pressekonferenz mit weiteren jungen Aktivisten.

25. UN-Klimakonferenz in Madrid - Greta Thunberg

Warum?

Berger: Sie ist unfassbar mutig. Diese Verantwortung zu übernehmen und sich so öffentlich zu machen, Respekt. So uneitel für eine Sache einzustehen, finde ich inspirierend. Ein Horst Seehofer wird keinen 18-Jährigen mehr an die Urne kriegen. Du brauchst junge Leute, die credibil für die Sache sind. Da empfinde ich sie als super Vorbild. Ich raste immer aus, wenn Leute auf ihrem dicken Benz ‚F.. Greta‘ draufstehen haben, das ist so unterirdisch. Es ist völlig abgedreht, eine junge Frau so zu beleidigen. Denn sie ist ein Vorbild, auch für uns. Wir versuchen auch selber unsere Touren nachhaltig zu denken.

Jojo Berger: „Den Höcke würden wir rausschmeißen“

Wie?

Berger: Wir verzichten jetzt im Karneval auf Konfetti. Wenn du hinter eine Sache stehst und es dir am Herzen liegt, musst du diese kleinen Tode sterben. Es gibt noch keinen Elektro-Nightliner. Aber wir kaufen die Bäume, die wir auf Strecke verfahren. Das machen wir seit drei Jahren. Weil wir genau wissen, dass wir mit einem Riesentross ein Faktor in Sachen Klima sind.

In Thüringen bei der Bundestagswahl obenauf: Björn Höcke

Björn Höcke von der AfD

In Ihrem Veedel, der Südstadt, hat die AfD bei der Bundestagswahl die wenigsten Stimmen erhalten. Was sagen Sie dazu?

Berger: Mich hat es mit Begeisterung erfüllt, dass in unserem Wahlbezirk die AfD den geringsten Stimmenanteil hatte. Gleichzeitig habe ich auch vom Wahlergebnis in Thüringen gelesen, wo Höcke als Faschist die Figur des Wahlkampfs war. Ich glaube nicht, das alle, die die AfD wählen, Rechte sind. Es sind auch viele, die diese Partei aus Protest wählen und uninformiert sind. Aber in Thüringen hattest du diese fake-gemäßigten Meuthens nicht. Sondern du hast eine ganz klare Nazi-Spitze da. Und das hat mich dann an dem Ergebnis erschrocken. Das wurde mir auch zu wenig nach der Wahl diskutiert.

Greta würden Sie auf einem Konzert hofieren, und Höcke?

Berger: Rausschmeißen. Auch zu dessen eigenem Schutz.

Wie finden Sie Rezo, einen Youtuber, der politisch aufklärt?

Berger: Ich finde es super, dass sie medial demokratisch abgebildet ist und dass über Politik nicht nur im Feuilleton geredet wird, sondern breiter. In super vielen Ländern ist viel mehr Politik an der Tagesordnung. Es ist wichtig, dass sich Youtuber und Influencer mit Politik  beschäftigen und nicht nur mit Mode.

Querbeat freut sich auf das Konzert in der Arena.

Die Kölner Band Querbeat hat mit „Radikal positiv“ gerade ihr viertes Studioalbum rausgebracht.

Wie sehen Sie die Zukunft der Musikszene in Köln?

Berger: Ich freue mich über jede junge Band. Wir haben auch als Schülerband angefangen. Was schade ist, auf einem Straßenfest etwa, wenn ein Organisator sagt: Mit fünf etablierten Bands bin ich safe aufgestellt. Da schauen viele nicht über den Tellerrand, was an jungen Bands nachkommt. Es gibt so viele talentierte Künstler in dieser Millionenstadt, aber man kennt eigentlich nur die 20 etablierten.

Gibt es bei Querbeat auch demnächst Personalwechsel?

Berger: Bei uns geht es normal weiter, wir sind eine verschworene Gemeinschaft, und Corona hat uns noch näher zusammengebracht. Wir wussten von Anfang an, dass es immer Ups und Downs gibt.

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