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Population explodiertKöln sagt Wildgänsen den Kampf an – mit harten Mitteln

Zwei Nilgänse mit Nachwuchs gehen über eine Rasenfläche.

Copyright: Alexander Schwaiger

Die Population der Nilgänse (hier am Aachener Weiher mit Nachwuchs) soll reduziert werden.

Aktualisiert:

Die Population der Nilgänse explodiert in Köln förmlich, während die der Kanadagänse stagniert.

Die Sonne kommt raus, der Frühling ist in Köln da! Doch mit den warmen Tagen kommen auch sie zurück: Scharen von Nil- und Kanadagänsen bevölkern die Gewässer. Die Vögel waren zwar den ganzen Winter hier, aber erst jetzt rotten sie sich wieder in großen Gruppen zusammen. Das Ergebnis: lautes Gekreische und überall Gänsekot.

Vielen Kölnern und Kölnerinnen reicht's! Die Stadtverwaltung will die Plage eindämmen und greift dafür zu harten Bandagen.

Slalomlauf um die Gänse-Haufen

An bestimmten Orten ist es besonders schlimm. Die Verwaltung nennt sie „Hotspots“. Dazu zählen der Rheinpark, der Decksteiner Weiher und der Volksgartenweiher, aber auch viele andere beliebte Grünflächen. Wer dort im Sommer unterwegs ist, muss ständig auf den Boden schauen. Ein Spaziergang wird zum Slalomlauf, um nicht in die unzähligen Kothaufen der Vögel zu treten.

Um der unkontrollierten Ausbreitung der aus Afrika und Nordamerika eingeschleppten Gänse Herr zu werden, hat die Stadt Jäger beauftragt, die Tiere zu schießen. Das darf aber nur in Jagdrevieren am Stadtrand geschehen. Eine spezielle Erlaubnis ist während der Jagdsaison vom 16. Juli bis zum 31. Januar nicht nötig.

Eine Sprecherin der Stadt erklärt auf Anfrage: „Gejagt wird insbesondere auch, um Wildschäden an den landwirtschaftlichen Flächen zu verhindern“. Außerhalb dieses Zeitraums ist die Jagd tabu – Tierschutz geht vor. „Wer ein Elterntier in der Schonzeit schießt, macht sich strafbar“, betont die Sprecherin.

Doch die Jagd in den Außenbezirken hat eine verrückte und unerwartete Folge. Mitarbeitende der Unteren Jagd- und Fischereibehörde machten eine verblüffende Entdeckung: Sobald am Stadtrand geschossen wird, steigt die Zahl der Gänse in der Innenstadt an. Die Sprecherin der Stadt bestätigt diesen paradoxen Zustand: „Durch die notwendige Bejagung an den Stadträndern erhöht sich also die Population im innerstädtischen Bereich.“

In der City selbst sind den Jägern aber die Hände gebunden. Dieser Bereich gilt als „befriedeter Bezirk“, hier herrscht ein generelles Jagdverbot. Zwar gibt es Ausnahmen, zum Beispiel auf Friedhöfen zur Wahrung der Totenruhe oder bei Wildschweinen nahe der Klinik Merheim. Aber nicht für die Gänse. Die klare Ansage der Sprecherin lautet: „Dass Tiere koten und schnattern, stellt keinen Grund für eine Ausnahmegenehmigung zur Bejagung im befriedeten Bezirk dar“.

Auf einer Wiese tummeln sich viele Wildgänse

Copyright: Tim Attenberger

Im Kölner Rheinpark leben besonders viele Wildgänse

Also muss in der Innenstadt eine andere Taktik her. Mitarbeiter des Grünflächenamts rücken aus und sammeln die Gänseeier ein. Sie lassen immer ein Ei im Nest zurück, um den Bruterfolg nur zu drosseln, statt ihn komplett zu stoppen. Diese Methode funktioniert aber nur bei den Kanadagänsen, da diese ihre Nester am Boden bauen. Deren Bestand in Köln wird als gleichbleibend bewertet. Die Zählungen an den Hotspots ergaben 129 Tiere für 2023, 114 für 2024 und 125 für das Jahr 2025. Eine Erhebung für das gesamte Stadtgebiet fehlt.

Bei den Nilgänsen ist der Eier-Klau aber fast unmöglich. Anders als ihre kanadischen Verwandten nisten sie hoch oben in den Bäumen. Ihre Population ist regelrecht explodiert: von 33 Tieren (2023) über 77 (2024) auf schon 115 im Jahr 2025. Darum will die Stadt nun ein Pilotprojekt starten. „In diesem Jahr wollen wir als Pilotprojekt Brutkästen für die Nilgänse aufstellen, damit man auf diese Weise auch deren Gelege entnehmen kann“, kündigt die Sprecherin an.

Was haltet ihr von den Maßnahmen?

Hau raus!

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Aber ist der ganze Kot überhaupt gefährlich? Hier gehen die Meinungen auseinander. Die Stadt Köln sieht die Hinterlassenschaften als nervig, aber harmlos an. Wenn jedoch zu viel davon in die Weiher gelangt, könnte ein Gewässer im schlimmsten Fall „umkippen“ – besonders bei Hitze und Futterresten im Wasser.

Ganz anders sieht das die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft. Sie warnt: „Wildganskot enthält in großer Zahl Erreger, die krank machen können. So ergibt sich bei hoher Kotbelastung eine Gesundheitsgefährdung.“ Der Kot sei also mehr als nur ein optisches Ärgernis und stelle eine potenzielle Gefahr für Menschen dar. Das Risiko sei zwar gering, sollte aber nicht auf die leichte Schulter genommen werden. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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