Heftige Vorwürfe Körperverletzung mit Todesfolge? Mehrere Kölner Polizisten vom Dienst suspendiert 

Zwei Streifenwagen auf dem Weg zu einem Einsatz

Mehrere Kölner Polizisten sind vom Dienst entbunden worden. Das hat die Kölner Staatsanwaltschaft am Montag (22. November 2021) mitgeteilt. Es geht um den Verdacht der Körperverletzung im Amt. Das undatierte Symbolfoto zeigt Streifenwagen auf dem Weg zu einem Einsatz.

Gegen mehrere Kölner Polizeibeamte sind schwere Vorwürfe erhoben worden. Unter anderem geht es um einen Polizeieinsatz in Bickendorf im April 2021. 

Köln. Gegen mehrere Polizeibeamte des Polizeipräsidiums Köln wird wegen Verdachts der Körperverletzung im Amt ermittelt. Das hat unter anderem die Kölner Staatsanwaltschaft am Montagmittag (22. November 2021) bekannt gegeben.

Die Beamten im Alter von 24 bis 40 Jahren sind demnach verdächtig, im April 2021 in Köln-Bickendorf im Rahmen eines Polizeieinsatzes wegen einer Verkehrsunfallflucht gegen einen 59-Jährigen italienischen Staatsangehörigen übermäßig Gewalt angewendet und diesen verletzt zu haben. 

Staatsanwaltschaft Köln: Ermittlungen nach Tod eines 59-Jährigen

Der Mann war mit einem Rettungstransportwagen in ein Krankenhaus gebracht worden, das er nach ambulanter Behandlung noch am selben Tage verlassen hatte. Im Juni 2021 jedoch verstarb der 59-Jährige nach zweiwöchigem stationärem Aufenthalt in einem Krankenhaus.

„Ob sein Tod in einem ursächlichen Zusammenhang zu dem Geschehen im April 2021 steht, ist Gegenstand des bei der Staatsanwaltschaft Köln von Amts wegen geführten Ermittlungsverfahrens“, so Ulrich Bremer, Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Köln: Später Verstorbener hatte sich wohl in Polizeieinsatz eingemischt

Laut Bremer war der später Verstorbene nicht Beschuldigter in dem Verfahren wegen des unerlaubten Entfernens vom Unfallort, sondern ein Angehöriger. Dieser hatte sich offenbar in den polizeilichen Einsatz eingemischt. „Was sich dann konkret abgespielt hat, ist Gegenstand der noch andauernden Ermittlungen“, so der Sprecher. Noch nicht abschließend geklärt sei, ob der später Verstorbenen Widerstand gegen am Einsatz beteiligter Polizeibeamte geleistet hat.

Nach dem Tod des 59-Jährige hatten Angehörige daraufhin gewiesen, dass es möglicherweise einen Zusammenhang  mit dem Polizeieinsatz geben könne. Daraufhin leitete die Polizei ein Todesermittlungsverfahren ein und ließ den Leichnam obduzieren. Aus Neutralitätsgründen ist die Polizei Bonn mit den weiteren Ermittlungen betraut.

Kölner Polizei: Verabredeten sich Beamte zur Gewaltanwendung?

Einige der Polizeibeamten stehen überdies im Verdacht, sich mit weiteren Polizeibeamten in einzelnen privaten Messenger-Dienst-Nachrichten unter anderem über dienstliche Vorgänge ausgetauscht zu haben, die strafrechtlich relevant sein könnten. Dabei geht es unter anderem um das mögliche Verabreden zur Anwendung von Gewalt.

So sollen Beamte sich zum Beispiel zu gemeinsamen Diensten verabredet haben, um eventuellen Widerstandshandlungen potentieller Beschuldigter mit übermäßiger Gewalt zu begegnen. Bremer: „Ob es auch tatsächlich zur Umsetzung solcher Vorhaben gekommen ist, ist Gegenstand der Ermittlungen. “

Die Mobiltelefone der Betreffenden waren ausgewertet und die Chats der Staatsanwaltschaft übergeben worden. Diese prüft, ob der Inhalt der Nachrichten Anlass für weitere strafrechtliche Ermittlungen gibt.

Kölner Polizeibeamte vorläufig des Dienstes enthoben

Das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei NRW (LAFP NRW) hat die bereits durch das Polizeipräsidium Köln eingeleiteten Disziplinarverfahren aufgrund der Schwere der Vorwürfe übernommen. Die Disziplinarverfahren sind derzeit – mit Blick auf die noch andauernden strafrechtlichen Ermittlungen – ausgesetzt. 

Das LAFP NRW, das als polizeiliche Landesoberbehörde unter anderem die Aufsicht über die Polizeibehörden des Landes in Disziplinarangelegenheiten führt, hat in Zusammenarbeit mit dem Kölner Polizeipräsidium die betroffenen Beamten vorläufig des Dienstes enthoben.

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