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„Muss unbezahlten Urlaub nehmen“Nachricht von Kölner Kita lässt Vater verzweifeln

Kleidung von Kindern hängt in einer Kita.

Copyright: Patrick Pleul/dpa

In der Kölner Kita Dünnwald (Symbolfoto) können die Pänz erstmal nicht mehr täglich betreut werden. 

Aktualisiert

Eine Extrem-Situation in der Kita bringt einen Kölner Vater an den Rand der Verzweiflung.

Familienvater Franz G. (51) ist verzweifelt. Sein jüngster Sohn (3) geht gerne in die Kita Dünnwald – doch von dort kam jetzt eine Hiobsbotschaft. Aufgrund der aktuellen Personalsituation würde ab sofort eine vorläufige Notgruppenregelung eintreten.

„Durch dieses Konzept darf mein Sohn nur zweimal die Woche in die Kita. An den restlichen Tagen soll ich die Betreuung zu Hause übernehmen“, erklärt Franz G. fassungslos. Die Info der Kita, dass die Regelung ab Montag (2. März) gelte, habe er erst am frühen Sonntagabend erhalten. 

Personalausfall in Kölner Kita: Vater muss unbezahlten Urlaub nehmen

Franz G. arbeitet Vollzeit als Luftsicherheitskontrollkraft am Flughafen Köln/Bonn. Die Situation stellt ihn vor ein riesiges Problem, zeitlich und finanziell.

„Da ich immer Mitte/Ende Dezember meine Urlaubsplanung für das kommende Jahr abgeben muss, sind meine Urlaubstage bereits verplant. Ich muss daher unbezahlten Urlaub nehmen“, sagt der Kölner, der noch andere, schulpflichtige Kinder hat.

Er ist in Kontakt mit weiteren betroffenen Eltern, denen es ähnlich ergeht. Franz G.: „Wenn es mal ein Tag war, okay, das kann man verkraften. Aber wenn ich jetzt länger zu Hause bleiben muss...“ Er habe sich von seinem Arbeitergeber ausrechnen lassen, dass er in diesem Monat auf einen Verdienstausfall von rund 1830 Euro käme.

„Ich würde die Tage freibekommen. Im Notfall wäre das dann einen Monat lang möglich, aber nicht auf Dauer“, erklärt er. „Und wer zahlt meine Miete, meinen Einkauf, wenn ich in der Zeit nichts verdiene?“

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Schon jetzt müsse er, obwohl sein Kind aufgrund der rotierenden Notgruppen (am Montag wird Gruppe A betreut, am Dienstag B, am Mittwoch C und dann wieder von vorne) nur an zwei Tagen in die Kita gehen kann, den Essensbetrag von 77 Euro/Monat voll weiterzahlen.

„Wir bekommen nichts erstattet“, beklagt er. Auch sei es nicht möglich, dass Kinder von berufstätigen Eltern bei der Betreuung bevorzugt werden. Franz G.: „Ich habe mit dem LVR, der zuständigen Aufsichtsbehörde, telefoniert. Demnach würde es keine Rolle spielen, ob Eltern berufstätig sind oder nicht, jedes Kind solle die gleiche Kindergartenbetreuung bekommen.“  

Laut Kita-Träger „keine dauerhafte Maßnahme“

EXPRESS.de bat den Kita-Träger, den Aak (Arbeitskreis für das ausländische Kind), um Stellungnahme. „Aufgrund einer Langzeiterkrankung von Fachpersonal können derzeit nicht alle Gruppen regulär betreut werden. Um eine vollständige Schließung einzelner Gruppen zu vermeiden und die Aufsichtspflicht sowie die gesetzlich vorgeschriebene Fachkraft-Kind-Relation einzuhalten, wurde kurzfristig ein rotierendes Notgruppenkonzept eingeführt“, erklärt Sprecherin Roxanne Sonntag, Fachreferentin Pädagogik. Dabei könnten Kinder aktuell nur noch an bestimmten Tagen pro Woche betreut werden.

„Wir möchten betonen, dass dies keine dauerhafte Maßnahme ist. Das Notgruppenkonzept kommt ausschließlich in Ausnahmefällen zum Einsatz, also bei zusätzlichen Krankheitsfällen vom bestehenden Personal und ist keine Dauerlösung. Unser Ziel ist es, so bald wie möglich wieder in den regulären Betrieb mit einem Personalpuffer zurückzukehren“, so Sonntag weiter. Man bemühe sich, die vakante Stelle so schnell wie möglich wieder zu besetzen. 

Bezüglich der finanziellen Regelung des Mittagessens erklärt sie, dass dieses über einen separaten Vertrag bereitgestellt und pauschal kalkuliert würde. „Eine tageweise Reduzierung des Essensbeitrags ist vertraglich nicht vorgesehen, da die Großküche Personal, Einkauf und Produktion auf die vertraglich vereinbarte Teilnehmerzahlen plant“, erklärt die AaK-Sprecherin. 

Familienvater Franz G. muss jetzt selbst gucken, wie er klarkommt. Er hofft, dass sich die Situation in der Kita schnell bessert. „Wir fragen uns schon seit längerem, warum immer wieder Personal weggeht“, gibt er zu bedenken. „Das wechselt dort dauernd. Warum und weshalb, kann uns keiner sagen.“ 

Der öffentliche Nahverkehr ist bereits im Januar in großen Teilen Nordrhein-Westfalens durch einen Warnstreik zum Erliegen gekommen, auch in Köln.

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