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Interview

Musical-Hit geht auf TourRosenstolz-Duo will auch Köln verzaubern

Beim 37. „Kölner Sommerfestival“ wird das Erfolgsmusical „Romeo & Julia – Liebe ist alles“ in der Kölner Philharmonie zu erleben sein. EXPRESS.de sprach mit den Machern Peter Plate und Ulf Leo Sommer.

Was diese beiden Männer anpacken, wird zum Hit. Peter Plate (58) und Ulf Leo Sommer (55) waren über 20 Jahre ein Paar. Doch auch nach ihrer Scheidung arbeiten sie bis heute beruflich äußerst erfolgreich zusammen.

Plate wurde als Teil des Duos Rosenstolz berühmt. Sommer war als Produzent und Komponist der Hits im Hintergrund tätig. Gemeinsam sind sie auch verantwortlich für Mega-Erfolge von den No Angels („Daylight in Your Eyes“), 2raumwohnung („36 Grad“), Sarah Connor („Wie schön du bist“) oder Helene Fischer („Unser Tag“). Das Duo lieferte zudem die Soundtracks zu den „Bibi & Tina“-Filmen.

„Romeo & Julia – Liebe ist alles“: Ab dem 12. August in der Philharmonie

2014 wagten beide den Schritt auf die Bühne. In Kiel wurde das Theaterstück „Romeo und Julia“ von William Shakespeare uraufgeführt. Doch dieses Musical erhielt noch einmal eine Komplettüberholung, ehe 2023 „Romeo & Julia – Liebe ist alles“ im Theater des Westens in Berlin präsentiert wurde.

Seitdem hat Deutschland einen neuen Bühnen-Hit. Nie war Julia so wild. Nie war Romeo so sexy. Nie war Mercutio so verliebt. Schon über 500.000 Besucherinnen und Besucher ließen sich von der Neufassung der Tragödie fesseln. Die Geschichte zweier junger Liebender, die verfeindeten Familien angehören und am Ende beide zu Tode kommen, wirkt aktueller denn je.

Peter Plate und Ulf Leo Sommer haben die Geschichte über Liebe, Leidenschaft und Sehnsucht mit ganz modernem Anstrich auf die Bühne gebracht. Gesprochen wird Shakespeare in der Schlegel-Übersetzung. Eingebettet wird die Geschichte in Rosenstolz-Songs und frische Musik, die ganz stark nach Rosenstolz klingt.

Peter Plate und Ulf Leo Sommer sprechen bei einer Talkrunde.

Copyright: Alexander Schwaiger

Peter Plate (r.) und Ulf Leo Sommer sind die kreativen Köpfe hinter „Romeo & Julia – Liebe ist alles“. Das Duo hat den Musical-Hit geschrieben.

Vom 12. August 2026 bis 7. Februar 2027 geht die preisgekrönte Musical-Produktion erstmals auf große Tournee. Der Auftakt wird beim „37. Kölner Sommerfestival in der Philharmonie“ vom 12. bis 23. August 2026 gefeiert. Anschließend wird das Stück vom 26. August bis 25. Oktober im Capitol Theater in Düsseldorf zu erleben sein.

EXPRESS.de hat das Kreativ-Duo hinter der fesselnden Inszenierung in Berlin getroffen.

2014 klang das Stück in Kiel noch ganz anders. Woher kam der Sinneswandel?

Ulf Leo Sommer: Wir waren so ein wenig wie die arroganten Popstars und dachten, solch ein Musical macht man mal mit links. Wir haben damals 16 Lieder geschrieben. Zwei davon – „Die Liebe kennt mich nicht“ und „Dann fall ich“ – sind heute noch im Stück.

Peter Plate: Wir haben 2018 einen Workshop gemacht und eine neue Probefassung erstellt. Auch davon blieb kaum etwas übrig. Letztlich haben wir das Stück dreimal geschrieben. Eine liebe Kollegin hat uns beispielsweise dabei geholfen, die Shakespeare-Sprache umgänglicher zu machen. Doch leider empfanden wir es als fürchterlich. Kurz vor der Premiere haben wir das gekippt und die Schlegel-Fassung genommen. Die Sprache ist so schön und fühlt sich richtig an. Sie hat mich nicht losgelassen.

Szene aus dem Musical „Romeo & Julia – Liebe ist alles“.

Copyright: Sunstroem

„Romeo & Julia – Liebe ist alles“ ist eine Geschichte über Liebe, Leidenschaft und Sehnsucht.

Wie beschreibt Ihr das Stück?

Peter Plate: Ich finde, es ist keine Liebesgeschichte. Es geht doch im Grunde um Sex und um die Sinnlosigkeit der ganzen Streitereien.

Ulf Leo Sommer: Ich habe auch schon zweimal gedacht, dass ich mich aus Liebeskummer umbringen will. Das möchte ich nicht noch einmal erleben. Die Behauptung, dass nur die tragische Liebe die echte ist, ist auch totaler Quatsch. Liebe darf auch schön sein.

Peter Plate: Man muss auch mal mit einer Ablehnung und Zurückweisung klarkommen. Das gehört zum Menschsein dazu und ist eine gute Erfahrung. Einer meiner engsten Freunde ist immer noch mit seiner ersten Freundin zusammen und die sind echt glücklich. Wir waren mal zusammen. Dass wir uns getrennt haben, war für uns beide ein totales Geschenk. Durch dieses Musical habe ich echt Blut geleckt. Das macht schon Spaß, so etwas zu entwickeln.

Anfang und Ende des Musicals sind besonders beeindruckend.

Peter Plate: Ulfs Idee, die Geschichte von hinten zu starten, war genial. Jeder weiß schließlich, dass beide sterben. Das Ende mit „Der Krieg ist aus“ ist während der Inszenierung entstanden.

Ulf Leo Sommer: Wir haben geprobt, als der Ukraine-Krieg anfing. „Romeo und Julia“ handelt auch davon, wie sinnlos Krieg ist. Leider ist das Thema immer noch so aktuell. Die meiste Gänsehaut bekomme ich dann immer, wenn am Ende alle in ihren Privatklamotten auf der Bühne stehen. Wenn man dann diese jungen Menschen sieht, die das Stück tragen, rührt mich das wahnsinnig.

Mercutio wird als Homosexueller dargestellt. Ein bewusstes Signal?

Peter Plate: Das war uns schon wichtig. In den aktuellen Zeiten ist es doppelt wichtig. Es gibt so viele Andeutungen bei Shakespeare in diese Richtung, das kann man schon herauslesen.

Szene aus dem Musical „Romeo & Julia – Liebe ist alles“.

Copyright: Sunstroem

Das Musical „Romeo & Julia – Liebe ist alles“ bietet auch einen Countertenor als Todesengel.

Warum wurde ein Countertenor als Todesengel eingebaut?

Peter Plate: 1982, da war ich 15, habe ich Klaus Nomi bei „Na sowas“ gesehen und war hin und weg. Ich fand das so toll. Dann traf ich auf Ulf, der ihn auch toll fand. Anna liebte ihn auch. Deshalb haben wir als Rosenstolz den Song „Klaus-Trophobie“ gemacht. Der Todesengel hat sich von selbst reingeschrieben, ein Countertenor musste sein.

Publikumsliebling ist die Amme. Wie kam Steffi Irmen zu dieser starken Rolle?

Peter Plate: Steffi war beim Casting morgens die Erste. Das war sofort Liebe. Nach 30 Sekunden wussten wir, dass sie die Richtige ist. Sie hat die Rolle so toll mitentwickelt.

Ulf Leo Sommer: Sie ist eigentlich der Clown im Stück. Wir haben aber auch gemerkt, dass bei Shakespeare viel zu wenig Frauenrollen enthalten sind. Lady Capulet ist einfach nur blöd, böse und frustriert – ein sehr eindimensionaler Charakter. Die Amme ist hingegen eine Identifikationsfläche für die Mütter im Publikum. Die Leute sind bei ihr bei der Premiere ausgerastet und die Figur ist zum Kult geworden. Deshalb hat die Amme auch ein eigenes Musical bekommen.

Szene aus dem Musical „Romeo & Julia – Liebe ist alles“.

Copyright: Sunstroem

Steffi Irmen ist in ihrer Rolle als Amme absoluter Publikumsliebling beim Musical „Romeo & Julia – Liebe ist alles“.

Ist das Casting die unangenehmste Aufgabe gewesen?

Peter Plate: Casting ist für mich immer ein Albtraum. In meiner Kindheit war ich immer der, der bei der Wahl der Völkerballmannschaften sehr lange auf der Bank saß, bis mein Name fiel. Und dann geben wir diesen jungen Menschen nur fünf Minuten, um uns zu zeigen, was sie können. Sicherlich machen wir da auch Fehler.

Von Berlin geht das Stück nun auf Tour. Was ändert sich dann?

Ulf Leo Sommer: Vor dem Start in Köln bin ich jetzt schon sehr nervös. Ich liebe Köln, die Stadt, die Menschen. Hoffentlich lieben sie auch das Stück.

Peter Plate: Die Herausforderung, solch ein Bühnenbild auf Tour zu bringen, ist groß. Bei Rosenstolz konnten wir auch nicht in jeder Halle die ganze Bühne aufbauen. Trotzdem waren die Konzerte in kleineren Locations manchmal besser. Wir müssen derzeit selbst die Größe der Fahrstühle berechnen.

Ulf Leo Sommer: Ohne Drehbühne funktioniert das Stück nicht, da würde mir das Herz bluten. Unser Choreograf hat zwar gesagt, dass er es auch ohne hinbekommt, aber jetzt haben wir es geschafft, dass die Bühne in jeder Spielstätte dabei sein kann.

Szene aus dem Musical „Romeo & Julia – Liebe ist alles“.

Copyright: Sunstroem

Das Musical „Romeo & Julia – Liebe ist alles“ bietet tolle Kostüme, ein intelligentes Bühnenbild und viel Musik für Rosenstolz-Fans.

Im Zentrum steht der Rosenstolz-Hit „Liebe ist alles“. War das bewusstes Kalkül, um die Fans der Band anzulocken?

Ulf Leo Sommer: Wir haben im Kreativprozess immer gesagt, dass wir noch ein Lied wie „Liebe ist alles“ schreiben müssen. Wir wussten, dass es schwer wird, und haben uns immer gesträubt. Aber am Ende gab es keinen besseren Titel.

Ihr hättet auch noch mehr Songs der Band nehmen können.

Peter Plate: Natürlich hilft es, wenn sich die Rosenstolz-Fans angezogen fühlen. Aber für uns wäre es langweilig, ein Jukebox-Musical zu machen.

Ulf Leo Sommer: Im kreativen Prozess ist es auch viel schöner, neue Lieder zum Leben zu erwecken.

Popstars, Hitschreiber, Musical-Autoren – die Karriere klingt beängstigend gut.

Peter Plate: Ich komme aus Goslar, war bei den Harzer Heimatsängern. Eigentlich kann ich nicht richtig singen, und kann mein Instrument nicht besonders gut spielen. Es ist wie ein Wunder. Aber von allen drei Karrieren ist es jetzt eindeutig die schönste. Ich vermisse die Bühne keine Sekunde. Man musste mich immer eher zum Jagen tragen. Wenn ich oben war, hat es mir Spaß gemacht. Für andere Songs zu schreiben, war auch ganz toll. Aber es ist schöner, jetzt frei zu sein.

Die Sängerin AnNa R. und der Sänger Peter Plate der Berliner Band Rosenstolz stehen auf der Bühne.

Copyright: dpa

Mit der Sängerin AnNa R. war Peter Plate als Berliner Band Rosenstolz sehr erfolgreich.

Ulf Leo Sommer: Wir sollten vier Monate an diesem tollen Theater unser Musical „Ku‘damm 56“ spielen, so war ursprünglich der Plan. Dann wurde es verlängert, plötzlich ging es immer weiter. Da steckte kein Plan hinter. Am Anfang sind wir alles mit einer wunderbaren Naivität angegangen. Den Funken hast du nur einmal. Das Nachfolgewerk „Ku‘damm 59“ war etwa gut, aber nicht sehr gut. Das ist wie bei Alben von Künstlern.

Seit März läuft auch mit „Wir sind am Leben“ ein neues Stück über das Lebensgefühl im Berlin der frühen 90er-Jahre.

Peter Plate: Wir haben unseren ganzen Musikverlag verkauft, um das Budget für das Musical zu haben. Darin geht es um düstere Themen wie HIV und Aids. Dafür hätte man nie Investoren gefunden.

Ihr brennt regelrecht für die Musicals.

Ulf Leo Sommer: Ich verstehe nicht, warum bei Musical-Darstellerinnen und -Darstellern so oft die Nase gerümpft wird. Die sind so gut. Sie müssen bei uns den Shakespeare-Text sprechen können, tanzen und singen. Und das achtmal die Woche. Das ist Hochleistung, die oft nicht genug gewürdigt wird.

Gedenkstätte vor dem Theater des Westens.

Copyright: Marcel Schwamborn

Vor dem Theater des Westens in Berlin trauern immer noch Fans um Rosenstolz-Sängerin AnNa R.

Vor dem Theater des Westens ist eine Gedenkstätte für AnNa R. Wie lange soll sie bleiben?

Peter Plate: Das bleibt da hängen und ist ein toller Ort. Immer wieder kommen neue Blumen und Kerzen dazu.

Ulf Leo Sommer: So lange wir etwas in diesem Haus zu sagen haben, bleibt das so. Ohne sie wären wir auch nicht in diesem Haus.

Auf der Aachener Straße in Köln soll das Brauhaus „Marie & Johann“ entstehen: Basti Campmann (v.l.n.r.), Flo Peil, Kim Gerstenberg, Till Riekenbrauk, Ena Schwiers, Nils Plum, Sebi Wagner.

„Marie und Johann“

Eröffnung von Kasalla-Brauhaus verschoben – „Waren sehr optimistisch“