Die Bahnen standen still – doch sie hätten problemlos fahren können! Das sagt ausgerechnet die Gewerkschaft Verdi und teilt heftig gegen die KVB aus.
Verdi mit schweren VorwürfenMusste KVB-Stillstand wirklich sein? „Unerträglich, einfach nicht zu fahren“

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Aufgrund des Warnstreiks im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV-Warnstreik) fahren ganztägig weder Busse noch Stadtbahnen der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB).
Traurige Blicke auf verwaiste Schienen – erneut mussten die Menschen in Köln erneut auf ihre Bahnen verzichten. Aber war die totale Lahmlegung des Stadtbahnverkehrs am Mittwoch (18. März) wirklich unausweichlich?
Während die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) dies bejahen, kontert die Gewerkschaft Verdi nun mit voller Wucht und löst damit eine heftige Kontroverse aus.
Verdi-Boss Munkler findet klare Worte: „Unerträglich, einfach nicht zu fahren“
Die Auseinandersetzung um den Tarif im öffentlichen Nahverkehr von NRW eskaliert. Vor allem in der Domstadt kracht es ordentlich. Der Stadtbahnbetrieb wurde von der KVB vollständig gestoppt, da die Werkstätten im Ausstand waren.
Die offizielle Erklärung aus Köln: Ohne Notbesetzung in den Werkstätten sei das Bergen havarierter Bahnen unmöglich. Eine Darstellung, die Verdi entschieden zurückweist.
„Das entspricht nicht der Wahrheit“, sagte Frank-Michael Munkler, der für Köln verantwortliche Verdi-Sekretär, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Munkler sitzt für die Arbeitnehmerseite ebenfalls im Aufsichtsgremium der KVB.
Munklers Standpunkt ist eindeutig: „Defekte Fahrzeuge werden grundsätzlich immer reingeholt. Auch an Streiktagen. Dafür gibt es eine Notdienstvereinbarung.“ Die Schuld für den Stillstand schiebt er einzig und allein der KVB zu. Er habe den verantwortlichen KVB-Bereichsleiter sogar telefonisch kontaktiert und ihm gesagt, „dass ich es unerträglich finde, einfach nicht zu fahren“.
Munkler weiter: „Die KVB kann uns nicht die Verantwortung zuschieben, weil sie es nicht auf die Kette kriegt, einen Notdienst zu organisieren.“ Der Verweis auf Düsseldorf und Bonn belege, dass es Alternativen gibt. Obwohl dort am Mittwoch die Werkstätten ebenfalls bestreikt wurden, fuhren die Züge der Rheinbahn und der Stadtwerke Bonn planmäßig.
KVB kontert – Politiker üben scharfe Kritik
Die KVB lässt die Anschuldigungen nicht auf sich sitzen. Die Entscheidung sei wegen der extrem kurzfristigen Streikankündigung gefallen, erklärte Sprecher Matthias Pesch. „Aufgrund der Kurzfristigkeit des Streikaufrufs war es uns nicht möglich, mit einer ausreichenden Zahl an Notdiensten in den Werkstätten einen sicheren Stadtbahnbetrieb zu gewährleisten“, so Pesch. Es sei einfach nicht gelungen, das nötige Personal zu mobilisieren.
Ferner sei die betriebliche Lage in Köln aufgrund der Netzgröße und der Anzahl der Fahrzeuge einzigartig und nicht mit anderen Kommunen zu vergleichen.
Diese Begründung akzeptiert Verdi jedoch nicht. Munkler entgegnet, dass es in derartigen Situationen normal sei, wenn die Unternehmensleitung das Gespräch mit der Gewerkschaft sucht. Es lägen zwischen 30 und 35 unterschiedliche Pläne für den Notdienst vor. Sein niederschmetterndes Urteil: „Uns hat von der KVB keiner angerufen, um über eine mögliche Aufstockung der Notdienste zu sprechen.“
Heftige Kritik kommt ebenfalls aus der Kommunalpolitik in Köln. „Es ist schon bemerkenswert: In ganz NRW werden Werkstätten bestreikt, doch nur in Köln bricht der gesamte Stadtbahnbetrieb zusammen“, rügte Ulrich Breite, der Geschäftsführer der FDP/KSG-Fraktion. „Das ist für die Fahrgäste nicht akzeptabel.“
Wie geht es mit dem Streik-Chaos weiter?
Ein winziger Lichtblick besteht für Freitag: Verdi ruft zu punktuellen Arbeitsniederlegungen auf, was bei der KVB den Betriebshof West in der Scheidtweiler Straße betrifft. Einem KVB-Sprecher zufolge wird das jedoch keine Folgen für den Fahrplan haben, weil der Ausfall eines einzelnen Depots ausgeglichen werden kann.
Der Fahrgastverband Pro Bahn zeigt sich über die Welle von Streiks alles andere als begeistert. Detlev Neuß, der Ehrenvorsitzende der Organisation, verlangt einen Fahrplan für Streiktage, wie er in Frankreich oder Italien üblich ist, damit ein Minimalbetrieb gewährleistet wird. „Aus meiner persönlichen Sicht ist das, was Verdi in NRW derzeit macht, kein Warnstreik mehr. Für uns Fahrgäste ist diese Situation nicht mehr erträglich.“
Zentraler Punkt im Tarifstreit sind die Arbeitskonditionen von circa 30.000 Mitarbeitenden bei ungefähr 30 Verkehrsunternehmen in NRW. Bislang führten zwei Verhandlungsrunden zu keinem Resultat. Der Start der dritten Runde ist für den 24. März angesetzt. (red)
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