Nur noch 40 Zentimeter! Der historische Tiefstand des Rheins in Köln hat für einen Fährmann existenzbedrohende Folgen.
Dramatische LageKölner Fährmann schlägt Alarm: „Es wird immer schwerer“

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Die Rheinfähre Krokolino hat ihren Betrieb eingestellt. Fährmann Niklas Thiel entgehen durch das extreme Niedrigwasser Umsätze im fünfstelligen Bereich.
Der Rhein bei Köln hat einen neuen Tiefststand erreicht. Am Montag fiel der Kölner Pegel auf 40 Zentimeter. „Damit haben wir einen neuen Niedrigwasser-Rekord“, sagte Markus Neumann vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein. Der alte Rekord von 69 Zentimetern stammt aus dem Jahr 2018.
In der Fahrrinne in der Flussmitte ist das Wasser noch 1,51 Meter tief. An der „Deutzer Platte“ zwischen Severinsbrücke und Deutzer Brücke ist es noch flacher. Dort lief am Samstag das Kreuzfahrtschiff „Dutch Melody“ auf Grund. Ein Frachtschiff schleppte es wieder frei. Im Moment fließen pro Sekunde nur knapp 600 Kubikmeter Wasser an Köln vorbei. Normal sind 1000 bis 2000 Kubikmeter.
Fähren liegen still
Das hat Folgen. Die Fähre „Krokolino“ zwischen Köln-Weiß und Zündorf fährt seit Freitag nicht mehr. Schon im August musste sie zehn Tage lang ruhen. „Dadurch fehlen uns Umsätze im mittleren fünfstelligen Bereich“, sagt Geschäftsführer Niklas Thiel dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Ab Oktober verkehre die Fähre eigentlich noch am Wochenende, „ich befürchte aber, dass das jetzt wegen des anhaltenden Niedrigwassers schon das Ende der Saison gewesen sein könnte“, so Thiel.

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Ein Teil der Landungsbrücke der Fähre in Weiß ist infolge des Niedrigwassers und des Sogs durch vorbeifahrende Frachter zerstört worden.
Der Sog vorbeifahrender Frachter habe in dieser Saison schon zweimal die Zugangsbrücke aus der Verankerung gerissen. Einige Träger seien verbogen, mehrere Ketten gebrochen. Die Brücke landete in der Böschung. Thiel: „Wenn es in Zukunft noch öfter extreme Niedrigwasser gibt, wird es immer schwerer für uns, wirtschaftlich arbeiten.“ Die Autofähre zwischen Köln-Langel und Leverkusen-Hitdorf steht seit dem 5. September still.
Auch die KD muss umplanen. Ihr Flaggschiff „Rhein-Magie“ liegt seit Wochen an der Bastei fest. „Grundsätzlich können Rundfahrten ab Köln nur in Richtung Leverkusen fahren, nach Rodenkirchen, rheinaufwärts, geht es aktuell nicht“, sagt KD-Chefin Nina Luig.
Kies wird teurer
Die Terra-Kies-Werke in Köln-Pesch geben Aufschläge von 20 bis 25 Prozent an ihre Kunden weiter. Viele Bauprojekte werden wegen der hohen Transportkosten gestoppt. „Die Projekte sind fertig geplant, nur die Umsetzung funktioniert nicht“, sagt Fuhrparkleiter Ali Demirkiran. Laut der Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK) gibt es aber „aktuell keine flächendeckenden Versorgungsengpässe“.

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Das Niedrigwasser im Rhein beeinträchtigt die Ausflugsschifffahrt.
Das NRW-Verkehrsministerium hat die Ausnahmen vom Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lkw bis zum 31. Oktober verlängert. Auch Wasserschutzpolizei und Feuerwehr mussten ihre Boote an andere Liegeplätze bringen.
Kein Austrocknen in Sicht
Enno Nilson von der Bundesanstalt für Gewässerkunde rechnet künftig mit längeren und stärkeren Niedrigwassern. Die aktuellen Werte seien aber „auch unter diesen Szenarien nicht das neue Normal“. Dass der Rhein austrocknet, hält er für fast ausgeschlossen: „Auch unter zunehmend extremen Bedingungen liegt das außerhalb dessen, was wir aus wissenschaftlicher Sicht innerhalb des 21. Jahrhunderts für möglich halten.“
Eine Besserung ist nicht in Sicht. Am Mittwoch oder Donnerstag könnte der Pegel auf einen neuen Tiefststand fallen. (red)
