Missbrauchsskandal  Kölner Pfarrer Meurer teilt gegen Kardinal Woelki aus

Neuer Inhalt (1)

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, bereitet sich beim Eröffnungsgottesdienst der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im Fuldaer Dom in der Sakristei vor. Das Foto wurde im September 2020 aufgenommen.

Köln – Er ist einer der prominentesten Geistlichen Kölns: Jetzt hat sich auch Pfarrer Franz Meurer im Streit um Erzbischof Rainer Maria Woelki und die Aufarbeitung von Missbrauch im Erzbistum Köln kritisch geäußert. Der Kölner Kardinal habe sich im Umgang mit dem angekündigten Rechtsgutachten „in eine Sackgasse manövriert.“

Da komme man nur heraus, wenn man sich „rumdreht und in die Gegenrichtung geht, sagte der Sozialpfarrer im Deutschlandfunk. Auf die Frage, ob der Erzbischof zurücktreten müsse, sagte Meurer: „Es steht Spitz auf Knopf.“

Der Kardinal hatte zunächst ein Gutachten bei der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) zum Umgang des Erzbistums mit dem Missbrauchsskandal in Auftrag gegeben und völlige Transparenz versprochen. Dann stoppte er die Veröffentlichung mit der Begründung gravierender methodischer Fehler und gab ein weiteres Gutachten in Auftrag. Mittlerweile gibt es Vertuschungsvorwürfe auch gegen Woelki selber.

Pfarrer Meurer: Mangelnde Aufarbeitung als „Teil des Systems“

Gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ ergänzte Meurer, er sei davon überzeugt, dass Kardinal Woelki „eine ehrliche Haut“ sei, der „an Aufklärung interessiert ist“. Der Kardinal und der Vingster Arbeiterpfarrer Meurer kennen sich seit der Kindheit: Sie sind beide in der Bruder-Klaus-Siedlung groß geworden, aufs Hölderlin-Gymnasium in Mülheim gegangen und gelten als vertraut.

Die mangelnde Aufarbeitung sei „Teil des Systems“ gewesen, sagt Meurer, der glaubt, dass Bischöfe mit der Macht ihres Amtes grundsätzlich überfordert seien. Wer leite, müsse nicht allein entscheiden, sagt der 69-Jährige. Er weiß von vielen katholischen Gemeinden, die Woelki in den vergangenen Wochen dazu geraten hätten, möglichst schnell „alle Karten auf den Tisch zu legen“.

Es sei jedoch noch nicht zu spät, „jetzt in die andere Richtung zu laufen“. Er sei davon überzeugt, dass in „allem Schlechten auch etwas Gutes liegt, und umgekehrt“, so Franz Meurer. Kirchenrechtlich könne und wolle er den Fall Woelki und seine Rolle in der Aufarbeitung der Fälle sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Köln nicht beurteilen, deswegen wolle er dazu nur so viel sagen: „Es ist nie zu spät zu sagen: »Es tut mir leid«.“

Kölner Diözesanrat enttäuscht über fehlende Aufklärung

Unterdessen zeigte sich der oberste Laien-Vertreter im Erzbistum Köln enttäuscht darüber, dass es bei der Aufarbeitung des Missbrauchs „nur um die juristische Ebene geht“. Der Vorsitzende des Diözesanrates, Tim Kurzbach, sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): „Ich vermisse ein Zeichen der Geistlichen aus der ersten Reihe.“

Sie könnten doch jetzt einmal offen sagen, wo sie schuldig geworden seien im Umgang mit Missbrauchstätern, und nicht darauf warten, bis ein Gutachter ihre Fehler feststelle, so der Solinger Oberbürgermeister.

Kurzbach kritisierte auch die Zahlungen der deutschen Bistümer an die Missbrauchsopfer. Die Erhöhung der Regelsumme von 5000 auf 50.000 Euro reiche nicht aus, denn Betroffene litten ein Leben lang. „Es gibt keinen ehrbareren Anlass für die Kirche, sich an dieser Stelle arm zu machen“, so Kurzbach.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet  will sich in Rücktrittsdebatte um Woelki nicht einmischen

Auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) äußerte sich. Er erklärte, er wolle sich in die Rücktrittsdebatte um Woelki nicht einmischen. Die Kölner Vorgänge müssten innerkirchlich geklärt werden: „Der Kindesmissbrauch ist ein Vergehen, das aufgeklärt werden muss, in jeglicher Hinsicht. Ich habe Respekt, wie die Kirchen das machen.“

Moderatorin Bettina Böttinger hingegen bezog klar Stellung und forderte den Rücktritt von Kardinal Rainer Maria Woelki. (red)

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.

Die von Ihnen aufgerufene Adressse ist leider nicht (mehr) verfügbar. Wir haben Sie daher auf unsere Homepage umgeleitet.