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Kölner EbertplatzJetzt sind drei Eingänge für immer dicht

Die gedeckelten Zugänge am Ebertplatz. Vom früheren Zugang ist nichts mehr zu sehen.

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Die gedeckelten Zugänge am Ebertplatz. Vom früheren Zugang ist nichts mehr zu sehen.

Es hat gedauert, doch jetzt ist es fix: Drei der sechs Zugänge zum Kölner Ebertplatz sind zubetoniert worden. Die Reaktionen der Anwohnenden könnten unterschiedlicher nicht sein.

Jetzt sind sie dicht: Drei der sechs Zugänge zum Kölner Ebertplatz wurden zubetoniert. Die Baumaßnahmen sollten ursprünglich nach viermonatigen Bauarbeiten bereits Ende Juni abgeschlossen sein. Seit dem 17. Juli ist es nun vollbracht.

Auch die Kosten sind deutlich höher als veranschlagt: Anstelle der von der Stadt Köln bewilligten 175.000 Euro beläuft sich die Summe nun auf stolze 533.000 Euro. Der Grund: Die Betonabdeckungen müssen auch für schwere Einsatzfahrzeuge befahrbar sein.

Ebertplatz als Drogen-Hotspot in Verruf

Bisher führten die drei nun verschlossenen Eingänge in die circa 200 Meter lange, recht finstere Westpassage unterhalb der Straße. Diese galt als ein Treffpunkt für Drogenhändler.

Der Platz, der in den 1970er-Jahren entstand und als Drogen-Hotspot in Verruf gekommen ist, soll dadurch mehr Sicherheit bekommen. Die seit etwa 20 Jahren kaputten Rolltreppen wurden dafür entfernt, genauso wie die Fußgängertreppen. Darüber befinden sich jetzt neue Abdeckungen aus Beton und Bodenplatten. Von den ehemaligen Eingängen ist nichts mehr erkennbar. Von den insgesamt sechs Zugängen bleiben drei weiterhin offen.

Einfach eine Abdeckung drauf, und schon wird es sicherer? Diesen Vorschlag brachte die Verwaltung ein und fand dafür eine politische Majorität.

Seit circa 25 Jahren ist der Ebertplatz mit all seinen Facetten ein Dauerthema in der Stadt. Zuerst stand die Frage im Raum, wann er neugestaltet und auf das Niveau der Straße gebracht wird.

Bauarbeiten am Ebertplatz. Mehrere Treppenaufgänge wurden mit Betondeckeln versehen bzw. zugemauert.

Copyright: Arton Krasniqi

Mehrere Treppenaufgänge wurden mit Betondeckeln versehen bzw. zugemauert.

Nach zwei tödlichen Vorfällen in 2017 sowie 2019 und dem daraufhin eingeführten Zwischennutzungskonzept mit sprudelndem Brunnen und Gastro-Angeboten, verlagerte sich die Diskussion. Benötigt man wirklich eine vollständige Neugestaltung und eine Anhebung auf Straßenebene? Könnten nicht vielleicht Elemente bewahrt werden?

Finanzen spielten ebenfalls eine Rolle: Schon das Interimskonzept für den Platz hat die Stadt über die Zeit eine Menge gekostet, doch angesichts der angespannten Haushaltslage soll künftig gespart werden. Fritz Schramma, der von 2000 bis 2009 als Oberbürgermeister (CDU) amtierte, erklärt: „Ich habe auch nicht die Lösung für den Ebertplatz, ihn liegen zu lassen, ist aber auch keine Lösung.“

Vieles wurde hier jedoch jahrelang vernachlässigt, darunter auch die kaputten Rolltreppen. Eine Instandsetzung wurde irgendwann als zu kostspielig angesehen, also passierte nichts. Im Jahr 2019 wurden die Treppen stattdessen von der Stadt an Kunstschaffende übergeben, welche sie für ihre Projekte verwendeten und neu gestalteten.

Der Brunnen am Ebertplatz.

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Der Brunnen am Ebertplatz.

Bis Mitte 2024 flossen für die Installation, Säuberung und Instandhaltung insgesamt 124.000 Euro. Die Kunstwerke verfielen aber mit der Zeit, sodass sie an den drei betreffenden Eingängen nun sogar beseitigt wurden.

Der Arbeitskreis Barrierefrei Köln äußert sich zu den kaputten Rolltreppen: „Es ist ein Unding, dass die Rolltreppen so lange außer Betrieb sind.“ Auch Schramma findet: „Dass Rolltreppen nicht funktionieren, darf eigentlich nicht sein.“

Die Stadt kalkulierte 2018 die Kosten für eine neue Rolltreppe auf 350.000 Euro. Bei sechs Exemplaren hätte das 2,1 Millionen Euro bedeutet. Angesichts der erwarteten „kurzen Nutzungsdauer“ (Zitat Stadt) war das zu viel, da man von einem baldigen großen Umbau ausging. Dafür waren einst 40 Millionen Euro vorgesehen. Doch er wurde nicht realisiert. Erneut.

Schramma meint dazu: „Wenn man nicht dranbleibt, birgt das eine Gefahr: Es führt zu Lethargie.“ Sein Nachfolger Jürgen Roters (SPD, 2009 bis 2015) ergänzt: „Es ist nicht so einfach: Es gibt viele große Investitionen in Köln, die in Konkurrenz zueinanderstehen.“

Im Wahlkampf 2009 hatte Roters versprochen, die Vorschläge des kurz zuvor präsentierten Masterplans für die Innenstadt zügig zu realisieren. Dazu zählte auch, den Ebertplatz auf das Niveau der Straße zu heben. Städteplaner Albert Speer hatte den Ort im Masterplan als „Angstraum“ tituliert.

Der Start der Baumaßnahmen, so Roters zu jener Zeit, sollte „ein Signal in die gesamte Bürgerschaft senden – das Signal: Es tut sich was.“ Doch nach der Wahl von Roters passierte nichts.

Minister Reuls Radikal-Vorschlag: Einfach zuschütten

Roters erklärt heute: „Der Ebertplatz ist nach wie vor ein problematischer Ort, trotz aller positiver Veränderungen wie etwa der kulturellen Angebote. Uns allen ist trotz aller Bemühungen nicht gelungen, den Ebertplatz neu zu ordnen, sodass die Menschen sich dort wohlfühlen.“

Henriette Reker, parteilose Oberbürgermeisterin (Amtszeit 2015 bis 2025), sagt: „In dieser Stadt ist unglaublich lange zu wenig Geld in die Infrastruktur investiert worden.“ Dies sei nun anders, aber nicht alles könne zur selben Zeit erledigt werden. „Der Ebertplatz ist ein Beweis dafür.“ Inzwischen wird das Jahr 2030 als Ziel für die Neugestaltung anvisiert. NRW-Innenminister Herbert Reul äußerte im vergangenen Jahr: „Wenn es nach mir ginge, würde ich den Platz einfach zuschütten.“

An schönen Tagen, besonders im warmen Sommer, wenn Kinder im Brunnen planschen, Leute auf dem Areal die Sonne genießen und in den Lokalen etwas trinken, zeigt sich der Ebertplatz von seiner besten Seite. Ungeachtet der umliegenden Straßen und des Verkehrslärms. Ungeachtet der Drogenhändler, die dort mal mehr, mal weniger offen ihre Geschäfte machen.

An anderen Tagen jedoch, speziell bei Kälte oder Dunkelheit, wird es ungemütlich, insbesondere in der finsteren Westpassage. Menschenleer erscheint der Platz rasch trostlos. Die harte Trinkerszene hat sich in der Gegend und am Eigelstein mit allen negativen Folgen etabliert.

Der Ebertplatz hat all diese Gesichter. Nichts ist nur schwarz oder weiß. Mesfun Zerbi, Besitzer des Copyshops Portico, der in der Westpassage liegt, meint zu den geschlossenen Eingängen: „Der Ebertplatz soll lebendiger werden, nun passiert das Gegenteil.“ Seit beinahe 20 Jahren betreibt Zerbi sein Geschäft und sagt: „Im Winter werden wir die Wahrheit sehen.“

Ein paar Meter entfernt betreibt der Künstler Michael Nowottny seine Galerie „Labor“. Er zeigt sich nach eigener Angabe „erschüttert“ über die Maßnahme und stellt das grundsätzliche Vorgehen infrage. „Statt Räume zu öffnen, wird abgeriegelt. Welcher Geist steckt dahinter? Der Platz wird kaputtdilettiert.“

Man muss allerdings nicht lange suchen, um einen Befürworter der geschlossenen Eingänge zu finden: Samuel Obode führt seit 2006 die Bar „African Drum“, die sich in der Westpassage befindet. Sie liegt zentral zwischen den drei nun versiegelten Zugängen. Obode bewertet die Schließung als „sehr, sehr gut. Seitdem ist es ruhiger, das gefällt mir.“

Der Ebertplatz: Chronik des Stillstands

2002: Ein Architektur-Wettbewerb für die Neugestaltung des Platzes wird in Aussicht gestellt.

2008: Der Masterplan für die Innenstadt von Albert Speer wird präsentiert. Die Aufwertung des Ebertplatzes wird darin als ein Ziel eingestuft, das binnen fünf Jahren realisierbar sei.

2009: Die Koalition aus Rot-Grün nimmt die Neugestaltung in ihre Liste der Prioritäten auf.

2013: Die Möglichkeit einer Tiefgarage unter dem Areal wird untersucht. Der Rat befürwortet dies und gibt eine entsprechende Studie in Auftrag.

2017: Die Ratsversammlung verwirft die Tiefgaragen-Pläne vier Jahre danach, da die Mietkosten für einen Parkplatz als zu hoch erachtet werden. Im selben Jahr kommt ein 22-Jähriger bei einem Messerangriff ums Leben, was für überregionale Aufmerksamkeit sorgt. Die Stadt spricht den Kunstschaffenden in der finsteren Westpassage Kündigungen aus, die sie später zurücknimmt. Pläne des damaligen Stadtdirektors Stephan Keller und der Polizei, die Westpassage zu verfüllen, werden vom Rat gestoppt.

2018: Ein vorerst auf drei Jahre angelegtes Zwischennutzungskonzept soll den Ebertplatz bis zur Sanierung beleben. Eine Eisbahn im Winter und ein Gastronomie-Container im Sommer werden eingerichtet, der Brunnen ist wieder in Betrieb. An sonnigen Tagen lockt der Platz viele Besucher an, doch der Drogenhandel bleibt ein Problem.

2019: Ein 25-jähriger Mann wird auf dem Ebertplatz Opfer einer Gewalttat und stirbt. Im gleichen Jahr gestalten Kunstschaffende die kaputten Rolltreppen neu, unter anderem entsteht eine Rutsche.

2021: Die Planung von zwei Optionen für den Ebertplatz wird vom Rat beschlossen. Sobald diese ausgearbeitet sind, will das Gremium eine bevorzugte Variante auswählen. Option eins beinhaltet eine ebenerdige Neugestaltung durch Abriss und Auffüllung. Option zwei „sieht eine Umgestaltung unter Berücksichtigung des Bestands und teilweise eine Sanierung, beziehungsweise Ertüchtigung der bestehenden Bauteile, wie insbesondere der Passage, vor“. Die Stadt weist jedoch darauf hin: „kann von einer erheblichen Schadstoffbelastung der vorhandenen Bausubstanz ausgegangen werden“.

2022: Das Konzept zur Zwischennutzung wird um zwei weitere Jahre ausgedehnt, um den Platz vorübergehend zu verändern und zu beleben. Ein Baubeginn vor 2025 wird zu diesem Zeitpunkt als nicht machbar angesehen.

2023: Die KVB rät ihrem Fahrpersonal, aus Sicherheitsgründen bis auf Weiteres die Toiletten am Ebertplatz zu meiden. Als Begründung wird in einem Schreiben die „momentane Situation am Ebertplatz, die durch die Obdachlosen- und Drogenszene dort herrscht“ angeführt. Stadtplanungsamtsleiterin Eva Herr räumt im selben Jahr ein: „Zur Ehrlichkeit gehört aber, einzuräumen, dass sich die Situation auf dem Ebertplatz durch die Zwischennutzung zwar verbessert hat, wir die Probleme, die es dort wie auch in anderen neuralgischen Räumen in Köln gibt, aber nicht in Gänze lösen konnten.“

2024: Die Arbeit an der Planung und möglichen Betriebskonzepten für die langfristige Zukunft des Ebertplatzes wird von Architekten und Planern aufgenommen.

2025: Die Verwaltung regt die Schließung der drei Eingänge zur tiefergelegenen Westpassage an. Mit dieser Maßnahme soll Verwahrlosung und Drogenhandel bekämpft werden. Die Politik gibt ihre Zustimmung. Innenminister Herbert Reul (CDU) erklärt bei einem Besuch: „Der Ebertplatz ist längst bundesweit bekannt als größtes Drogenkaufhaus von NRW. Das kann ich nicht einfach hinnehmen.“

2026: Die drei Eingänge am Sudermanplatz, bei der Bäckerei Heinemann und an der Ecke Ebertplatz/Neusser Straße werden versiegelt. (mhe)

Eine Bahn der KVB passiert einen beschrankten Bahnübergang. (Symbolbild)
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