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„Für mich nicht nachvollziehbar“Harte Einschnitte am Kölner Ebertplatz – Politik stinksauer

Mehrere Treppenaufgänge wurden mit Betondeckeln versehen bzw. zugemauert. Die Umgestaltung läuft seit dem Frühjahr.

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Bauarbeiten am Ebertplatz: Mehrere Treppenaufgänge wurden mit Betondeckeln versehen bzw. zugemauert. Die Umgestaltung läuft seit dem Frühjahr.

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Am Ebertplatz in Köln drohen harte Einschnitte: Die Stadtverwaltung will bei der Kultur den Rotstift ansetzen, gibt aber gleichzeitig Unsummen für Betonarbeiten aus.

Für das Kulturangebot am Ebertplatz sieht es düster aus: Die Stadtverwaltung Köln plant, den aktuellen Etat zu halbieren.

Ab dem Jahr 2027 sollen statt der gewohnten 581.000 Euro jährlich nur noch 261.000 Euro fließen. Auch für den Zeitraum bis Ende 2026 ist bisher keine reguläre Finanzierung gesichert. Als Grund für diese Maßnahme nennt das zuständige Baudezernat die schwierige Finanzsituation der Domstadt.

Kosten-Explosion bei Betonarbeiten

An einem anderen Posten hat die Bauverwaltung jedoch erheblich mehr Mittel verbraucht als vorgesehen: Die Versiegelung von sechs Zugängen zum Ebertplatz ist mit über dem Dreifachen der anfänglichen Schätzung zu Buche geschlagen. Anstelle der vom Stadtrat genehmigten 175.000 Euro belaufen sich die Kosten nun auf 533.000 Euro. Das berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Die Bauverwaltung erklärt den massiven Kostenanstieg damit, dass zu Beginn unklar war, dass die Betonabdeckungen für Schwerlastverkehr tauglich sein müssen, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Im Laufe der Ausarbeitung wurde erst deutlich, dass „die Abdeckelung als befahrbare Fläche auch für Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr und Reinigungsfahrzeuge geeignet sein muss“, so die Antwort auf eine Anfrage der Ratsgruppe Die Partei. Zudem sei die Vorgabe hinzugekommen, die Fenster der Kunsträume in der Westpassage durch die neuen Wände nicht wesentlich zu verkleinern. Verantwortlich für die Durchführung ist das Amt für Brücken, Tunnel und Stadtbahnbau.

„Das ist aus meiner Sicht absurd, dass die Stadt ohne neuen politischen Beschluss dreimal so viel Geld für das Zubetonieren ausgibt, und gleichzeitig beim Platzprogramm sparen will“, äußert sich Andreas Scheffler von der „Ebi – Ebertplatz-Bürgerinnen-Initiative“ gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Dieses Vorgehen werfe fundamentale Fragen bezüglich der Arbeitsweise und der Prioritäten der Stadtverwaltung am Ebertplatz auf. Während für Baumaßnahmen beträchtliche Gelder fließen, ist die weitere Nutzung und Belebung des Areals aktuell ungewiss.

Programme für Ebertplatz liefen Ende Mai aus

Unter den Plätzen in der Kölner City zählt der Ebertplatz zu den Problemfällen – erst machten die Läden in der unterirdischen Passage dicht, danach blühte dort der Drogenhandel. Allein durch den gemeinsamen Einsatz von Anwohnerinnen, Anwohnern und Kulturschaffenden konnte die Lage in den letzten Jahren wieder beruhigt werden. Die Stadt Köln unterstützt nicht nur das Kulturprogramm zur Belebung des Platzes, sondern auch ein sogenanntes Platzmanagement.

Beide Programme liefen schon Ende Mai dieses Jahres aus – seither fließt von der Stadt kein Cent mehr. „Wir führen das deshalb zurzeit mit einer Gruppe von 20 Menschen rein ehrenamtlich fort“, berichtet Scheffler. Es sei seit November 2025 klar gewesen, dass ab dem 1. Juni 2026 keine neuen Mittel bereitstehen würden. „Eigentlich sollte das im März schon in den Stadtrat gehen“, so Scheffler. Aber das passierte nicht.

Aufgrund der Sparvorgaben in der Stadtverwaltung waren laut Baudezernat Abstimmungen zwischen den Ämtern und der Kämmerei erforderlich. Dies habe zu „massiven Verzögerungen“ geführt. Nun soll alles schnell gehen: Am kommenden Donnerstag, dem 2. Juli, soll der Stadtrat über den gekürzten Etat entscheiden – in einem Dringlichkeitsverfahren. „Weitere Verzögerungen machen die Planung und Umsetzung eines Jahresprogramms unmöglich und sind zudem schädlich für das Engagement der am Ebertplatz aktiven Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler“, erklärt die Bauverwaltung.

Diesen Eindruck kann Andreas Scheffler nur bestätigen. „Wir können nur durch zusätzlich eingeworbene Förderungen und großen ehrenamtlichen Einsatz vorübergehend ein reduziertes Platzprogramm aufrechterhalten“, sagt er. Er warnt außerdem, dass die städtische Straßensozialarbeit, die schon seit Anfang des Jahres mit verringertem Umfang am Ebertplatz tätig ist, komplett wegfallen könnte.

Übersicht über die gesperrten Zugänge.

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Übersicht über die gesperrten Zugänge.

Beliebte Konzerte auf der Streichliste

Gekürzt werden soll laut Bauverwaltung insbesondere bei „kostenintensiven Reihen“ wie den Konzerten am Ebertplatz und den Ebertpänz-Konzerten für die Kleinen. Diese Formate seien zwar äußerst populär und würden den Platz stundenweise „massiv den Platz beleben“ – jedoch seien sie wegen des technischen und personellen Aufwands sowie der Lärmprotokolle auch sehr teuer, so die Argumentation des Dezernats.

Die Versiegelung der Zugänge zur Westpassage und der Abriss der seit über 20 Jahren kaputten Rolltreppen waren Vorschläge des Baudezernats, um die Sicherheit am Ebertplatz zu erhöhen. Das Kulturangebot sei von den Menschen zwar gut angenommen worden, habe sich aber nie positiv in der Kriminalitätsstatistik niedergeschlagen, so die Bauverwaltung. Durch die Blockade der Zugänge könnten dagegen die dunklen Bereiche verschwinden. „Die Baumaßnahmen und das Kulturprogramm hängen finanziell nicht voneinander ab“, erklärt ein Sprecher der Stadt auf Anfrage. Der Stadtrat billigte das Vorhaben, rechnete dabei aber mit Kosten von 175.000 Euro statt der tatsächlichen 533.000 Euro.

Kölner Politik ist stinksauer

Die Bauverwaltung hatte sich immer gegen eine Erneuerung der kaputten Rolltreppen gewehrt, weil dies zu teuer sei und ohnehin ein kompletter Umbau des Ebertplatzes vorgesehen ist. Der Einbau von zwei neuen Rolltreppen wäre auf 800.000 Euro gekommen.

Auch in der Politik löst das Vorgehen Ärger aus. „Diese Prioritätensetzung ist für mich nicht nachvollziehbar“ sagt Sandra Schnelloch (Grüne). Wer einen sicheren und ansprechenden Ebertplatz wolle, müsse soziale Kontrolle durch Kultur und Straßensozialarbeit fördern, anstatt Geld in Beton zu stecken.

„Eine Baukostensteigerung in dieser Größenordnung wiegt angesichts der angespannten Haushaltslage besonders schwer. Umso wichtiger wäre es gewesen, die Politik frühzeitig und transparent über diese Entwicklung zu informieren. So hätte es eventuell noch die Möglichkeit gegeben, politisch gegenzusteuern. Jetzt sind Fakten geschaffen worden, und das ist überaus ärgerlich“, erklärt CDU-Fraktionsgeschäftsführer Niklas Kienitz. „Zu den Kostensteigerungen bei den Betonierungsarbeiten drängen sich Fragen auf, die wir der Stadtverwaltung stellen werden. Hier muss in Zukunft sorgfältiger und vorausschauender geplant werden, damit Kosten im Rahmen bleiben“, meint SPD-Fraktionschef Christian Joisten.

Der Plan, den Ebertplatz komplett neu zu gestalten, existiert schon seit Jahrzehnten, aber der Realisierungszeitpunkt verschiebt sich immer weiter. Aus der Stadtverwaltung heißt es, dass frühestens 2030 etwas geschehen könnte. Was genau umgesetzt werden soll, bleibt jedoch offen, da eine politische Entscheidung fehlt. Zur Debatte steht, die Vertiefung aufzufüllen und eine ebene Fläche zu schaffen. Alternativ könnte der Platz in seiner aktuellen Form saniert werden. (red)

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