Zwei Kölner sind zum Ziel homophober Gewalt geworden. Die Polizei ermittelt.
Zoff eskaliertKölner (26) nach homophobem Angriff in Klinik – zwei OPs und viel Entsetzen

Copyright: Dirk Borm
Die Richard-Wagner-Straße am 11. Oktober 2022: Vor einem Imbiss soll es in der Nacht auf Sonntag (9. Oktober) zu einem homophoben Übergriff gekommen sein.
Mirxan K. und sein Freund Leo N. (beide 26) haben gerade überlegt, wie sie nach Hause kommen – in dem Moment stellte sich ein Jugendlicher vor sie und sagte: „Na, ihr Schwuchteln?“
„Wir standen nicht mal intim beieinander – aber manchmal reicht das schon“, erzählt Leo N. am Donnerstag (13. Oktober 2022) gegenüber EXPRESS.de. Und es blieb nicht bei der Beleidigung. Ein homophober Angriff, mitten in Köln, sorgte sogar für Verletzungen und OPs.
Homophober Übergriff in Köln: Verbale Auseinandersetzung eskaliert
Der Vorfall passierte in der Nacht auf Sonntag gegen 0.30 Uhr vor einem Imbiss an der Richard-Wagner-Straße/Ecke Engelbertstraße. Zwischen dem Paar, dem Jugendlichen und mindestens einem weiteren soll es anschließend zu einem kurzen verbalen Zoff gekommen sein. Dann sollen die Halbstarken weggegangen, sofort aber zurückgekehrt sein. Schnell und mit angespannter Körperhaltung, so Leo N. Ein Schlag folgte.
„Wir wussten nicht, was passiert, standen unter Schock“, erzählt der 26-Jährige. Hauptsächlich sei sein Freund getroffen worden. Leo N.: „Ich bin dazwischen und habe versucht, ihn zu beschützen.“ Die Gewalt sei von den Jugendlichen ausgegangen, behauptet der Grafik-Designer: „Wir haben uns nur gewehrt.“
Kölner (26) nach homophober Gewalt in Klinik – mehrere Knochenbrüche
Als er gegenüber EXPRESS.de den homophoben Angriff schildert, ist er gerade bei Mirxan im Krankenhaus. Der Student erlitt mehrere Brüche im Bereich des Schienbeins sowie der Ferse. Er wurde bereits operiert, eine zweite OP steht Ende der Woche an.
Für beide ist es schlimm, sich als schwules Paar im eigentlich toleranten Köln nicht sicher fühlen zu können. Beleidigt worden seien sie dort wegen ihrer sexuellen Orientierung schon öfter. „Das ist ein Grundproblem in ganz Deutschland“, sagt Leo.
Kölner Staatsschutz ermittelt und fahndet nach Jugendlichem
Die Polizei war in der Tatnacht schnell vor Ort und hat die Ermittlungen wegen des Verdachts der Körperverletzung und Beleidigung aufgenommen. „Straftaten, bei denen der Verdacht besteht, dass die sexuelle Orientierung des Opfers bei der Tathandlung eine Rolle spielt, werden bei der Kripo Köln gesondert erfasst und beim Staatsschutz bearbeitet“, erklärt Polizeisprecher Max Wilmes auf Anfrage von EXRPRES.de.
Der Ermittlerinnen und Ermittler des Staatsschutzes fahnden nach dem Jugendlichen, der Mirxan K. geschlagen haben soll. Er wird als etwa 1,75 Meter groß und schmächtig beschrieben, sein Alter auf 14 bis 16 Jahre geschätzt. Zur Tatzeit trug der blond-gelockte Tatverdächtige einen hellen Kapuzenpullover und eine schwarze Umhängetasche der Marke „Carhartt“.
Die Polizei sucht dringend weitere Zeuginnen und Zeugen zu dem Vorfall. Hinweise nehmen die Ermittlerinnen und Ermittler unter Telefon 0221 229-0 oder per E-Mail an poststelle.koeln@polizei.nrw.de entgegen. (iri)

