17 Bordelle sind in Köln offiziell genehmigt – die Dunkelziffer liegt weit höher. Nicole Schulze, selbst jahrelang auf dem Straßenstrich, erklärt, warum immer mehr Frauen ins Private abwandern.
„Hohe Dunkelziffer“So viel Sex gibt es noch in Köln – Ex-Prostituierte Nicole warnt

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Nicole Schulze war 24 Jahre alt, als sie 2004 auf dem Straßenstrich an der Geestemünderstraße anfing.

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Nicole Schulze (46) kennt Kölns Rotlicht-Szene wie kaum eine andere. 24 Jahre alt war sie, als sie 2004 auf der Geestemünderstraße anfing – ihr erster Freier zahlte 30 Euro für „Französisch“, fünf Minuten dauerte es. Heute ist sie unter anderem Vorsitzende des Berufsverbandes Sexarbeit. Und sie sieht: Die Kölner Szene verändert sich.
Auf EXPRESS.de-Anfrage hat die Stadt Köln aktuelle Zahlen genannt: 17 Bordelle sind offiziell genehmigt, dazu gibt es acht Einträge unter dem Stichwort „Einzelhandel und Erotik“ – also Sex-Shops.
17 Bordelle in Köln – aber Dunkelziffer viel höher
„Sex-Shops müssen bei der Gewerbemeldestelle angemeldet werden. Bordelle sind erlaubnispflichtig gemäß Paragraf 12 des Prostituiertenschutzgesetzes und beim Ordnungsamt zu beantragen“, erklärt ein Sprecher der Stadt.
Nur: Die offizielle Zahl erzählt nicht die ganze Geschichte. „Die Stadt sagt, es gibt nur 17 Bordelle, aber die Dunkelziffer ist halt viel höher“, warnt Nicole Schulze gegenüber EXPRESS.de. Seit dem Prostituiertenschutzgesetz von 2017 und der Corona-Pandemie hat sich die Sexarbeit in Köln massiv verlagert – weg aus den Bordellen, rein ins Private.
Der Grund sei vor allem das Geld. Mit dem Prostituiertenschutzgesetz hätten Bordellbetreiber strengere Auflagen bekommen, weiß die 46‑Jährige: etwa Notknöpfe, damit Prostituierte jederzeit Hilfe rufen können, oder Fluchtwege und Konzessionen. Das kostete – und die Kosten hätten viele Betreiber über höhere Mieten an die Sexarbeitenden weiter gegeben.
„Für die Betreiber sind die Mieten explodiert“, erklärt Schulze. Sie selbst erlebte das am eigenen Leib: In Trier zahlte sie vor dem Gesetz 350 Euro pro Woche für ein Zimmer. Danach wollte der Vermieter 750 Euro.

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Verrichtungsboxen an der Geestemünderstraße (Archivfoto)
Viele Kolleginnen seien deshalb in Hotels, auf Airbnb oder gleich in die eigene Wohnung ausgewichen, weil ihnen die Bordellmiete zu teuer wurde.
Als dann die Corona-Pandemie kam und die Bordelle schließen mussten, verschärfte sich die Lage weiter. Sexarbeitende fielen durch das Corona-Hilfesystem. Wer keine Unterstützung bekam, habe trotzdem weitergearbeitet – „auch im Verborgenen“, wie Schulze es nennt, weil sonst das Geld zum Leben fehlte.
Aus der Krise habe die Branche auch etwas Positives mitgenommen, sagt die Ex-Prostituierte: Viele Sexarbeitende lernten, sich selbst zu organisieren und zu vermarkten – Aufgaben, die vorher der Bordellbetreiber übernommen hatte. Das Negative: Viele kehrten seither gar nicht mehr in die Bordelle zurück, sondern blieben in dem, was Schulze ihre „illegale Welt“ nennt. Die Betreiber beklagen inzwischen, zu wenige Sexarbeitende zu haben – bei Tagesmieten von 150 bis 180 Euro pro Zimmer wählen viele Frauen lieber die eigene Wohnung.
Wichtig ist Schulze dabei eine Klarstellung: Wer privat arbeitet, mache damit nicht automatisch Schwarzarbeit. „Die zahlen natürlich auch ihre Steuern“, betont sie.
Das größere Problem sieht sie in der Sicherheit: Wer zu Hause statt im Bordell arbeitet, ist im Ernstfall auf sich allein gestellt. „Da ist natürlich auch die Gefahr größer, dass Übergriffe stattfinden“, sagt Schulze. „Es ist schwerer, sich zu wehren. Schwerer, einen Freier notfalls aus der eigenen Wohnung zu bekommen.“
Geestemünderstraße: Wichtiger Kölner Straßenstrich
Besonders am Herzen liegt Schulze die Geestemünderstraße, Kölns bekannter Straßenstrich – betreut vom Sozialdienst katholischer Frauen. Die dortigen Verrichtungsboxen können die Frauen kostenfrei nutzen. 14 Jahre lang habe sie selbst dort gearbeitet.
Sie hofft, dass dieser Platz weiter erhalten bleibt. Eine Schließung wäre für die Sexarbeitenden ein „riesiger Nachteil“: Die Frauen würden dann an alte, unregulierte und gefährliche Standorte zurückkehren.
Laut Statistischem Bundesamt waren zum 31. Dezember 2025 in Deutschland 32.474 Sexarbeitende angemeldet – ein leichtes Plus von 0,7 Prozent gegenüber 2024, aber weiterhin deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau von 40.400 Personen im Jahr 2019.
Bundesweit gab es Ende 2025 genau 2255 Prostitutionsgewerbe, 93 Prozent davon Bordelle und ähnliche Betriebsstätten.
