Liebe dein Brauchtum Warum unser kölsches Liedgut allen so gut tut

Henning Krautmacher (Musikband Höhner / Hoehner) steht auf der Bühne beim Kulturfestival 'Birlikte - Zusammen stehen' in Deutz.

Viva Colonia! Sänger Henning Krautmacher ist seit 35 Jahren bei den Höhnern. 

Werden Sie mit EXPRESS zum Brauchtumsretter oder zur Braumtumsretterin! In einer neuen Serie stellen wir Ihnen das kölsche Brauchtum vor. Im ersten Teil geht es um das Liedgut der Stadt. 

Köln. Viva Colonia! Wenn et Trömmelche jeit! En unserem Veedel! Liedgut, Karneval, Kölsch: Köln lebt sein berühmtes Brauchtum. Es ist Heimat, Gemeinschaft, Identität. Doch durch Corona, Krisen und den schnellen Wandel der Gesellschaft schlafen viele Traditionen, die  uns Eltern und Großeltern „met Hätz und Siel“ vermittelten, langsam ein. Jetzt aber kommt der Weckruf: Liebe Dein Brauchtum!

„Ohne Liedgut gäbe es kein Brauchtum“

Für Ludwig Sebus (95), der Grandseigneur im Kölner Karneval, macht das kölsche Liedgut einen Großteil des Brauchtums aus: „Ich würde sogar sagen: Ohne Liedgut gäbe es kein Brauchtum. Das Liedgut spiegelt alle Lebenslagen der Kölnerinnen und Kölner wider. Kindheit, Freud und Leid, Fastelovend, das Viertel. Unser Liedgut tut uns allen gut, weil es  die kölsche Seele anspricht.“

Ludwig Sebus singt ins Mikrophon

Kölns Liedgutsherr: Sänger, Komponist und Textdichter Ludwig Sebus wird am 5.September stolze 96 Jahre alt.

Sebus selbst hat 252 Lieder geschrieben und komponiert, steht seit 1950 auf der Bühne. Doch begonnen hat das kölsche Liedgut schon viel früher, im Jahr 1500, als eine Nonne das erste Karnevalslied in ihrem Büchlein notierte. Der Nonnenkarneval am Donnerstag sollte zum Vorläufer der späteren Weiberfastnacht werden.

Brauchtum in Köln: Rund 20.000 Karnevals-Hits

Heute umfasst das Repertoire an Karnevals- und Stimmungsliedern mit Kölner Hintergrund rund 20.000 Hits. Unvergessen „Och wat wor dat fröher schön doch en Colonia“, 1930 von Willi Ostermann geschrieben. Oder Willy Millowitschs „Ich ben ne kölsche Jung“, das später brillant von Hans Süper mit seiner „Flitsch“ interpretiert wurde.

Wolfgang Niedecken probt mit Jugendchor St. Stephan.

Wolfgang Niedecken probt mit dem Jugendchor St. Stephan, rechts Michael Kokott.

Die moderne Phase begann 1970 durch den unfassbaren Erfolg der Bläck Fööss, ihnen folgten 1972 die Höhner und 1976 BAP. Ihr Kult-Hit „Verdamp lang her“ wird in diesem Jahr 40.

Kölschrocker Peter Brings (r.) mit Schlagzeuger Christian Bluem.

Kölschrocker Peter Brings mit Schlagzeuger Christian Blüm.

Später kamen Brings, die erstmals 2001 im Karneval auftraten. Ihr Hit: „Superjeilezick“ - der Rest ist Geschichte. Ebenso wie Motto-Queen Marie-Luise Nikuta, die schon mit 13 Jahren in einem Kölner Chor sang und im vergangenen Jahr in Köln starb. Mit 81 Jahren, an Karneval.

Verein „Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums“

Dr. Philipp Hoffmann vom Verein der „Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums“ sagt: „Unser Liedgut ist immer ein Spiegel der Zeitumstände und ihrer Probleme und damit für unser lebendiges Kulturgut, unser Brauchtum, entscheidend. Auch wenn Kölsch aus dem Alltag immer mehr verschwindet, lebt die Mundart als wichtiges Kulturgut in den Liedern weiter und erreicht so Jung und Alt. Ein Stück Heimatplanet, egal wo wir uns gerade befinden.“

Büro der Bläck Fööss Interview (Köln-Gespräch) mit Erry Stoklosa

Lebende Legende: Bläck Fööss-Gründer/ Sänger Erry Stoklosa.

Für das Entstehen einer gemeinsamen Erinnerung an Köln sei das Liedgut „elementar“. Einer, der das Liedgut neben Bands wie Kasalla, Querbeat oder Cat Ballou jungen Leuten ans Herz legt, ist der Jugendchor St. Stephan. Leiter Michael Kokott: „Wenn Köln ein Lied wäre, dann  eine Ballade, denn die schönsten kölschen Lieder sind Balladen, etwa „Stammbaum“ oder „Du bess die Stadt“.

Die Band Quersallou, ein Zusammenschluss der Karnevalsbands Kasalla, Cat Ballou und Querbeat, tritt bei der Karnevalsparty der Kanzlei "Ebner Stolz" auf.

Neue Zeiten: Quersallou, ein Zusammenschluss von Kasalla, Cat Ballou und Querbeat.

Das spiegelt auch den Charakter der Stadt wider, die ja auch nah am Wasser gebaut hat. Aber auch „Am Dom zo Kölle“, das August Schnorrenberg zum Kölner Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg schrieb, ist eine echte Perle der kölschen Liedkultur.“

Morgen lesen Sie: Er ist das Sinnbild für das Festhalten an Traditionen, das emotionalste Gebäude Kölns - der Dom.

So viel Spaß macht der neue EXPRESS-Brauchtums-Pass

Der Brauchtums-Pass steckt im nächsten gedruckten Sonntag-EXPRESS. In ihm findet jeder Inhaber 16 Aufgaben, Zeit dafür ist bis 22.Oktober. Wer elf Stück gelöst hat, wird zum Brauchtumsretter und Gast eines tollen Treffens. Alle Aufgaben und der Pass werden noch einmal im EXPRESS am 24. August veröffentlicht. 

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