Rocker-Klassentreffen Kölns erster „Hells Angels“-Boss: Jetzt steht er vor Gericht

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Der Angeklagte Günter L. (57) gründete die „Hells Angels MC Cologne“.

Köln/Frechen – Es hatte den Charakter eines Klassentreffens – Händeschütteln, Lachen, Plaudern über alte Zeiten.  Es waren die Gründungsmitglieder des ersten großen Kölner Chapters der Rocker-Gruppierung „Hells Angels“, die am Freitag im Landgericht Köln gemeinsam auf der Anklagebank saßen. Darunter auch der frühere Boss Günter L. (57).

Die Akte lag viele Jahre bei der Justiz

Da sich alle der sechs Angeklagten auf freiem Fuß befanden, lag die Akte viele Jahre unbearbeitet bei der Kölner Justiz. Haftsachen werden vorrangig bearbeitet, heißt es dann immer zur Begründung, da diese mit Fristen versehen seien. Anklage im am Freitag gestarteten Prozess wurde bereits im Jahr 2013 erhoben.

Konkret wirft die Staatsanwaltschaft den Angeklagten die Bildung einer kriminellen Vereinigung und Körperverletzung vor. So habe Günter L. im Oktober 2008 das aus der Rocker-Gruppierung „Gremium“ hervorgegangene Chapter der „Hells Angels MC Cologne“ gegründet.

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Rocker-Konkurrenten sollten abgestraft werden

Zweck sei es gewesen, neben gemeinsamen Motorradfahrten in Vereinskluft, die Vormachtstellung in Köln und dem Umland  zu behaupten, vor allem gegenüber den „Bandidos“ und den „Outlaws.“

Im Mühlenweg in Frechen hatten die Rocker damals ihren Hauptsitz bezogen, das „Angel Place.“ Gebietsverletzungen  der Konkurrenz  hätten die „Hells Angels“ regelmäßig mit Gewalt abgestraft, so Staatsanwalt Rene Gilles.

Im September 2009 sollen die Angeklagten „überfallartig“ gegen Rocker der „Outlaws“ vorgegangen sein, weil diese sich an einer Tankstelle in der Nähe des Clubheims aufgehalten hatten.

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Das „Angels Place“ in Frechen galt als Hauptsitz der „Hells Angels MC Cologne“.

Kontrahent erhielt „Köln-Verbot“

Eingesetzt wurden laut Anklageschrift Metallstangen, Quarzhandschuhe, Reizgas und auch die bloßen Fäuste. 

Auch sollen die Ex-Rocker im Frechener Vereinsheim einen Mann verprügelt haben, weil der in Leverkusen einen Rocker-Club gründen wollte. „Du hast jetzt Köln-Verbot“, soll  Günter  L. dem Opfer noch  mit auf den Weg gegeben haben.

Ex-Hells Angel-Boss hat sein Motorrad verkauft

Das NRW-Innenministerium hatte die „Hells Angels MC Cologne“ im Frühjahr 2012 verboten.  Zuletzt hatte sich Günter L. von seiner Vergangenheit distanziert. Sein Motorrad hat er verkauft, der Frechener arbeitete als Security in einer Flüchtlingsunterkunft.

Wegen des schwebenden Verfahrens, in dem sogar Haft droht,  musste er seine Tätigkeit wieder aufgeben – was die Bewohner bedauerten. „Wir wollen Günter zurück“, skandierten sie.

Vorsitzender Richter lehnt Befangenheitsantrag ab

Beim Prozessauftakt wies der Vorsitzende Richter Achim Hengstenberg einen Befangenheitsantrag eines Verteidigers zurück – dieser sei nicht ausreichend begründet.

Danach stiegen Richter, Staatsanwalt und Verteidiger in ein Rechtsgespräch ein, um mögliche Strafe auszuloten. Das könnte den Prozess, der bis in den August terminiert ist, deutlich abkürzen.

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