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Weltbankier der GAG Einer der reichsten Kölner aller Zeiten hilft Mietern bis heute

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Die GAG-Siedlung „Görlinger Zentrum” in Bocklemünd.

Köln – Er war ein Kölner – und machte eine königliche Karriere. Ernst Cassel wurde Freund und persönlicher Finanzberater des englischen Königs Edward VII. Er war der „Windsor” aus der Kölner Altstadt. Als er starb, hinterließ das Finanzgenie ein Vermögen, das heute 270 Millionen Euro entsprechen würde. Und: Jedes Jahr werden viele Kölner dank Cassels Engagement konkret mit Geld unterstützt.

  • Der Kölner Ernst Cassel war Mitbegründer der GAG
  • Er war enger Vertrauter des englischen Königs
  • Zum 100. Todestag soll sein Leben erforscht werden

Eine fantastische Geschichte, die kaum einer kennt. Alles begann im Filzengraben 21. Hier stand das Geburtshaus des Bankiers und Mitbegründers der GAG, Ernst Cassel (1852-1921). Zu seinem 100. Todestag soll das Leben von Cassel, der in England zum „Sir” geadelt wurde, genau erforscht werden.

Ernst Cassel: Weltbankier aus Köln war Mitbegründer der GAG

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Initiator der geplanten wissenschaftlichen Arbeit, für die ein Doktorand gesucht wird, ist Ulrich Soénius, der Direktor des Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchivs. Gefördert wird das Projekt von der Wohnungsgesellschaft GAG – Ernst Cassel war Mitbegründer des 1913 entstandenen Unternehmens.

Soénius: „Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war das Thema Wohnungsbau, die Versorgung der Menschen mit billigem, preiswerten Wohnraum, sehr markant – gerade in einer Großstadt wie Köln.”

Die GAG sollte dieses Problem lösen. Cassel gehörte acht Jahre vor seinem Tod zu den Kölner Unternehmern, die die finanzielle Grundlage zur GAG-Gründung legten. Mit 250.000 Goldmark, was heute etwa 1,3 Millionen Euro entspricht, beteiligte er sich daran. Soénius: „Das war richtiges Mäzenatentum.”

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Ernst Cassel auf einem Gemälde aus dem Jahr 1907. Der Bankier mit der faszinierenden Biographie war Mitbegründer der GAG.

Der am 3. März 1852 als Sohn eines jüdischen Bankiers geborene Ernst Cassel hatte mit 14 Jahren eine Lehre im Bankhaus Eltzbacher in der Rheinaustraße begonnen. Aber schon bald zog es ihn ins Ausland. Mit 17 kam der junge Ernst nach England, Liverpool war seine erste Station, ehe er für einige Jahre nach Paris ging, bevor er – für den Rest seines Lebens – ins britische Königreich, damals noch ein „Empire”, zurückkehrte.

Ernst Cassel aus Kölner führte Geschäfte in der ganzen Welt

Mit 22 wurde Ernst Cassel Führungskraft eines angesehenen Bankhauses in London – und machte mit finanziellen Erfolgen Furore. Sein Gespür und sein Geschäftssinn eröffneten dem Kölner Zugang zu den angesehensten Londoner Kreisen in Politik, Hochfinanz und Adel bis hin zum Königshaus.

1878 heiratete er zudem die Bankierstochter Annette Maxwell. Ernst Cassel, der Junge vom Filzengraben, der sich später in Ernest umbenannte, war eine der geachtetsten Persönlichkeiten im Machtzentrum London.

Er verhandelte mit den Bankern des Osmanischen Reiches, investierte in die Goldminen Sibiriens und in Schwedens Erz, finanzierte Megaprojekte von Ägypten bis Uruguay und China.

„Man kann schon sagen: Ernst Cassel war ein Weltbankier. Aber weder in England, noch in Deutschland gibt es eine Biografie über ihn”, erklärt Ulrich Soénius. Das soll sich nun ändern ...

Freunde fürs Leben: Ernst Cassel und König Edward

Das bewegte Leben von Ernst Cassel bietet viele Ansätze. 1889 gründete er beispielsweise ein eigenes Gestüt und nahm bald mit selbstgezüchteten Rassepferden an Pferderennen teil. Bei einem dieser Rennen lernte er Edward, Prince of Wales, kennen – den späteren König Englands.

Sie blieben Freunde fürs Leben. Auch zu hochrangigen Politikern wie den späteren Premierministern Herbert Asquith und Winston Churchill (den er in seinen Anfangsjahren finanziell förderte) unterhielt der Kölner beste Verbindungen.

Seine Enkeltochter Edwina sollte später den legendären Lord Louis Mountbatten heiraten, letzter Vizekönig Indiens und Onkel von Prinz Philip, dem Ehemann von Queen Elizabeth. Mountbatten, der Lieblingsonkel von Prince Charles, wurde 1979 bei einem IRA-Attentat getötet.

Stiftung von Ernst Cassel hilft heute noch Menschen in Not

Sir Ernest Cassel starb 1921 in London. Den Großteil seines Vermögens vermachte er seiner Enkeltochter Edwina. Außerdem hatte er verfügt, dass ein Teil seines Erbes in eine neu zu gründende Stiftung einfließt, die seitdem als „Ernst-Cassel-Stiftung” Mieter der GAG in Notlagen unterstützt.

„Indem er auch an die sozial Schwachen gedacht hat, war Ernst Cassel seiner Zeit voraus”, erklärt Stiftungsvorstand Jürgen Becher (71), der frühere, langjährige Leiter des Kölner Mietervereins, gegenüber EXPRESS.

Jedes Jahr werden zwischen 300.000 und 350.000 Euro an Mieter und soziale Einrichtungen verteilt. Eine dieser Einrichtungen ist der Verein „Kindernöte e.V.” in Chorweiler, der seit 1996 mit zahlreichen Projekten die Kinder im Veedel unterstützt und fördert. Sprecherin Ingrid Hack: „Es ist ein großartiges Engagement der Ernst-Cassel-Stiftung, über das wir sehr froh sind.”

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