„Kölle singt“ in der Lanxess-Arena Ein unvergesslicher Tag der kölschen Einheit

Feiernde Menschen bei Kölle Singt 2021 in der Lanxess Arena am 3. Oktober 2021. Foto: Daniela Decker

Feiernde Menschen bei „Kölle Singt 2021“ in der Lanxess Arena am 3. Oktober 2021.

„Kölle singt“ – und Kölle feiert Kölle, und Kölle vergießt Freudentränen: In der Lanxess-Arena fand die erste Großveranstaltung nach all den Corona-Verboten statt. Entsprechend groß waren die Emotionen.

Köln. Kurz nach Karneval 2020. Mit den ersten von etlichen noch folgenden Corona-Verboten wird Andrea Bergs Schlager plötzlich wahr: „Die Gefühle haben Schweigepflicht.“ Ein Satz, der erst recht in Köln wie ein Aufruf zur Folter klingt.

Zu lange war es weg: Dieses „Jeföhl“, das man zwar beschreiben kann, aber jeder mal am eigenen Leib gespürt haben muss – um zu wissen, was es bewirkt und ausmacht.

„Kölle singt“ wird zum Tag der kölschen Einheit

Wer „Kölle singt 2021“ in der Lanxess-Arena erlebt hat, kann mehr als ein Lied davon singen. Und: Er wird diesen Sonntagabend wohl niemals vergessen. Dieser 3. Oktober 2021, er ist auch der Tag der kölschen Einheit.

Hier können Sie sich den „Kölle singt“-Stream aus der Lanxes-Arena nochmal anschauen:

Bereits am Nachmittag stehen die 12.600 Besucher Schlange vor der Arena, die damit gemäß der aktuellen Corona-Regeln ausverkauft ist. Die Vorfreude auf das erste Groß-Event im Henkelmännchen seit Beginn der Pandemie ist überall zu spüren.

Gänsehaut in der Lanxess-Arena

Kurz nach 18 Uhr: Moderator Lukas Wachten, zugleich Veranstalter mit Stephan Brandt, begrüßt alle Mitsängerinnen und Mitsänger des Abends. Tenor: All den Driss der letzten Zeit vergessen und zweieinhalb Stunden „Gänsehaut“ genießen.

In der Arena gilt die 2-G-Regel, so dass ohne Maske geschunkelt, gesungen und gefeiert werden kann. Infiziert sind an diesem Abend dennoch alle: vom Colonia-Virus – hochansteckend. Und der Haupterreger steht auf der Bühne: Björn Heuser.

„Nach all den Monaten, die viel zu still waren, ist es eine ganz besondere Freude. Ich bin aufgeregter als sonst,“ gestand der Sänger und Gitarrist kurz vor Konzert-Beginn EXPRESS.de. „Wir kriegen das wieder hin mit dem kölschen Gefühl!“, ruft er wenig später nach dem Höhner-Klassiker „Hey Kölle“ in die Halle.

Gesagt, getan: Die Arena singt sich in die „Kaygass Nr. O“, schenkt der „Ahl e paar Blömcher“ und lässt den Dom natürlich in Kölle.

Es sind alles Balsam-Songs für die kölsche Seele, die wie keine andere in Deutschland für Frohsinn und Lebensfreude steht.

„Stääne“ rührt viele im großen Köln-Chor zu Tränen

Als Gäste begeistern Frank Reudenbach und Robert Kowalak von den Klüngelköpp, vor allem ihr Hit „Stääne“ rührt viele im großen Köln-Chor zu Tränen. Ebenso als Verstärkung holt sich Heuser Miljö-Sänger Mike Kremer auf die Bühne, der gesundheitsbedingt demnächst kürzer treten muss.

Der Flutchor Rondo Vocal aus Grafschaft-Bölingen an der Seite von Björn Heuser (mit Gitarre) bei „Kölle Singt“ 2021 in der Lanxess-Arena.

Der Flutchor Rondo Vocal aus Grafschaft-Bölingen an der Seite von Björn Heuser (mit Gitarre) bei „Kölle Singt“ 2021 in der Lanxess-Arena.

Kölle singt, und Kölle lässt keinen allein: Schon vor dem Mitsing-Konzert wurden Spenden gesammelt. Der sogenannte Flutchor, die A-cappella-Formation „Rondo Vocal“ aus Grafschaft-Bölingen im Landkreis Ahrweiler ist dann im Video zu sehen, wie sie in Gummistiefeln drei Tage nach der Hochwasserkatastrophe die Zusammenhalt-Hymne der Fööss anstimmen: „En unserem Veedel“.

Als der Chor wenig später auf die Bühne kommt, gibt es lang anhaltenden, stehenden Beifall. „Wir sind nur ganz normale, amateurhafte Sänger, die das aber mit viel Leidenschaft machen“, richtet sich einer von ihnen ans Publikum. Seine Stimme stockt, das Publikum ist ebenso bewegt. Gesammelt wird für traumatisierte Kinder im Ahrtal.

Von den Kölner Haien sind unter anderem Maskottchen Sharky und Geschäftsführer Philipp Walter dabei, auch das hat einen Grund: „Kölle singt“ wird Teil des „Winter Game“ zwischen den Haien und Adler Mannheim. Am 1. Januar 2022 wird Heuser bei Deutschlands größtem Eishockey-Spiel im Rheinenergie-Stadion ebenfalls kölsche Klassiker anstimmen.

„Kölle singt“ ebnet den Weg für weitere Groß-Veranstaltungen

Nicht nur für viele Zuschauer ist die fünfte Ausgabe von „Kölle singt“ die emotionalste. Auch für alle Angestellten der Lanxess-Arena markiert der Abend einen „Meilenstein“, wie es Chef Stefan Löcher formuliert. „Kölle singt“ ebne den Weg für die kommenden Veranstaltungen. Entsprechend festlich war er gekleidet: Löcher sang im Smoking mit.

Für sein Lebenswerk wurde Brauchtumsforscher Reinold Louis (81) geehrt. Der Historiker hatte im Vorfeld gegenüber EXPRESS.de das Konzert eingeordnet: „Zusammenhalt, ein romantischer Blick zurück, das Bekenntnis zur kölschen Mentalität – all diese Gefühle werden bei ,Kölle singt‘ erzeugt.“

Zum Beispiel bei einer der Zugaben: „Jraaduss“ von BAP. „Durch Wolfgang Niedecken bin ich zur Musik gekommen“, ruft Heuser, stellt seine fantastische Band vor, setzt sich ans Piano und stimmt an: „Ich ben ene kölsche Jung.“

Während die Arena-Besucher nach Ostermanns „Heimweh nach Köln“ beseelt den Heimweg antreten, richten die Organisatoren den Blick bereits nach vorn: Der Kartenvorverkauf für „Kölle singt“ am 2. Oktober 2022 hat bereits begonnen. Tickets gibt es ab 16,80 Euro, unter anderem bei Kölnticket, Telefon 0221/2801.

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