Zoff um eine Party am Zochweg: Das Festkomitee plant erstmals zwei Behindertenbereiche, wo seit Jahren eine private Feier stattfindet.
„Trittbrettfahrer“ unerwünschtZoff um Rosenmontags-Party: „Perversion des Mottos“

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Am Rosenmontag wird in ganz Köln gefeiert.
Zoff vor dem Zoch: Die Rosenmontagsvorbereitungen laufen auf Hochtouren, doch ein Vorhaben des Festkomitees Kölner Karneval (FK) für Zündstoff. Es geht um die sogenannten Puute Kaschöttche, geschützte Bereiche für Menschen mit Einschränkungen.
Zwei dieser neun Zonen sollen erstmals auf der Mittelstraße eingerichtet werden, zwischen den Hausnummern 21 und 23 sowie 27 und 29. Und das sorgt für Zoff, denn genau in diesem Abschnitt, von Nummer 25 bis 31, feiern Anwohnende, Geschäftsinhaber und -inhaberinnen sowie Freunde seit zwölf Jahren die „Papperlapappnas“-Party.
Rosenmontag: Erstmals Puute Kaschöttche während des Zochs an der Mittelstraße geplant
Gesa Schmidt vom Verein Arts and Culture Germany organisiert dort in den Hauseingängen Essen und Trinken, mobile Toiletten, Sicherheitspersonal und einen Zoch-Kommentator. Ein Bändchen kostet 35 Euro plus eine Spende von 30 Euro. Laut eigenen Angaben deckt der Erlös die Kosten und wird gespendet, wie zuletzt an den Verein „Dat kölsche Hätz“.
Die Puute Kaschöttche, inklusive einer Behinderten-Toilette, bedeuten für das Fest nun das Aus. Acht bis zehn Dixi-Klos, die Schmidt normalerweise auf Vereinskosten beim Festkomitee ordert, sollen nicht mehr auf die Mittelstraße dürfen. Das FK möchte diese stattdessen in Seitenstraßen platzieren. In einer E-Mail, die dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt, unterrichtet das FK Schmidt über die Änderungen.
Bei der Organisatorin sorgen die FK-Pläne für Wut. Sie hält den neuen Standort für taktisch motiviert und glaubt, man habe den Bereich gezielt ausgewählt, damit die „Papperlapappnas“ nicht mehr stattfinden kann, da sie dem FK ein Dorn im Auge sei.
„Zwischen Hausnummer 15 und 17 wird die Mittelstraße viel breiter. Da ist Platz ohne Ende. Wo wir feiern, ist es total eng.“ Sie spricht von „Schikane“ und sagt: „Wir haben uns immer an jede Auflage gehalten. ‚Mer dun et för Kölle‘ ist das Sessions-Motto. Das ist aber die Perversion des Mottos.“
Streit Mittelstraße: Festkomitee pocht auf alleiniges Vermarktungsrecht
Das Festkomitee teilt auf Anfrage mit: „Der zusätzliche Standort in der Mittelstraße ermöglicht einen barrierefreien Zugang und eine leichte An- und Abfahrt auch während des Zuges (keine Zugwegkreuzung). Dies ist wichtig, da in beiden Puute-Kaschöttche Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen stehen beziehungsweise sitzen, und nicht alle in der Lage sind, bis zum Ende teilzunehmen.“ Zudem heißt es: „Beide Standorte haben wir in enger Absprache mit dem Ordnungsamt ausgewählt“.

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Auf der Mittelstraße stellt Papperlapappnas Infrastruktur für den Zoch.
Alle Kaschöttche befinden sich in Straßen „mit nicht ganz so dichtem Besucheraufkommen“. Laut einem online einsehbaren Zugplan des FK sind das die orange markierten Bereiche. Auf die Frage, ob andere Straßen bereits ausgelastet seien, antwortet der FK-Sprecher eher allgemein: „Die Kaschöttche stoßen auf verstärktes Interesse und werden von uns auf die orangefarbenen Flächen, die nicht so ausgelastet sind, verteilt.“
Gesa Schmidt will diese Argumentation nicht gelten lassen. Ohne die Spenden vom Rosenmontag könnten viele soziale Projekte nicht mehr gefördert werden. Ihr sei bereits Behindertenfeindlichkeit vorgeworfen worden, weil sie das FK-Vorhaben kritisiert. „Das ist absurd. Nach einem schrecklichen Motorradunfall vor mehr als einem Jahr habe ich selber einen schwerbehinderten Sohn, das Thema Inklusion ist also für mich jeden Tag brandaktuell“, stellt sie klar.
Mittelstraße: „Trittbrettfahrer“ nicht erwünscht
Das FK macht keinen Hehl daraus, dass es sich am Ausmaß von Schmidts Party mit hunderten Teilnehmenden stört. „Die gemeinnützige GmbH des Kölner Karnevals hat das alleinige Vermarktungsrecht für die gesamte Zugwegstrecke, weil die gGmbH den Rosenmontagszug verantwortet, organisiert und bezahlt.“
Der Zug verursache jährlich Kosten von 3,5 Millionen Euro und sei „hoch defizitär“. Die Tribünen, die etwa 20 Prozent des Zugwegs einnehmen, seien „kaum vergleichbar mit einer Privatperson, die bei einer Veranstaltung, zu der sie nichts beiträgt, öffentlichen Raum für sich beansprucht und dafür auch noch Eintritt nimmt. Niemand würde auf die Idee kommen, beispielsweise im Stadion einen Bereich für sich zu beanspruchen und dafür die Hand aufzuhalten“. Solche „Trittbrettfahrer“ seien nicht erwünscht, so das FK.
Winfried Hüpel von Brillen Hallerbach an der Mittelstraße 29 ist von Anfang an dabei und stellt seinen Hauseingang zur Verfügung. „Es hat bisher keine Probleme gegeben. Ich war selber auch schon einige Mal dabei, es wurde schön gefeiert“, sagt Hüpel. Er vermutet hinter der Standortwahl „Karnevalspolitik“ und gibt zu bedenken: „Ich freue mich, wenn Rollstuhlfahrer den Zug ungestört angucken dürfen, aber ob es hier sein muss, an dieser engen Stelle: Letztes Jahr wurde sich ja über das Gedränge wegen Stehpodesten beschwert“.
Beschwerden kamen hingegen vom Betreiber des benachbarten Café Rico, der anonym bleiben möchte. „Aufmachen lohnt sich für uns aber gar nicht mehr, weil die Leute an der Stelle nicht mehr durchkommen. Und vor zwei Jahren standen frühmorgens um halb sieben die Toiletten bereits vor unserem Laden.“ Er habe beobachtet, dass Sicherheitspersonal Leute ohne Bändchen nicht durchgelassen habe. (red)
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