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Kölns Altmeister wird 101 JahreSebus übt harte Kritik am Zustand seiner Stadt

Ludwig Sebus wird 101 Jahre alt. Vorher sprach das Kölner Original über die Dinge, die ihn an seiner Stadt stören, und über seine persönlichen Herausforderungen. 

Er trifft die kölsche Seele wie kaum ein anderer. Seine freundliche, positive Art steckt alle an, sobald er in einen Raum kommt. Die Bezeichnung Grandseigneur im Kölner Karneval passt perfekt zu Ludwig Sebus.

Am Samstag (5. September 2026) feiert der Krätzchensänger, Komponist und Textdichter seinen 101. Geburtstag. Vor einem Jahr konnte er seinen Ehrentag nicht richtig zelebrieren, da er nach einem Sturz noch sehr eingeschränkt war.

Ludwig Sebus wird 101: Altmeister rechnet mit 120 Gästen

Doch jetzt freut sich der Jahrhundert-Kölner auf einen Geburtstag mit engsten Freunden und Weggefährten. „Ich habe die eingeladen, die auch immer mich einladen. Ein Freund kam zum anderen. Am Ende bin ich auf 120 Leute gekommen. Ich verspreche: An dem Tag gibt es Turbulenzen in allen Formen.“ Sagt’s und bricht wieder in sein typisches Lachen aus.

Der WDR wollte Sebus gern in der Talkrunde „Kölner Treff“ haben. Doch dies lehnte er ab. „Ich fühle mich nicht wohl vor TV‑Kameras. Im Fernsehen steht die Optik immer noch an erster Stelle und ist für viele wichtiger als das Gesagte.“ Deshalb spricht die Frohnatur lieber beim Treffen mit EXPRESS.de über die Dinge, die ihn bewegen.

Die körperlichen Probleme werden mit 101 Jahren nicht geringer. „Ich habe oft Krämpfe in den Füßen, Arthrose im Nacken, Hautkrebs. Ich schleppe einiges mit. Manchmal werde ich nachts drei- bis viermal wach, weil ich Krämpfe habe oder auf Toilette muss. Auch die Sehleistung wird schwächer, beim Hören habe ich ebenfalls Probleme“, zählt er auf. „Wenn man morgens wach wird, muss man sich freuen.“

Ludwig Sebus sitzt mit einer Gitarre in der Wirtschaft.

Copyright: Daniela Decker

Ein Instrument kann Ludwig Sebus gar nicht spielen. Musik ist aber dennoch die große Leidenschaft des Kölner Originals.

Dabei ist Sebus so gern in Gesellschaft. „Es hilft mir, wenn ich mit Leuten zusammensitzen und lachen kann.“ Aber die altersbedingten Einschränkungen machen dies nicht immer einfach. „Wenn ich in einem Karnevalssaal sitze und der Lärmpegel hoch ist, bekomme ich kaum etwas mit. Da muss man schon aufpassen, dass man bei Gesprächen nicht außen vor bleibt.“

In der vergangenen Session war er auf rund 150 Terminen. Freund Manfred Schäfer und dessen Frau Uschi vom Brauhaus Johann Schäfer sind enge Vertraute und Alltagsbegleiter des Kölner Urgesteins. Inge Hellwig, selbst schon 83 Jahre, hilft im Haushalt. „Sie alle sorgen dafür, dass ich unter Menschen komme, denn sie wissen, dass ich dann auflebe“, sagt der Sänger.

Ein weiterer Sebus-Weggefährte ist Gustav Pesch, den alle nur Jussi nennen. Der feierte im Vorjahr sein 50. Jubiläum als Wirt vom Haus Thomas, das er in sechster Generation führt. Damit nicht genug. Das Traditionslokal in der Nähe der Rochuskirche existiert in diesem Jahr seit 180 Jahren. Und der Wirt feiert einen Tag nach seinem Freund Ludwig seinen 70. Geburtstag. „Wir feiern zusammen rein“, sagen sie lachend.

Gustav „Jussi“ Pesch zusammen mit Ludwig Sebus.

Copyright: Daniela Decker

Ludwig Sebus zusammen mit Gustav „Jussi“ Pesch (l.), dem Wirt seiner Lieblingskneipe in Bickendorf.

Bis 1975 hat der Kultwirt bei Fortuna Köln gespielt. „Ich war ein El-Mala-Typ“, sagt er über sich. „Aber unser Präsident Jean Löring suchte damals andere Spielertypen. Daraufhin habe ich meine Karriere beendet und mit meiner Mutter Annemarie das Lokal geführt. Damals hatte Bickendorf noch 20 Kneipen, heute nur noch drei. Die Wirtschaft war der Treffpunkt schlechthin.“

Auch Sebus, der 1960 ein Doppelhaus ganz in der Nähe gebaut hat, war oft zu Gast. Noch heute gönnt er sich dort gelegentlich Reibekuchen. Nur mit dem Alkohol hält er sich inzwischen zurück. „Wenn ich früher meine Kinder gesucht habe, waren die meist beim Jussi. Das war wie eine Kinderauffangstelle.“ Im gegenüberliegenden Montessori-Gymnasium zeigt heute noch ein Einbahnstraßenpfeil mit der Aufschrift „Jussi“ zum Lokal.

Wirt Gustav „Jussi“ Pesch steht hinter der Theke.

Copyright: Daniela Decker

Gustav „Jussi“ Pesch feiert zusammen mit Sebus nicht nur seinen 70. Geburtstag, sondern das 180-jährige Bestehen seiner Kneipe.

Beim Gespräch im Schankraum gehen Sebus‘ Gedanken Richtung Zustand seiner Stadt. „Köln hat sich nach hinten entwickelt“, sagt er ernst. „Der einzige Hoffnungspunkt ist der Dom. Wenn man den nicht mehr sehen würde, wären wir bedeutungsloser als Düsseldorf.“ Wieder folgt das mitreißende Lachen.

Aber schnell wird die Köln-Ikone wieder ernst: „Die Erfordernisse, den Dom zu erhalten, sind schon da. Weltweit zahlt man Eintritt in besonderen Gebäuden. Doch wie man das jetzt in Köln regelt, mit dem Preis und dem Ticket-System zum Eintritt, ist schockierend und Blödsinn.“

Noch etwas stört den Mann, der 1925 in Hohenlind das Licht der Welt erblickt hat. „Köln ist zu lahm und zu dreckig geworden. Schnell gehen hier nur Verbote und Ablehnungen. Ich sehe aber viele Dinge, die mir nicht gefallen. Dazu gehört auch der Umgang mit den Suchtkranken, die man wie in ein Ghetto verbannen will.“

Ludwig Sebus mit Familie und Freunden auf seiner Bank.

Copyright: Daniela Decker

Ludwig Sebus mit Familie und Freunden auf der Bank am Rheinufer, die er zum 100. Geburtstag von der Familie bekommen hat.

Zum 101. Geburtstag hat sich auch Oberbürgermeister Burmester angekündigt. „Ich bin mit Torsten per Du“, sagt Sebus. „Von ihm habe ich einen guten Eindruck. Er sieht die Probleme der Stadt, ist Realist und will für Köln nur das Allerbeste.“

Vielleicht schafft der es auch, die Hängepartie rund um das geplante Sebus-Denkmal zu beenden. Schon zum 95. Geburtstag war dem Altmeister ein Brunnen am Deutzer Rheinufer in Aussicht gestellt worden. Passiert ist seitdem nichts.

Torsten Burmester zusammen mit Ludwig Sebus.

Copyright: Daniela Decker

Auch Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (l.) wird Ludwig Sebus am 5. September persönlich gratulieren.

Den Sänger würde es freuen, wenn er die Errichtung noch zu Lebzeiten feiern könnte. Weitere große Wünsche hat er nicht. „Wenn ich ein sicheres Dach über dem Kopf habe und im Kühlschrank Sachen sind, die mir schmecken, benötige ich keine Millionen. Zufriedenheit ist alles, die kann man durch nichts ersetzen.“

Vielleicht schenkt der bald 101-Jährige der Stadt auch noch ein Musikstück. „Ich könnte mir das vorstellen, noch mal ein Lied aufzunehmen. Ich bin ja noch jung genug.“ Sagt’s und bricht wieder in schallendes Gelächter aus.

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