Die Kölschen Kippa Köpp haben bei „Falafel & Kölsch“ Ludwig Sebus zum Ehrenmitglied ernannt. Zudem berichtete Präsident Aaron Knappstein von einer schockierenden Mail, die ihn erreicht hat.
Gänsehaut und OvationenKippa Köpp ehren Sebus und enthüllen Hass-Mail

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Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (l.) und Bürgergarde-Präsident Markus Wallpott freuten sich mit Ludwig Sebus.
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Bereits zum 6. Mal hieß es am Sonntag (18. Januar 2026) „Falafel & Kölsch“. Die intime Traditionsfeier der Kölsche Kippa Köpp ist eine Mischung aus Karnevalssitzung und öffentlicher Mitgliederversammlung.
Der weltweit einzige jüdische Karnevalsverein hatte im Maritim-Hotel am Heumarkt ein buntes Programm mit Cöllner, Dä Nubbel, Et Klimpermännche, Kölsche Stäänefleejer und Domstädter auf die Beine gestellt.
Kölsche Kippa Köpp: Zum 6. Mal „Falafel & Kölsch“
Es gab aber auch ernste Worte. Präsident Aaron Knappstein verriet, dass er eine E-Mail erhalten habe, die ihn sehr mitgenommen habe. Der anonyme Schreiber wollte dem Präsidenten untersagen, das Sessionsmotto „Mer dun et för Kölle“ zu nutzen.
Köln sei schließlich nicht seine Heimat. „Menschen wie du, müssten sagen, ‚Mer dun et för Israel‘“, stand in der Mail. Am besten solle er das sagen, wenn er nach Israel verschwinde.
„Ich weiß, dass in diesem Saal niemand so denkt. Ich weiß auch, dass es eine klare Mehrheit in unserer Stadt gibt, die nicht so denkt. Aber es gibt Menschen, die so denken. Auch in unserer Stadt“, sagte Knappstein.
„Aus diesem Grund hat das Motto für mich nun noch eine ganz andere Bedeutung, die ich immer mit mir trage. ‚Mer dun et för Kölle‘ muss heißen, dass wir immer wieder klar und deutlich für die offene und tolerante Stadt, für die Demokratie und unser Lebensgefühl kämpfen müssen.“ Dafür gab es stehende Ovationen der Gäste.

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Aaron Knappstein, Präsident der Kölsche Kippa Köpp, ernannte Ludwig Sebus zum Ehrenmitglied.
Für einen weiteren Gänsehautmoment sorgte Kölns Grandseigneur Ludwig Sebus. Der 100-Jährige wurde zum Ehrenmitglied der Kippa Köpp ernannt. „Jeder Kölner Karnevalsverein sollte ihn als Ehrenmitglied aufnehmen. Ludwig macht immer so klar deutlich, was diese Stadt ausmacht und für was wir zu kämpfen haben“, sagte der Präsident.
„Er macht deutlich, dass es um Toleranz, Offenheit und Liberalität geht. Das macht er in unseren Augen viel deutlicher als so mancher, der ‚Arsch huh, Zäng ussenander‘ schreit.“ Knappstein berichtete auch von einem Treffen vor vielen Jahren in Sebus‘ Wohnzimmer.
„Da hat er mir erzählt, dass sein Vater Jakob Sebus während der NS-Zeit einen jüdischen Kaufmann im Kindergarten St. Michael versteckt hat. Somit verbindet die Familie Sebus eine Geschichte mit der jüdischen Gemeinschaft der Stadt.“ Der Hit „Jede Stein vun Kölle“ ertönte und der Jahrhundertkölner nahm stolz sein blaues Kippa-Köpp-Krätzchen entgegen.

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Ludwig Sebus erhielt am Sonntag (18. Januar 2026) das Krätzchen der Kölsche Kippa Köpp, als er bei „Falafel & Kölsch“ zum Ehrenmitglied ernannt wurde.
„Ich bin sehr, sehr stolz und gerührt, dass man an mich gedacht hat. Ich mache das auch für meinen Vater“, sagte er, ehe ihm die Tränen kamen. Aber Sebus findet immer wieder schnell zurück zu seiner herrlich offenen Art. „Ich bin gespannt, wann die Kippa Köpp einmal das Dreigestirn der Session stellen werden“, sagte er und löste lauten Jubel im Saal aus.
Der Literat der Kölschen Kippa Köpp hatte auch die Bürgergarde blau-gold eingeladen. Die hatte in Ernst Franken einen Senatspräsidenten, der Mit-Initiator des Dienstagszuges durch Ehrenfeld war. „Es ist schön zu sehen, dass es vor 1933 und nach dem Krieg jüdische Karnevalisten gab, die sich in den Vereinen engagiert und zusammen gefeiert haben. Sie zeigen, dass man zusammen feiern und zueinanderstehen sollte“, sagte Knappstein.
Auch Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester war zu Gast. Er trug ein besonderes rotes Krätzchen, das die Bonner Andrea und Dieter Blum zur Finanzierung von weiteren Stolpersteinen erstellt hatten. Neben ihm saß Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden.
