Musiker JP Weber hat mit Schneiderin Wiebke Tirrel seine eigene Version des Lappeclown-Kostüms auf den Markt gebracht. Mit dem Verkauf werden Spenden für die Schull- un Veedelszöch gesammelt.
Die Schneiderin und der Bütt-StarTraditions-Kostüm hat es so noch nie gegeben

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JP Weber und Schneidermeisterin Wiebke Tirrel präsentieren das besondere Lappeclown-Kostüm.
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Der Kölner Karneval wird immer wieder für seine kulturellen Aneignungen bei verschiedenen Kostümen kritisiert. Ein jeckes Outfit, das zur Stadt wie der Kölner Dom gehört, ist der kölsche Lappeclown.
Kostümschneiderin Wiebke Tirrel widmet sich zum zehnjährigen Bestehen ihrer Schneiderei „Die Karnevalesque“ dem Lappeclown. Zusammen mit JP Weber verbindet sie Handwerk, kölsche Kultur und soziales Engagement.
JP Weber übergibt die Lappeclown-Kostüme samt Ständchen
Aus Stoffresten, Pailletten und Strass wurden die Unikate gefertigt. „Für mich ist der Lappeclown das generationsübergreifende Kostüm überhaupt im Kölner Karneval. Ferner steht es für Straßenkarneval pur“, betont Weber.
Der Musiker geht im EXPRESS.de-Gespräch noch einen Schritt weiter. „Der Lappeclown ist das einzige Kostüm, wo keiner eine kritische Meinung darüber haben kann, denn es basiert nicht auf rassistischen Klischees. Man braucht sich auch nicht das Gesicht mit dunkler Farbe zu bemalen. Ganz im Gegenteil: Ein Clownsgesicht ist bunt. Der Lappenclown ist kein respektloses Kostüm, sondern eins, was für den echt kölschen Fastelovend steht.“
Eigens zum Jubiläum hat Wiebke Tirrel, die als junge Meisterin fünf Jahre in der Schneiderei des Festkomitees gearbeitet und sich nach deren Auflösung innerhalb einer Woche selbstständig gemacht hat, eine ganz besondere Idee in die Tat umgesetzt.
„Zu der ganz individuellen Lappenjacke ist der Text eines von JP Weber geschriebenen Gedichts auf den Kostümteilen verewigt. So wird jedes Stück zu einem karnevalistischen, mit Poesie und Handwerkskunst gepaarten tragbaren Unikat, das auch noch Gutes tut“, kündigt Tirrel an.

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Zwischen den Lappen der Jacke ist der Text des Gedichts von JP Weber eingearbeitet.
Die exklusiven Jubiläumsstücke sind zum Preis von 1111 Euro erhältlich. Zehn Prozent des Verkaufspreises werden an die Schull- un Veedelszöch gespendet. Besonderer Höhepunkt: Nach Fertigstellung der Kostüme überbringt JP Weber die Bestellung persönlich und singt ein Ständchen – „was natürlich ömensöns ist.“
„Dass JP Weber dieses Jubiläum mit einem eigens geschriebenen Gedicht begleitet, macht das Projekt für uns besonders wertvoll“, sagt Tirell, die bereits mit sechs Monaten erstmals am Rosenmontagszug teilnahm. Überdies war sie aktive Tänzerin der Kölschen Harlequins und später der Hellige Knäächte un Mägde.
Das Lappeclown-Gedicht von JP Weber
- Als Panz do wor dat einfach, do kunns sinn wat Do wills. Häs Fossball ob de Stross jekick un och em Dreck jespellt. Die einzje Rejel wor för Dich, sei nett zo alle Lück. Denn et Levve es ei Gruppenspell, do kress et all zorück. Als ich dann ens 30 wor, ne Halflang, ne Hanak Ei Mädche hädden mir anjedonn, un hät mer beijebraht. Mit Fründlichkeit un jot jeschick, kanns noch immer alles Sinn. Doch vörm Alder Jüngelche, Erhevve nit ding Stimm. Jetz mit 60 fällt mer minge Papp, han selvs ne Hauf vun Pänz. Hann nie eine Minsch affjejrenz, ov Rich ov Arm ov Stenz. Hugfärv ov ein Religion, fürm Herrjott sin mer glich Dä Fasteleer dä zeich et uns, Brauchtum es Pflicht. Die Moral vun minger Jeschech, behalt dem Alder sing Jeseech, Schenk dä Jugend Symphathie Un Rette die Welt met Emphathie Denn för jede Kölsche es et ne Draum Em Fasteleer als Lappeclown.
Für jede Lappenjacke benötigte die jecke Schneiderin in ihrem Atelier in Ehrenfeld knapp 40 Stunden. Da das Kostüm beim Auftritt auf der Bühne zu warm ist, hat Weber eine spezielle Lappenclownfliege und ein passendes Einstecktuch bekommen. Bei der Fernsehsitzung im Gürzenich will er seine Jacke jedoch tragen.
Tirrel schneidert zum Zehnjährigen unter anderem auch für Björn Heuser, Nici Kempermann und diverse Tanzgruppen. Auch die Kostüme für den Vorstand des 1. FC Köln hat sie entworfen. Ansonsten ist sie in jeder Session die Rettung für die Korps-Gesellschaften, wenn schnell etwas repariert werden muss.

